„So unrecht hat er nicht“

Katar-WM: Joschka Fischer verteidigt Gabriel – und beklagt „Von-oben-herab-Kritik“ in Deutschland

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Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen), ehemaliger Bundesaußenminister.
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Sigmar Gabriel hatte in einem Tweet die deutsche Arroganz in der Katar-Debatte gerügt. Jetzt stimmte ihm der frühere Außenminister Joschka Fischer zu.

Hamburg/Doha - Am 20. November beginnt die Fußball-WM in Katar. Das Gastgeberland steht wegen massiver Verletzungen von Menschenrechten beim Bau der Stadien in der Kritik. Zuletzt nahm der Streit um das Turnier zu, Ex-SPD-Chef und -Außenminister Sigmar Gabriel wetterte in einem Tweet gegen die deutsche Kritik an Katar.

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Gabriel hatte Ende Oktober geschrieben: „Die deutsche Arroganz gegenüber Katar ist zum Ko...!“. Auch Deutschland habe „Jahrzehnte gebraucht, um ein liberales Land zu werden. Fortschritt kommt nicht über Nacht, sondern Schritt für Schritt“.

Jetzt ist ihm Joschka Fischer zur Seite gesprungen. Auch er verteidigte die Regierung Katars gegen Kritik. „Ich finde, so unrecht hat er in der Sache nicht, wenn er da eine gewisse Von-oben-herab-Kritik kritisiert“, sagte der frühere Grünen-Außenminister dem Nachrichtenmagazin stern mit Blick auf Gabriels Äußerungen.

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„Ich hätte mir gewünscht, dass Sigmar Gabriel eine weniger provokante Sprache benutzt hätte“, sagte Fischer weiter. In der Sache allerdings stimmte er ihm zu. Durchsetzung von Menschenrechten erfordere „Ausdauer“. „Es ist jede Mühe wert, dafür zu sorgen, dass Katar auf dem Weg, den es geht, vorankommt“, so der 74-Jährige.

Wie rückständig Katar bei Toleranz und Menschenrechten tatsächlich ist, bewies jetzt ausgerechnet der WM-Botschafter des Emirats. In einem Interview mit dem ZDF bezeichnete Khalid Salman Homosexualität als „geistigen Schaden“. Daraufhin brach der Pressesprecher des WM-Organisationskomitees das Interview sofort ab. (mt/SID)

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