G7-Gipfel ändert wegen Nahost-Krise Protokoll – Israel-Iran-Erklärung im Wortlaut
VonMarcus Giebel
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Für Donald Trump währt der G7-Gipfel nur zwei Tage. Ein überraschendes Kommuniqué der Gruppe enthält einen häufig verwendeten Satz des US-Präsidenten.
Kananaskis – Gleich zwei dicke Überraschungen lieferte der zweite Tag des G7-Gipfels im kanadischen Kananaskis. Wobei eine davon einem echten Paukenschlag gleichkam. Denn US-Präsident Donald Trump verließ das Treffen der Staats- und Regierungschefs der führenden westlichen Nationen vorzeitig. Damit fällt das vor allem von den Europäern erhoffte Gespräch zwischen dem Republikaner und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj aus.
Statt über den Ukraine-Krieg diskutierten Trump, Bundeskanzler Friedrich Merz und die anderen G7-Vertreter vor allem über den Nahost-Krieg zwischen Israel und dem Iran. Der ist augenscheinlich auch der Grund für das verfrühte Farewell des mächtigsten Mannes der Welt. Immerhin rangen sich die Anwesenden zu einem gemeinsamen Statement durch, auch wenn dieses mit acht Sätzen sehr kurz gehalten ist.
Israel im Krieg mit Iran: Raketen fliegen, Menschen werden evakuiert
G7-Vertreter geben Statement zu Israel-Iran-Krieg ab: „Engagement für Frieden und Stabilität“
Dennoch war diese Erklärung die zweite Überraschung des Tages. Auf der offiziellen Seite des Gipfels wurde es unter der Überschrift „Erklärung der G7-Staats- und Regierungschefs zu den jüngsten Entwicklungen zwischen Israel und dem Iran“ veröffentlicht.
Der Wortlaut des Statements: „Wir, die G7-Staats- und Regierungschefs, bekräftigen unser Engagement für Frieden und Stabilität im Nahen Osten. In diesem Zusammenhang stellen wir klar, dass Israel das Recht hat, sich zu verteidigen. Wir bekräftigen unsere Unterstützung für die Sicherheit Israels. Wir betonen außerdem die Bedeutung des Schutzes der Bevölkerung.“
Schließlich ist mit Blick nach vorne zu lesen: „Wir fordern nachdrücklich, dass die Lösung der Iran-Krise zu einer umfassenderen Deeskalation der Feindseligkeiten im Nahen Osten, einschließlich eines Waffenstillstands im Gazastreifen, führt. Wir werden die Auswirkungen auf die internationalen Energiemärkte weiterhin aufmerksam beobachten und sind bereit, uns auch mit gleichgesinnten Partnern abzustimmen, um die Marktstabilität zu wahren.“
Israel im Krieg mit dem Iran: Neun Länder sind im Besitz von Atomsprengköpfen
Israel begann in der Nacht auf Freitag (13. Juni) mit Luftangriffen auf Ziele im Iran. Teheran reagierte seinerseits mit Bombardements. Hintergrund der Eskalation ist das Atomprogramm des Iran. Israels Führung befürchtet, dass eine Atombombe entwickelt werden soll, die eine nie dagewesene Bedrohung für das Land darstellen würde.
Merz, der sich in Kanada auch mit Trump unter vier Augen austauschte, hatte bereits vor seiner Abreise nach Kanada zu diesem Thema klargestellt: „Iran darf keine Nuklearwaffen entwickeln und auch keine besitzen.“ Derzeit soll es neun Länder geben, die über Atomsprengköpfe verfügen, darunter auch Israel.
Die infolge der beiden Atombomben-Abwürfe der USA auf Japan im Zweiten Weltkrieg gegründete Federation of American Scientists (FAS) schätzt den weltweiten Bestand im Juni 2025 auf 12.241. Der Großteil davon entfällt auf Russland und die USA, die zusammen auf 10.636 kommen. Ansteigende Zahlen werden in China, Indien, Nordkorea, Pakistan, Russland und Großbritannien verzeichnet.
Trump erklärt Abschied vom G7-Gipfel: „Es ist viel größer als ein Waffenstillstand“
Die USA sollen ihren Bestand dagegen abbauen. Trump warnte auf Truth Social mit Blick auf den Krieg zwischen Israel und dem Iran in den vergangenen Stunden und Tagen mehrfach in Versalien: „Iran kann keine Nuklearwaffen haben.“ Teilweise reicherte er diesen Satz, der also fast wortgleich im G7-Statement landete, auch mit seinen Slogans „America First“ und „Make America great again“ an.
Auch zu seinem abrupten Abflug vom G7-Gipfel äußerte sich der 79-Jährige auf diesem Weg. Dabei kritisierte er zunächst Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron, der in diesem Zusammenhang von einem bevorstehenden Waffenstillstand zwischen Israel und dem Iran gesprochen hatte. „Falsch! Er hat keine Ahnung, warum ich mich auf den Weg nach Washington gemacht habe, aber es hat sicher nichts mit einem Waffenstillstand zu tun“, schrieb Trump.
Und dann erhöhte er die Spannung: „Es ist viel größer als das. Ob absichtlich oder nicht, Emmanuel liegt immer falsch. Bleibt dran!“ Folgt also nach Trumps persönlichem G7-Gipfel-Ende die nächste dicke Überraschung? (mg)