Gruppe der Sieben

G7-Gipfel 2022: Warum hat Deutschland die G7-Präsidentschaft inne?

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Deutschland hat im Jahr 2022 den Vorsitz des G7-Gipfels inne. Doch warum eigentlich - und was bedeutet das genau?

Elmau – Der G7-Gipfel in Elmau findet vom 26. bis 28. Juni unter hohen Sicherheitsauflagen in Deutschland statt. Das Gipfeltreffen gewinnt angesichts der aktuellen Herausforderungen in der Welt und in Europa wie etwa des Ukraine-Konflikts noch mehr Bedeutung. Doch warum übernimmt die Bundesrepublik in diesem Jahr die G7-Präsidentschaft und welche Aufgaben und Vorteile gehen damit einher?

G7-Gipfel in Deutschland: Das ist die „Gruppe der Sieben“ - und deshalb ist China nicht dabei

Am G7-Gipfel nehmen laut eigener Definition die sieben führenden Industrienationen und Demokratien der Welt teil. Zur Gruppe der Sieben (G7) gehören Deutschland, Kanada, Frankreich, Italien, Japan, Großbritannien und die Vereinigten Staaten. Auch die Europäische Kommission ist zu G7-Treffen geladen. China ist gemessen am BIP zwar die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, der Volksrepublik fehlt jedoch aufgrund ihrer totalitären Führung der demokratische Aspekt.

Der Gipfel blickt auf eine fast 50-jährige Geschichte zurück: Die G7 besteht seit 1975 - zu Beginn noch ohne Kanada. Zeitweise wurde die Gruppe der Sieben sogar um ein Mitglied erweitert. Im Jahr 1998 nahm die G7 Russland auf und wurde dadurch zur G8. Nach der Annexion der Krim im März 2014 schlossen die ursprünglichen Mitglieder die Russische Föderation allerdings wieder aus, sodass seitdem die Rückkehr zum G7-Format erfolgte.

Das Zusammentreffen der damaligen G8 erfolgte im Jahr 2012 unter US-amerikanischer Präsidentschaft in Camp David, dem Sommersitz des US-Präsidenten.

G7-Gipfel in Elmau: Deshalb hat Deutschland im Jahr 2022 die Präsidentschaft inne

Der G7-Gipfel findet jährlich statt. Es handelt sich dabei nicht um eine internationale Organisation, sondern um ein informelles Forum oder Netzwerk. Deshalb gibt es keinen Verwaltungsrat, keine Satzung, keine förmlichen Beschlüsse und ebenso keine permanente Vertretung der G7-Mitglieder. Umso wichtiger ist daher die Rolle des jeweiligen Landes, das die Präsidentschaft innehat. Jedes Jahr übernimmt ein anderes Land den Vorsitz und damit die Organisation.

Im Jahr 2022 kommt diese Rolle Deutschland zu, das damit den Vorteil hat, auch die Agenda des Gipfels bestimmen zu können. Zuletzt fand der Gipfel also vor sieben Jahren in Deutschland statt und wird auch erst im Jahr 2029 erneut in der Bundesrepublik ausgerichtet. Als die Bundesrepublik am 1. Januar 2022 den Vorsitz übernahm, setzte sie sich das Ziel „Fortschritt für eine gerechte Welt“.

Das G7-Treffen der sieben wichtigsten Industrienationen der Welt fand im Jahr 2022 in Deutschland statt. Doch warum eigentlich?

Man wolle auch „die Rolle der G7 als Brückenbauer und Vermittler für Frieden und Sicherheit stärken“, hieß es in der Agenda. „Wir werden unsere G7-Präsidentschaft nutzen, damit dieser Staaten-Kreis zum Vorreiter wird. Zum Vorreiter für klimaneutrales Wirtschaften und eine gerechte Welt“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz anlässlich der Übernahme der G7-Präsidentschaft. Kurz darauf griff Russland am 24. Februar die Ukraine an. Der Kampf für Frieden und Sicherheit wurde damit in Europa zu einem realen Szenario - und noch wichtiger als zuvor.

G7-Programm von Deutschland: „Fortschritt für eine gerechte Welt“ - Das sind die fünf Handlungsfelder

  • Einen nachhaltigen Planeten schaffen: Die G7 will in einer Vorreiterrolle starke Verbündete finden und sich so für den Klimaschutz, die Umwelt und Biodiversität einsetzen. Auch die globale Energiewende will sie so beschleunigen. Deutschlands schlägt vor, einen „Klima-Club“ zu gründen, der den internationalen Klimaschutz voranbringen soll.
  • Wirtschaftliche Stabilität und Transformation: Sozial gerechte und ökologische Transformation sowie ökonomischer Wohlstand sind aus Sicht von Deutschland kein Widerspruch, heißt es in der Agenda. Es sollen die Weichen für eine nachhaltige Zukunft gestellt werden, ebenso soll der Fokus auf eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung gelegt werden.
  • Gesundes Leben: Beim Engagement im Kampf gegen die Pandemie sieht Deutschland sich als Vorreiter - ebenso bei der Pandemievorsorge. Die Bundesrepublik will zudem eine „verbesserte internationale Gesundheitsarchitektur“. Dabei geht es auch darum, die Impfgeschwindigkeit gegen Corona weltweit zu erhöhen.
  • Investitionen in eine bessere Zukunft: Die Bundesrepublik hat es sich in ihrer Präsidentschaft zum Ziel gesetzt, die internationale Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung im Sinne der Agenda 2030 weiter voranzubringen.
  • Starkes Miteinander: Der Fokus soll während des deutschen Vorsitzes auf einem starken Engagement für soziale Gerechtigkeit, Gleichstellung und inklusive Digitalisierung liegen.

G7-Gipfel in Deutschland: So oft hatte die Bundesrepublik schon die Präsidentschaft inne

Insgesamt siebenmal übernahm die Bundesrepublik bereits die G7-Präsidentschaft. Da zeitweise Russland Mitglied war, verschob sich der siebenjährige Turnus der Präsidentschaft damals zu einem achtjährigen. Aktuell hat jedes Mitgliedsland wieder alle sieben Jahre den Vorsitz inne. 2023 wird Japan diese Rolle übernehmen.

JahrVeranstaltungsort des G7-Gipfels in Deutschland
2022Schloss Elmau (Bayern)
2015Schloss Elmau (Bayern)
2007Heiligendamm (Mecklenburg-Vorpommern)
1999Köln (Nordrhein-Westfalen)
1992München (Bayern)
1985Bonn (Nordrhein-Westfalen
1978Bonn (Nordrhein-Westfalen)
Der G7-Gipfel fand sowohl im Jahr 2015 als auch 2022 unter deutscher Präsidentschaft im Schloss Elmau in Bayern statt.

G7-Gipfel in Deutschland: Das sind die bisherigen Ergebnisse im Jahr 2022

Im Vorfeld des eigentlichen Gipfels finden üblicherweise Fachtreffen der Minister statt. Das Format des zweitägigen Treffens von Energie-, Klima- und Umweltministern der G7-Gruppe war jedoch eine Premiere. Ziel der deutschen Gastgeber war es dabei, die Klimakrise und die Energiekrise zusammen zu behandeln.

In der Abschlusserklärung der sieben großen westlichen Industrieländer geht es einerseits um den Ausstieg aus klimaschädlichen fossilen Brennstoffen. Die Energie-, Klima- und Umweltminister der G7-Gruppe einigten sich bei ihrem Treffen vom 25. bis 27. Mai auf ein Bekenntnis zur Beendigung der Kohleverstromung. Was konkrete Zeiträume angeht, blieb die Erklärung allerdings vage. So hieß es lediglich, dass die Stromversorgung bis 2035 „überwiegend“ dekarbonisiert - also CO2-frei - gestaltet werden solle.

Ein Zieldatum für das angestrebte Ende der klimaschädlichen Kohleverstromung fehlte. Auch im Straßenverkehr soll künftig weniger CO2 entstehen - durch den Einsatz emissionsfreier Fahrzeuge. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bezeichnete die Beschlüsse als „starkes Signal für mehr Klimaschutz“. Zugleich räumte er mit Blick auf die anhaltende Erderwärmung ein: „Was wir tun, ist zu wenig.“

G7 und Co.: Bilder der Proteste gegen die Globalisierung

Gewaltsame Proteste gegen die WTO-Konferenz in Seattle im Jahr 1999.
Internationale Gipfel lösen seit Jahrzehnten immer wieder gewaltsame Proteste aus. Den Anfang machte einst Seattle. In der Stadt im Nordwesten der USA tagte im Jahr 1999 die Welthandelsorganisation (WTO). 40.000 Protestierende kamen in der Stadt zusammen und lieferten sich tagelang Straßenschlachten mit der Polizei. Sogar die Nationalgarde kam kurzzeitig zum Einsatz. Die Auseinandersetzungen gingen als „Battle of Seattle“ in die Geschichte ein und beschäftigten in den USA noch über Jahre hinweg die Gerichte. © Imago
Demonstranten gegen die WTO-Konferenz 1999 in Seattle verbrennen amerikanische Geldscheine als Protest gegen den Kapitalismus.
Vor allem junge Menschen kamen 1999 in Seattle zusammen, um gegen Kapital und Welthandel zu demonstrieren. Eine Gruppe Jugendlicher zündete sogar Dollarscheine an, um ihren Protest gegen die neoliberale Weltordnung, getragen von den USA, zum Ausdruck zu bringen. Die unglaublich hohe Zahl der Demonstrierenden bei besagten Protesten gegen die WTO in Seattle überraschte die Behörden und erwischte Polizei und Stadtverwaltung vollkommen unvorbereitet. Zu den Kundgebungen und Protestaktionen hatten im Vorfeld zahlreiche unterschiedliche Gruppierungen aus dem linken Spektrum aufgerufen: Anarchisten, Gewerkschaften, Umweltaktivisten und viele mehr. Systemkritische und linksradikale Gruppen feierten die Proteste in Seattle als Erfolg - und als Geburtsstunde des Begriffs der Globalisierungsgegner. © Imago
Maskierte Demonstranten werfen während eines Protestes gegen das IMW/Weltbank-Tagung in Prag 2000 Kopfsteinpflaster in Richtung Polizeibeamte.
Was im Jahr 1999 seinen Anfang in Seattle fand, setzte sich ein Jahr später in Prag vor. Dort tagten im Jahr 2000 der Internationale Währungsfonds und die Weltbank. Mehr als 12.000 Demonstranten lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Mehr als 900 Demonstranten wurden festgenommen. Die Demonstranten versuchten mit Straßenbarrikaden und Molotow-Cocktails die Straße zum Prager Kongresszentrum zu blockieren. Den Protesten wohnten auch autonome Gruppen aus ganz Europa bei. Die Anti-Kapitalismus-Demonstranten nutzten auch das Kopfsteinpflaster der Straßen, um diese nach den eingesetzten Polizeikräften zu werfen. © Tomas Zelezny/dpa
Tagung von IWF und Weltbank - Erschöpfte Polizisten
Vor allem rund um das Kongresszentrum in Prag, indem Weltbank und Internationaler Währungfsfonds ihre Versammlungen abhielten, eskalierte die Situation. Während der Zusammenstöße in der Innenstadt wurden 65 Polizeibeamte und 20 Demonstranten verletzt. Berichten zufolge kam es zu Angriffen auf Journalisten. Im Prager Zentrum wurden einige Schaufenster von Läden zerstört. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein, um Aktivistengruppen davon abzuhalten, den Tagungsort des Gipfels zu erreichen. Trotz der großen Polizeipräsenz gelang es den Demonstranten, dass die Gipfel von IWF und Weltbank noch vor dem Ende abgebrochen werden mussten. Hier zu sehen sind erschöpfte Polizisten, die sich nach Zusammenstößen vor dem Prager Kongresszentrum ausruhen. Gefährlichere Auseinandersetzungen mit der Polizei gab im Jahr darauf in Göteborg.  © Stanislav Peska/dpa
Protest gegen EU-USA-Gipfel
Eine noch größere Dimension als die Demonstrationen in Prag erreichten die Proteste gegen den EU-Gipfel in Göteborg im Jahr 2001. Ziel des Treffens war die Reform und Erweiterung der Europäischen Union sowie die Entwicklung einer Nachhaltigkeitsstrategie. Für den Zeitraum des Treffens am 15. und 16. Juni wurden 25.000 Demonstranten erwartet. Die schwedische Polizei war den Ausschreitungen von EU- und US-Gegnern, Anti-Kapitalisten und Globalisierungsgegnern nicht gewachsen. Sie besaß keine Wasserwerfer und setzte kein Tränengas oder Gummigeschosse ein. Als die Polizei am Morgen des 14. Juni das Hvitfeldtska-Gymnasium umstellte, wo mehrere hundert Aktivisten ihr Quartier aufgeschlagen hatten, nahmen die Ausschreitungen ihren Anfang. © Anja Niedringhaus/dpa
EU-USA-Demonstration
Während des Protestmarsches kam es zu Zusammenstößen zwischen der schwedischen Polizei und den Demonstranten. Stühle und Tische aus Cafés wurden als Barrikaden genutzt und von Demonstranten am Freitag, 15. Juni 2001 in Brand gesteckt. Bei den Zusammenstößen wurden mehr als 150 Menschen verhaftet und 36 verletzt.  © Johan Framst/dpa
G 8 Gipfel Genua Demonstrant
In der italienischen Hafenstadt erreichten im Jahr 2001 sowohl die Präsenz als auch die Gewalt der Anti-Globalisierungsproteste eine neue Dimension. Der 27. G8-Gipfel in Genua wurde von heftigen Ausschreitungen überschattet. Schätzungsweise 200.000 Demonstranten kamen nach Genua. Nach Zusammenstößen mit der Polizei und nächtlichen Razzien von Sicherheitskräften beklagten die festgenommenen Personen schwere Misshandlungen durch die Behörden. Die Polizei wurde beschuldigt, brutal vorgegangen zu sein, das Recht auf gewaltfreien Protest verweigert zu haben und die Situation absichtlich eskaliert zu haben. Die italienische Regierung setzte sogar das Schengener Abkommen für die Dauer des Gipfels außer Kraft, um die Bewegungen der Demonstranten aus der gesamten EU zu überwachen. Ausschreitungen konnten damit jedoch nicht verhindert werden.  © Louisa Gouliamaki/dpa
G 8 Gipfel Genua
Im Gegenteil, die Proteste schlugen in brutale Gewalt um. 329 Demonstranten wurden festgenommen. Insgesamt wurden in Genua über 400 Demonstranten und 100 Sicherheitskräfte verletzt. Am 20. Juli wurde der 23-jährige Aktivist Carlo Giuliani aus Genua bei Zusammenstößen mit der Polizei erschossen. Er näherte sich dem Fahrzeug eines italienischen Polizisten mit einem Feuerlöscher. Der Polizist eröffnete das Feuer und traf Giuliani. Anschließend wurde der Aktivist noch zweimal von einem Polizeifahrzeug überfahren. Gegen zahlreiche Polizisten sowie lokale und nationale Beamte wurde im Zusammenhang mit der Veranstaltung ein Verfahren eingeleitet. In einem Prozess mussten sich 28 Polizeibeamte wegen der beiden nächtlichen Razzien vor Gericht verantworten. Ihnen wurde Rechtsbeugung, übermäßige Gewaltanwendung und Unterschlagung von Beweisen vorgeworfen. Auch wegen Misshandlung wurde gegen 45 Staatsbedienstete ermittelt. Es sollte nicht der letzte G8-Gipfel mit schweren Ausschreitungen gewesen sein.  © Luciano Del Castillo/dpa
Jahresrückblick - G8 - Großdemonstration
Denn im Jahr 2007 setzte sich die Gewalt beim 33. G8-Gipfel in Heiligendamm fort. Während sich die Staats- und Regierungschefs der acht größten Industrienationen im Grandhotel Heiligendamm berieten, eskalierten Großproteste gegen die G8, darunter auch die Auftaktdemo in Rostock. Ausgelöst durch militante Demonstranten kam es zu Straßenschlachten zwischen Polizei und Autonomen mit fast 1000 Verletzten. Die Schätzungen der Teilnehmerzahlen variieren von 25.000 bis 80.000. Abseits dieser friedlichen Demonstration kam es zu schweren Auseinandersetzungen zwischen etwa 2000 Autonomen des sogenannten „schwarzen Blocks“ und 5000 Polizisten. Barrikaden wurden errichtet und angezündet, Polizeifahrzeuge wurden mit Steinen beworfen. Die Einsatzkräfte setzten daraufhin Wasserwerfer ein - gegen militante, aber auch gegen friedliche Demonstranten. Ziel der Polizei war es nach eigenen Angaben, die Protestierenden von dem Kundgebungsplatz zu vertreiben und so das Löschen der Brände zu ermöglichen.  © Kay Nietfeld/dpa
G8 - Wasserwerfereinsatz
Während des G8-Gipfels in Heiligendamm sollen rund 1000 Demonstranten festgenommen worden sein. Am Tag des Gipfelbeginns gelang es mehreren tausend Demonstranten trotz des Demoverbots bis in die Nähe des Absperrübungszauns zu gelangen und sämtliche Zufahrtswege zu blockieren. Ein vermeintlicher Anstifter der Polizei soll Demonstrationsteilnehmer bei der Blockadeaktion fotografiert haben. Der mutmaßliche „Agent Provocateur“ soll die Demo angestachelt haben. Ähnliche Vorwürfe gegen die Ordnungshüter gab es auch Jahre zuvor bei den Gewaltorgien in Genua. Nachdem die Polizei zunächst jeglichen Einsatz von Zivilbeamten geleugnet hatte, gab sie später zu, dass der aus der Demo ausgeschlossene Mann ein Zivilbeamter war. Zudem verlor ein Mann bei einem Wasserservereinsatz vor dem Tagungsgelände sein linkes Augenlicht. Das wohl bekannteste Protestbild entstand jedoch ein Jahrzehnt später bei den G20-Protesten in Hamburg 2017.  © Kay Nietfeld/dpa
Jahresrückblick 2017
Den Titel hat dieses Bild der G20-Demonstrationen 2017 in Hamburg inne. Am 07.07. kletterte eine Frau auf die Fronthaube des Sonderwagens „SW4“ der Polizei beim Gorch-Fock-Wall in Hamburg und wurde daraufhin von zwei hessischen Polizisten mit Pfefferspray besprüht. Es hatte drei Strafanzeigen zu dem Vorfall gegeben, alle drei seien geprüft worden. Die Staatsanwaltschaft wertete das Handeln der Polizisten als rechtmäßig. Über den Zeitraum von sechs Tagen fanden mindestens acht gesonderte Protestaktionen und Demonstrationen in Hamburg statt. Einige davon waren friedlicher Natur, während andere das gegenteilige Ziel verfolgten. Die mit Abstand brutalste Protestaktion war die „Welcome to Hell“-Demo am 6. Juli, dem Tag vor Tagungsbeginn, an der schätzungsweise 12.000 Menschen teilnahmen.  © Sebastian Willnow/dpa
G20-Gipfel - Demonstration "G20 Welcome to hell"
Dem Demonstrationszug „Welcome to Hell“ stellten sich beim G20-Gipfel in Hamburg sehr schnell viele Bereitschaftspolizisten und mehrere Wasserwerfer entgegen. Die Polizei sagte, sie habe versucht, den schwarzen Block der Linksautonomen von den friedlichen Demonstranten zu trennen, dies sei aber nicht gelungen. Zwar legten zahlreiche Autonome ihre Maskierung nach Aufforderung ab, jedoch nicht alle. Daraufhin rückten die Beamten überaus robust vor. Protestierer und Autonome flüchteten teils panisch vor den Beamten. Die Stimmung war aufgeheizt, es gab Verletzte, Flaschen flogen, die Polizei setzte Wasserwerfer und Pfefferspray ein. Ein Mitarbeiter des anwaltlichen Notdienstes vor Ort kommentierte das Geschehen mit den Worten: „Das war ganz bestimmt nicht rechtmäßig“. Nach übereinstimmenden Berichten ging von den Demonstranten keine Gewalt aus.  © Boris Roessler/dpa
Jahresrückblick 2017 - Hamburg
Anders war es am Morgen des 7. Juli 2017, als vermummte Gestalten über die noble Elbchaussee in Hamburg schritten, Böller warfen und Autos anzündeten. Anschließend stürmten Spezialkräfte der Polizei das Schanzenviertel. Bei dem Großeinsatz wurden 13 Menschen festgenommen. Im traditionell linken Schanzenviertel gab ein Zivilbeamter einen Warnschuss ab. Die Polizei sprach an diesem Tag des G20-Gipfels von etwa 3500 Gewalttätern auf Hamburgs Straßen. Während auf dem Kiez mehrere Demonstrationen gewaltfrei abliefen, lieferte sich die Polizei im Stadtteil Altona Gefechte mit Gewalttätern, die laut offiziellen Angaben mit Eisenstangen und Molotowcocktails auf Beamte losgingen. Die Bilanz: Ein Einsatzleiter sprach zunächst von 476 verletzten Beamten, später stellte sich jedoch heraus, dass diese Zahl mit Krankmeldungen und dergleichen aufgeblasen wurde und nicht zwingend mit Gewalt gegen Beamte zusammenhängt. 455 Beamte waren am Folgetag wieder einsatzbereit, zwei galten als schwerverletzt. Zur Gesamtzahl der verletzten Demonstranten gab es keine offiziellen Angaben. Dass es auch anders geht, beweist das G20-Treffen in Rom 2021. © Axel Heimken/dpa
Ein großer Anteil der Demonstranten gegen den G-20-Gipfel in Rom kamen aus den Reihen von Fridas-for-Future. Sie protestierten friedlich.
Ein großer Anteil der Demonstranten gegen den G20-Gipfel in Rom kamen aus den Reihen von Fridays for Future. Sie protestierten friedlich für mehr Klimaschutz und Teilhabe. Es setzte sich ein Demozug von 5000 bis 6000 Menschen in Bewegung. Das Polizeiaufgebot war riesig, Polizisten mit Schildern und Hubschraubern drehten ihre Runden über die Demo. Zahlreiche Wasserwerfer waren vor Ort. Das Ziel war klar: Italien wollte keine Bilder von Chaos, Randale und Verwüstung wie etwa vom G20-Gipfel in Hamburg oder Jahre zuvor aus Genua. Dafür hatte die Regierung aus Rom über 5000 zusätzliche Sicherheitskräfte angefordert. Sogar das Militär war im Einsatz und sicherte zusätzlich wichtige Orte ab. Doch die Befürchtungen stellten sich als unbegründet heraus. Tanzend und trommelnd zogen die Demonstranten rund zwei Kilometer durch die Stadt. Nach einer Kundgebung ging es den gleichen Weg zurück. All dies geschah, ohne dass die Sicherheitskräfte hätten einschreiten müssen.  © Matteo Nardone via www.imago-images.de

G7-Gipfel in Elmau: Kritik und Reaktionen zur Abschlusserklärung der Energie-, Klima- und Umweltminister

Umweltverbände äußerten sich überwiegend positiv zu den Klimaergebnissen des G7-Gipfels im Jahr 2022 unter deutschem Vorsitz. Greenpeace sprach von einem „wichtigen Schritt in Richtung des globalen Klimaschutzes“. Germanwatch lobte die „erfreulich klare Antwort auf die durch den russischen Angriffskrieg ausgelöste Energiekrise“. Die Gruppierung Compact bemerkte: „Die Richtung bei den G7 stimmt, das Tempo nicht.“ Der Klimaforscher Mojib Latif bemängelte indes das Fehlen eines konkreten Datums in der Abschlusserklärung, wie der BR berichtete. Man müsse sich zumindest auf konkrete Jahreszahlen und entsprechende Sanktionsmechanismen festlegen, forderte Latif und ergänzte: „Ein Abkommen ist nichts wert, wenn man nichts einklagen kann.“

Die Kritik fiel damit bislang milder aus als noch im Vorjahr, als Großbritannien dem G7-Gipfel vorsaß. Entwicklungsorganisationen gingen die Beschlüsse damals nicht weit genug. Sie kritisierten 2021 etwa, es würde zu wenig für die Impfkampagne in den ärmeren Ländern dieser Welt getan. Jörn Kalinski von Oxfam International nannte den Beschluss eine „kolossale Enttäuschung.“ Aus seiner Sicht sei „die Kluft zwischen dem, was die Welt braucht, und dem, was beschlossen wurde“ noch nie in der Geschichte so groß.

Ein abschließendes Urteil ist jedoch verfrüht. Noch bleibt abzuwarten, wie die finalen Beschlüsse des diesjährigen G7-Gipfels am 26. bis 28. Juni in Schloss Elmau lauten werden. (AFP/bme)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

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