G7 statt G8: Warum Russland beim Gipfel in Elmau nicht dabei ist
VonMax Müller
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Beim G7-Gipfel in Elmau ist Russland nicht willkommen. Seit 2014 ist das Land von Präsident Wladimir Putin kein Teil der G8-Staatengemeinschaft mehr.
München – G7, G8, G20: Bei der Vielzahl internationaler Organisationen kann man schon mal durcheinander kommen. Besonders die Tatsache, dass es ein G7- und ein G8-Format gibt, erscheint auf den ersten Blick unverständlich. Ist doch fast das gleiche – könnte man meinen. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Mit Russland ist ein sehr wichtiger internationaler Akteur seit 2014 nicht mehr dabei. Auch beim nächsten G7-Gipfel in Elmau bleibt das Land von Präsident Wladimir Putin außen vor.
Name
G7
Gründung
1975
Mitglieder
Deutschland, Frankreich, Italien, USA, Japan, Kanada, Großbritannien
Ausgeschlossene Mitglieder
Russland
Nächstes Treffen
Am 26. bis 28. Juni 2022 in Elmau
G7 Gipfel in Elmau: Russland wird 2014 ausgeschlossen
Der Begriff G7 bezeichnet eine informelle Zusammenarbeit zwischen wichtigen Industrienationen dieser Welt. Die Staats- und Regierungschef besprechen auf den Gipfeln globale Themen und Probleme. Auf dem Papier redet man über das gleiche Forum, wenn von G7 oder G8 die Rede ist. Aber wie die unterschiedlichen Zahlen schon vermuten lassen, hat sich die Anzahl der Länder geändert, die in dem erlesenen Kreis vertreten sind. Vor dem 24. März 2014 sprach man stets von G8, doch seitdem fehlt ein Staat im „neuen“ G7-Format: Russland.
Das Netzwerk, das sich selbst als Wertegemeinschaft versteht, war ursprünglich mit vier Nationen gestartet. Los ging es mit den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Dann kam Japan dazu. Es folgten Italien und schließlich Kanada. 1998 wurde Russland dann als vorerst letztes Land neu aufgenommen – doch die Mitgliedschaft hielt nur 16 Jahre.
Aus G8 wird G7: Warum wurde Russland ausgeschlossen?
Im November 2013 begannen Ukrainer in Kiew auf die Straße zu gehen, die spätere „Maidan-Bewegung“ nahm an Fahrt auf. Der Grund: Die überraschende Ankündigung der ukrainischen Regierung, das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union (EU) vorerst nicht zu unterzeichnen. Die Proteste gewannen an Heftigkeit und die Lage eskalierte im Februar 2014. Russland reagierte mit der Besetzung der Halbinsel Krim auf die Annäherung an die EU. Die internationale Staatengemeinschaft wertete den russischen Einmarsch als völkerrechtswidrige Annexion.
Eine weitere Konsequenz: Russland wurde am 24. März 2014 aus dem Kreis der G8-Staaten ausgeschlossen. Der Zeitpunkt war durchaus brisant, denn kurze Zeit später, am 4. und 5. Juni des gleichen Jahres, war ein Gipfel im russischen Sotschi geplant. Dazu kam es nicht mehr. Stattdessen trafen sich die Mitgliedsstaaten in Brüssel. Seitdem ist auch das G8-Format obsolet. Seit 2014 treffen sich die führenden Industrienationen wieder im Format der G7, wie das Netzwerk vor der Aufnahme Russlands bis 1998 schon einmal hieß.
Welche Ziele wollen die G7-Staaten erreichen?
Die Mitglieder definieren die G7 als einen Zusammenschluss, der für Freiheit, Menschenrechte, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit sowie Wohlstand und nachhaltige Entwicklung eintritt. Dabei haben ihre Beschlüsse allerdings keine verbindliche Wirkung, anders als zum Beispiel eine Resolution des UN-Sicherheitsrats. Dennoch bestimmen Themen der G7-Gipfel in aller Regel die politische Agenda, die Treffen erzeugen große Aufmerksamkeit – auch, weil sie regelmäßig von großen Protesten begleitet werden. Außerdem sollen die gemeinsamen Statements in Krisenlagen Druck ausüben.
Zumindest im Fall von Russland scheint das nicht zu klappen. Denn die russische Regierung zeigt sich seit dem Ausschluss aus der Staatengemeinschaft eher gelassen. Außenminister Sergej Lawrow betonte, dass man niemanden um eine Rückkehr in die Staatengemeinschaft gebeten habe. Die G20 und andere internationale Gesprächsformate seien ohnehin geeigneter, um sich auszutauschen. Westliche Politiker, wie der ehemalige deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier oder der ehemalige US-Präsident Donald Trump, hatten sich hingegen immer wieder dafür ausgesprochen, Russland wieder zu einem Teil der G8 zu machen. Seit dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine ist eine Rückkehr auf absehbare Zeit ausgeschlossen.
Zuletzt in Elmau: Deutschland war bereits fünfmal Gastgeberland
Der G7-Gipfel findet einmal im Jahr statt. Die Mitglieder wechseln sich mit der Ausrichtung ab. Deutschland war bereits fünfmal Gastgeberland des Netzwerk-Treffens, zuletzt 2015 im oberbayerischen Elmau. Deutlich mehr Aufsehen erregte allerdings eine andere internationale Konferenz in Deutschland. Der G20-Gipfel in Hamburg 2017 wurde von heftigen Ausschreitungen, Krawallen und Vandalismus überschattet.
G7 Gipfel in Deutschland: In diesen Städten wurde bereits konferiert
G7-Gipfel 2022 in Elmau: Diese Themen setzt Deutschland auf die Agenda
Da jedes Jahr ein anderes Land die Konferenz ausrichtet und es aktuell insgesamt sieben Nationen sind, ist Deutschland 2022 wieder an der Reihe. Der Veranstaltungsort ist der gleiche wie 2022: Schloss Elmau. Dem Gastgeberland kommt stets eine wichtige Rolle zu, weil es die Präsidentschaft innehat und damit die Agenda des Gipfels bestimmt. Deutschland übernimmt die Präsidentschaft von Großbritannien und gibt sie nächstes Jahr an Japan weiter. 2022 stehen diese Themen auf der Agenda:
Klimaschutz
Wirtschaftliche Stabilität und Transformation
Corona-Pandemie bzw. eine bessere Gesundheitsversorgung
Nachhaltigkeit
Verteidigung von Demokratie und Pluralismus
G7 und Co.: Bilder der Proteste gegen die Globalisierung
Immer wieder wird das G7-Format kritisiert. Im Zentrum der Kritik steht häufig die Zusammensetzung der Gruppe. Der Vorwurf: Das Netzwerk sei zu exklusiv, die Weltbevölkerung werde nicht ausreichend repräsentiert. Nicht-Regierungsorganisationen wie Oxfam werfen den G7-Staaten immer wieder vor, dass sie Politik für den reicheren Teil der Erde mache und arme Nationen und Entwicklungsstaaten vernachlässigen. (Max Müller)