G7-Gipfel in Hiroshima: Die wichtigsten Fakten zum großen Treffen
VonRobert Wagner
schließen
Die Liste an Themen ist lang, der Austragungsort symbolträchtig. Das müssen Sie zum G7-Gipfel in Japan wissen.
Hiroshima - Zum mittlerweile 49. Mal kommen dieses Jahr die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden demokratischen Industrienationen und die Spitzen der Europäischen Union zu einem informellen Gipfeltreffen zusammen. Auf ihrem jährlichen G7-Gipfel tauschen sich die mächtigsten Politiker der westlichen Welt über Fragen der Wirtschafts- und Weltpolitik aus und stimmen gemeinsame Positionen zu politischen und wirtschaftlichen Fragestellungen von globaler Bedeutung ab.
Da die G7-Präsidentschaft dieses Jahr bei Japan liegt, findet das Treffen diesmal im japanischen Hiroshima statt. Vom 19. bis zum 21. Mai werden in der Stadt, die 1945 von einer Atombombe zerstört wurde, die aktuellen Herausforderungen besprochen, denen sich die westliche Wertegemeinschaft gegenübersieht. Gastgeber Japan setzt auf die Symbolkraft von Hiroshima, um ein politisches Zeichen gegen Atomwaffen zu setzen, gleichwohl die G7-Staaten Frankreich, Großbritannien und die USA über diese verfügen.
Austragungsort als Geste gegen Atomwaffen
Diese Geste dürfte in erster Linie gegen das aggressive Machtstreben Russlands gerichtet sein. Seit dem völkerrechtswidrigen Krieg gegen die Ukraine droht Russlands Präsident Wladimir Putin immer wieder mehr oder weniger direkt mit dem Einsatz von Atomwaffen. Die Gefahr einer nuklearen Eskalation war seit vielen Jahrzehnten nicht mehr so groß wie heute. Japans Ministerpräsidenten Fumio Kishida soll es besonders am Herzen liegen, den russischen Autokraten in Sachen Atomwaffen zur Mäßigung aufzurufen. Er ist in Hiroshima aufgewachsen und hat dort seinen Wahlkreis.
G7-Gipfel 2022 in Elmau: Bilder der mächtigsten Politiker der Welt vor spektakulärer Bergkulisse
So oder so wird sich dieses Gipfeltreffen der globalen Spitzenpolitik schon durch seinen Austragungsort von vorherigen Treffen dieser Art abheben. Waren es letztes Jahr während des G7-Gipfels auf Schloss Elmau Bilder von Spitzenpolitikern vor einer malerischen Bergkulisse, die die Berichterstattung prägten, dürften es dieses Jahr Bilder von Staats- und Regierungschefs sein, die den Atombombendom, das Friedensdenkmal von Hiroshima, besichtigen.
Was gibt es sonst noch rund um den G7-Gipfel von Hiroshima zu wissen? Wir haben die wichtigsten Fakten zu diesem Großereignis für Sie zusammengetragen.
Wer gehört zu den G7?
G7 steht für „Gruppe der Sieben“ und umfasst neben dem diesjährigen Gastgeber Japan die USA, Kanada, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien. Ursprünglich waren das die sieben weltweit führenden Industrienationen, was heute aber nicht mehr der Fall ist: Italien und Kanada sind mittlerweile von China und Indien überholt worden. Die Wirtschaftskraft hat als verbindendes Element allerdings an Bedeutung verloren, die gemeinsamen demokratischen Werte rücken dafür vermehrt in den Vordergrund. Als überstaatliche Organisation ist auch die Europäische Union Mitglied der G7 und nimmt an deren Treffen als Beobachterin teil.
Was sind die Themen des G7-Gipfels?
Das diesjährige Treffen der G7 wird von den aktuellen Erschütterungen der Weltpolitik geprägt sein. Die Aufrechterhaltung der internationalen Ordnung ist ein zentrales Anliegen der G7. Der russische Krieg gegen die Ukraine stellt daher ihre größte Herausforderung der vergangenen Jahrzehnte dar. Die Durchsetzung der westlichen Sanktionen gegen Russland steht dieses Jahr ganz oben auf der Agenda. Dazu soll der globale Süden stärker eingebunden werden, da Länder wie Indien die Sanktionen umgehen, um Geschäfte mit Russland machen zu können. Eine gegen Russland gerichtete Aufforderung, auf den Einsatz von Atomwaffen zu verzichten, dürfte ebenfalls im Mittelpunkt stehen, was schon durch den Austragungsort Hiroshima deutlich wird.
Neben dem Ukraine-Krieg und dessen Folgen wird auch der immer deutlicher schwelende Konflikt zwischen dem autokratischen China und dem demokratischen Westen die Agenda bestimmen. Das liegt auch am Umstand, dass den G7 aktuell Japan vorsitzt. Die größte Demokratie Asiens sieht sich unmittelbar vom Machtstreben seines chinesischen Nachbarn bedroht und hat bereits im Vorfeld des Gipfels angekündigt, man werde China „in angemessener Weise“ ansprechen, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete. Eng damit verknüpft ist auch das Vorhaben, sich für einen „freien und offenen indopazifischen Raum“ einzusetzen, wie es in einer offiziellen Mitteilung heißt. Das dürfte gegen Chinas territoriale Ansprüche ebendort gerichtet sein.
G7-Gipfel in Hiroshima: Diese Länder sind dabei
Deutschland
Frankreich
Großbritannien
Italien
Japan
Kanada
USA
Daneben werden unter anderem auch der Klimawandel, die internationale Ernährungskrise und die nukleare Abrüstung Themen des G7-Gipfels sein.
Wie lange dauert der G7-Gipfel?
Der diesjährige G7-Gipfel in Hiroshima dauert drei Tage, vom 19. bis zum 21. Mai. Das ist die übliche Länge dieses internationalen Spitzentreffens. Sie erstrecken sich über zwei bis drei Tage, für gewöhnlich an einem Wochenende.
Wer bezahlt den G7-Gipfel?
Die Kosten des G7-Gipfels trägt der Staat, in dem er stattfindet, in diesem Fall also Japan. Es ist ein kostenaufwändiges Gipfeltreffen: Der letzte Gipfels im Juni 2022 auf Schloss Elmau im bayerischen Garmisch-Partenkirchen kostete laut der Süddeutschen Zeitung insgesamt 145 Millionen Euro. Die Kosten teilen sich das Land Bayern und der Bund.
Seit wann gibt es den G7-Gipfel?
Der G7-Gipfel geht auf den G6-Gipfel zurück, den Deutschland und Frankreich 1975 ins Leben riefen, um sich vor dem Hintergrund der damaligen Weltwirtschaftskrise vor allem zu wirtschaftliche Fragen zu beraten. An dem ersten „Weltwirtschaftsgipfel“ in der Nähe von Paris nahmen neben den Gründerstaaten Deutschland und Frankreich auch Großbritannien, Italien, die USA und Japan teil. 1976 wurde diese „Gruppe der Sechs“ um Kanada erweitert, aus den G6 wurden damit die G7. Seit 1977 nimmt auch die Europäische Union (damals noch Europäische Gemeinschaft) regelmäßig an den Treffen teil, seit 1981 in vollem Umfang. 1998 kam Russland als achtes Mitglied hinzu. Das Format der G8 existierte allerdings nur bis 2014. Wegen der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch Russland beschloss man damals, sich ohne Russland zu treffen und wieder zum Format der G7 zurückzukehren.