- VonBettina Menzelschließen
Bundeswirtschaftsminister Habeck hält weitere Entlastungen für Bürger angesichts der Energiekrise für unausweichlich. Doch er sieht auch noch Luft nach oben, was das Energiesparen angeht.
Berlin - Deutschland muss angesichts der drohenden Energiekrise zusammenhalten. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) lobt die Mithilfe der Bürger beim Energiesparen, sieht aber noch weitere Einsparmöglichkeiten bei Unternehmen. Angesichts der drohenden Verdreifachung der Energiepreise geht der Minister davon aus, dass „selbst Gutverdiener schlucken müssen“, wie er im am Samstag veröffentlichten Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) sagte.
Gas-Krise in Deutschland: Robert Habeck lobt Initiative der Bürger beim Energiesparen
Auf die Kampagne zum Energiewechsel infolge des Ukraine-Kriegs habe die Bundesregierung eine ungeheure Resonanz der Bürger und Bürgerinnen erlebt, sagte Habeck. „Die Leute schicken uns Fotos, Bilder und berichten und diskutieren, was sie alles machen“, so der Minister zum RND. Der Gasverbrauch sei in den ersten Monaten dieses Jahres um rund 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Teils wegen des wärmeren Wetters, teilweise aber auch wegen einer echten Ersparnis.
Für diese Mithilfe der Bürger und Bürgerinnen zeigte sich Habeck dankbar und versicherte gleichzeitig, dass private Haushalte und kritische Infrastruktur wie Krankenhäuser, Altenheime, Pflegeeinrichtungen in der Energie-Krise besonders geschützt seien. Bei Unternehmen sieht der Bundesminister indes noch Einsparpotenzial.
Habeck über Einsparpotenzial in Unternehmen: „Fatal Büros bis 23 Uhr zu heizen“
Der Bundeswirtschaftsminister forderte Unternehmen mit Büroräumen auf, sich am Energiesparen zu beteiligen und die bisherige Praxis beim Heizen zu überdenken. „In vielen öffentlichen Gebäuden wird von 6 Uhr morgens bis 23 Uhr abends die volle Raumtemperatur bereitgestellt.“ Ein bisschen weniger hält der Minister demnach in den Randzeiten auch für tolerabel. „Es wäre doch fatal, Büros bis 23 Uhr zu heizen und gleichzeitig ganze Industriezweige zu zerstören“, so Habeck weiter und kritisierte gleichzeitig die Leichtfertigkeit, mit der manchmal gesagt werde „na dann schalten wir die Industrie halt ab“. Dabei werde übersehen, dass die Wirtschaft Arbeitsplätze, Einkommen und Güter des täglichen Lebens bereitstelle, erinnerte der Minister.
„Wir sollten auch darüber nachdenken, ob es nicht Sinn macht, über Weihnachten oder Ostern dort, wo es geht und wo nicht die Produktion weiterläuft, Betriebsferien zu organisieren, um Heizungsanlagen herunterzufahren, wenn ohnehin die meisten im Urlaub sind.“ Ganze Bürotürme auf mehr als 20 Grad zu heizen, wenn nur drei Menschen drinsäßen, werde man sich nicht leisten können. Habeck verwies zudem auf laufende Anstrengungen zum Energiesparen in Kommunen etwa bei Bädern oder Klimaanlagen
Habeck über drohende Verdreifachung der Energiepreise: „Selbst Gutverdiener werden schlucken“
Angesichts der drohenden Verdreifachung der Energiepreise geht Habeck von einer starken Belastung der Bürger und Bürgerinnen aus. „Selbst Gutverdiener schlucken, wenn sie statt 1500 plötzlich 4500 Euro im Jahr fürs Heizen bezahlen müssen“, sagte er RND. Für Menschen mit mittleren oder geringen Einkommen seien diese Summen schlicht nicht darstellbar. „Hier muss die Bundesregierung Entlastungen organisieren, und zwar auch 2023. Ich bin mir sicher, dass das Finanzministerium dafür noch Vorsorge schaffen wird. Wir haben da eine politische Aufgabe“, versicherte der Minister, der hierzu kürzlich Details vorgestellt hatte.
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Die Regierung stelle sich derzeit auf alle Szenarien ein - auch auf einen kompletten Lieferstopp von Nord Stream 1. Habeck stellte aber klar, dass die angeblich fehlende Turbine nur ein Vorwand sei. „Russland hätte die Kapazität von Nord Stream 1 auch ohne diese eine Turbine zu nahezu 100 Prozent ausnutzen können. Mithilfe der kanadischen Regierung konnten wir Russland einen Vorwand nehmen.“
Habeck räumte im Interview mit RND auch Fehlschläge ein. Der Tankrabatt habe nicht so funktioniert wie er sollte, gab der Minister zu. Deshalb wolle die Regierung in der Energie-Krise die Menschen nun direkter unterstützen. Hinter der Entscheidung, als Grüner-Politiker die Kohlekraftwerke in Deutschland hochzufahren, steht Habeck allerdings. „Der Sinn von Politik ist die Freiheit. Und wenn man die Freiheit schützen will, muss man bereit sein, die nötigen Schritte zu gehen“