VonAnika Zuschkeschließen
Die Gaspreise steigen seit Monaten extrem in die Höhe. Am Montag haben sie schließlich ein neues Allzeithoch erreicht – wegen dem Lieferstopp durch Nord Stream 1.
Berlin – Die Gaskrise in Deutschland nimmt bereits seit Wochen einen extrem hohen Stellenwert in der Politik ein. Doch auch an Verbrauchern nagen zunehmend die Fragen: Reicht das Gas für eine Versorgung im Winter aus und kann ich die Gaspreise dann überhaupt noch bezahlen? Diese Fragen hängen sehr stark mit den Gaslieferungen aus Russland zusammen, die über die Pipeline Nord Stream 1 nun erneut gestoppt wurden. Deswegen befindet sich auch der Gaspreis auf einem neuen Allzeithoch.
Gas-Lieferstopp durch Pipeline Nord Stream 1 – Russland schiebt unglaubwürdigen Grund vor
Am Freitagabend, 2. September 2022, kündigte der russische Energiekonzern Gazprom an, dass durch die wichtige Pipeline Nord Stream 1 bis auf Weiteres kein Gas mehr nach Deutschland fließen soll. Der offizielle Grund dafür lautete, dass Experten wohl einen Ölaustritt an einer Kompressorstation entdeckt haben sollen. Hierzulande wird dieser vorgeschobenen „Ausrede“ jedoch wenig Glauben geschenkt. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen ist laut dem Handelsblatt der Meinung: „Putin manipuliert unsere Energiemärkte und setzt Gaslieferungen als Waffe ein.“
Doch das zeigt leider Wirkung: Schon die Ankündigung von Gazprom hatte enormen Einfluss auf die Gaspreise in Europa. Am Montag, 5. September 2022, ist der Preis für Erdgas laut Handelsblatt bereits sprunghaft angestiegen. Demnach lag dieser am wichtigsten Handelspunkt TFF (Title Transfer Facility) bei 284 Euro pro Megawattstunde Gas. Der Preis von TFF gilt als Richtschnur für das europäische Preisniveau am Erdgasmarkt. Das waren etwa 37 Prozent mehr als noch in der vergangenen Woche – und damit ging der Montag als einer der teuersten Tage in die Geschichte von Europas Gasmarkt ein.
Gaskrise: Lieferstopp durch Nord Stream 1 lässt Gaspreise in Deutschland auf neuen Rekordwert steigen
Der heftige Preissprung ist dem Handelsblatt zufolge eine Reaktion auf die Unsicherheit, wann oder ob Gazprom überhaupt wieder Gas durch die Pipeline Nord Stream 1 schicken wird. Vor der folgenreichen Ankündigung aus Russland war die Kursfeststellung bei Gas sogar noch gefallen, da Investoren laut der Tagesschau auf die Tatsache reagierten, dass die Gasspeicher derzeit schneller gefüllt werden als erwartet. Zuletzt lag der Füllstand bei über 85 Prozent, was eigentlich erst für den 1. Oktober anvisiert war.
Wie schnell sich die Preise für Gas auf dem Markt aber wieder drehen können, zeigte sich am Dienstag, 6. September 2022, erneut. Denn nachdem der Gaspreis noch am Tag davor auf ein absolutes Allzeithoch gesprungen war, kostete das rare Gut am Dienstag wieder rund 10 Prozent weniger, wie der Focus berichtet. Grund dafür waren unter anderem EU-Überlegungen zur Deckelung des Gaspreises.
