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Im Streit um Nord Stream 1 zeigt sich Wirtschaftsminister Robert Habeck wenig zuversichtlich: Er glaubt nicht, dass die Gaspipeline wieder den Betrieb aufnimmt.
Berlin – Der Streit um Nord Stream 1 geht in die nächste Runde. Aus dem Kreml in Moskau heißt es, die Gaspipeline könne sanktionsbedingt nicht einfach wieder den Betrieb aufnehmen, Reparaturarbeiten seien unter diesen Umständen schwierig. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow spricht laut dpa im Kontext eines Ölaustritts aus einer Turbine von einer „potenziell gefährlichen Situation für den Betrieb“. Im deutschen Wirtschaftsministerium unter Robert Habeck (Grüne) zweifelt man daran, dass der Betrieb wieder aufgenommen wird – und an den Gründen für den Lieferstopp. Einen zuverlässigen Energielieferanten sieht man in Russland nicht mehr.
Gas-Pipeline Nord Stream 1: Habeck glaubt inmitten der Gaskrise nicht an Wiederinbetriebnahme der Pipeline
Mit Blick auf die aktuellen Entwicklungen rund um die Gas-Pipeline Nord Stream 1 hat sich Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) inmitten der Gaskrise mehr als skeptisch gezeigt, was die Wiederaufnahme des Betriebs angeht. Dem ZDF-heute journal sagte der Grünenpolitiker: „Es kommt noch ein bisschen Gas über die Ukraine-Pipeline, aber dass Nord Stream 1 wieder aufgemacht wird, gehört nicht zu den Szenarien, von denen ich ausgehe.“ Nach der Wartung einer Turbine hatte der russische Konzern Gazprom die Lieferungen nicht wieder aufgenommen und dies mit Problemen an einer Turbine begründet.
Die russische Politik verwies über Kreml-Sprecher Dmitri Peskow laut dpa auf Risiken durch den Austritt von Öl aus einer der Turbinen. Den macht Gazprom an einem Konstruktionsfehler einer Turbine von Siemens Energy fest. Dort hält man die Begründung indes für unzulänglich, um die ausbleibende Wiederinbetriebnahme der Gaspipeline zu begründen. Ein Sprecher erklärte der dpa, auch in der Vergangenheit habe es bereits solche Lecks gegeben, ohne dass dies zu einem Stillstand geführt hätte. „Solche Leckagen beeinträchtigen im Normalfall den Betrieb einer Turbine nicht und können vor Ort abgedichtet werden“, so der Sprecher. Derweil soll, trotz Fertigstellung, die Gaspipeline Nord-Stream-2, nicht von der Bundesnetzagentur zertifiziert werden.
Wo verläuft Nord Stream 1?
Nord Stream 1 wurde im November 2011 in Betrieb genommen und verläuft von Wyborg nach Lubmin bei Greifswald. Nord Stream 2 verläuft von Ust-Luga weitgehend parallel ebenfalls nach Lubmin. Die Pipeline gehört der Nord Stream AG mit Sitz in Zug in der Schweiz. Die Anteilseigner des Konsortiums sind zu 51 Prozent der russische Gazprom-Konzern, zu je 15,5 Prozent die deutschen Energiekonzerne E. ON und Wintershall Dea und zu je neun Prozent die niederländische Gasunie und der französische Versorger Engie
Pipeline für Gas: Nord Stream 1 – Russland sieht Grund für Lieferstopp in Sanktionspolitik
Es scheint ein kaum enden zu wollendes Ringen um die Pipeline für Gas, Nord Stream 1. Während der Westen die Begründung des Lieferstopps für vorgeschoben hält und die Gründe als politisch einordnet, äußert sich nun auch der Kreml erneut. Der Nachrichtenagentur Interfax sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow „Wir wissen nicht, wie die Reparaturarbeiten durchgeführt werden sollen, weil die Sanktionen dies verhindern.“ Er legte nach, man registriere „mit Bedauern, dass die Verantwortung für die Situation voll und ganz bei den europäischen Staaten und den Staaten liegt, die Sanktionen gegen unser Land eingeführt haben.“
Die Bundesregierung in Deutschland spricht Russland im Zuge der Gaskrise in Deutschland indes den Status eines zuverlässigen Gas- beziehungsweise Energielieferanten ab. Kanzler Olaf Scholz (SPD) hatte bei der Vorstellung des dritten Entlastungspakets erklärt, „Putins Russland ist vertragsbrüchig geworden“. Auch das sieht man im Kreml anders. Peskow sagte, die Gas-Pipeline könne ohne die nötigen Reparaturarbeiten an der Turbine ihren Betrieb nicht wiederaufnehmen, nichtsdestotrotz bliebe Gazprom ein zuverlässiger Lieferant für Gas. Einmal mehr heißt es also: Der weitere Verlauf bleibt vorerst unklar.
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