VonAlexander Eser-Rupertischließen
Die Gasspeicher in Deutschland sind gut gefüllt. Trotzdem ist die Antwort auf die Frage, wie viel Gas im Winter verfügbar ist, kompliziert – Grund: der Markt.
Berlin – Die Gasspeicher in Deutschland sind — Stand jetzt – relativ gut gefüllt, eine erfreuliche Nachricht. Im Umkehrschluss bedeutet das allerdings nicht, dass die Versorgung für den Winter zwingend gewährleistet ist: Das hat vor allem mit der europäischen Verteilungsfrage und dem europäischen Energiebinnenmarkt zu tun. Was bei Verbraucherinnen und Verbrauchern hierzulande ankommt, ist noch unklar. Einmal mehr entscheidet vor allem eines: das Geld. Aus der Bundesnetzagentur werden indes bereits Warnungen über zu hohen Gasverbrauch laut.
Energiekrise und möglicher Gasmangel: Opposition will Klarheit bei Gasverteilung in Deutschland
Im Zuge der Energiekrise spielt die Frage nach der Gasverteilung eine entscheidende Rolle. In der Opposition möchte man deshalb schnell Klarheit darüber haben, wie die Gasverteilung in Deutschland bei einem möglichen Gasmangel aussehen könnte. Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erklärte in der Bild: „Das sehr teuer eingekaufte Gas in unseren Speichern muss im Winter bei den deutschen Verbrauchern ankommen. Dazu muss die Ampel endlich einen Ausspeicherplan vorlegen.“ Er glaubt, volle Speicher würden sonst „in falscher Sicherheit wiegen“.
Auch aus der Linksfraktion gibt es nachdenkliche Worte. Der Parlamentsgeschäftsführer der Linken, Jan Korte, sagte der Funke Mediengruppe: „Die Gefahr einer Gasmangellage kann, trotz sich gut füllender Gasspeicher, nicht ausgeschlossen werden, aber nach welchen Kriterien das Gas im Krisenfall konkret verteilt werden soll, sagt sie nicht.“ Er bemängelte zudem, die Bundesnetzagentur habe zu viel Entscheidungsspielraum, bei Entscheidungen, die für Verbraucherinnen und Verbraucher weitreichend seien. Erst kürzlich hatte sich zudem der Ministerpräsident von Niedersachsen, Stephan Weil (SPD), seinerseits für staatlichen Zugriff auf Gasspeicher ausgesprochen.
Gas Deutschland: Gasverteilung entspricht „Vorgaben des europäischen Energiebinnenmarktes“
Das Thema Gas in Deutschland beschäftigt die Opposition mit Blick auf die Verteilung. Der Focus berichtet über eine Antwort des Wirtschaftsministeriums an Jens Spahn (CDU). In dieser soll es heißen: „Kenntnisse darüber, wohin das einzelne eingelagerte Gas fließt, liegen der Bundesregierung nicht vor.“ Das Gas im Speicher in Rehden etwa ist nicht exklusiv für Deutschland vorbehalten. Jeder im deutschen Gasmarkt registrierte Konzern, kann Gas laut der Zeitung höchst bietend erwerben. Dennoch sieht man in der Regierung keinerlei kritikwürdiges Vorgehen.
Aus der Bundesregierung heißt es laut heise.de auf Anfrage: „Das entspricht den Vorgaben des europäischen Energiebinnenmarktes. Wer hier etwas anderes fordert, ignoriert den europäischen Binnenmarkt“. Zu den Marktgesetzen erklärt die Regierung zudem: „Wenn die Füllstandsvorgaben erreicht sind, können sie Gas auch verkaufen und der Verkauf folgt hier in aller Regel dem höchsten Preisangebot und dem am meisten liquiden Markt.“ Mit „sie“ gemeint sie Gashändler – ihren gehört das Gas laut Recht. Viele dürfte diese Antwort kaum beruhigen. Die Sprecherin betonte nach Heise-Angaben indes die „gegenseitige Solidarität“ auf dem Energiebinnenmarkt. Auch aus Frankreich war zuletzt Gas nach Deutschland gekommen.
Gas Deutschland: Bundesnetzagentur bemängelt zu hohen Gasverbrauch
Derweil mahnt die Bundesnetzagentur einen zu hohen Verbrauch von Gas in Deutschland an. Zuletzt war der Gasverbrauch innerhalb kurzer Zeit deutlich gestiegen. Grund dafür dürfte vor allem gewesen sein, dass die Temperaturen im Vergleich zu den gleichen Zeiträumen der Vorjahre niedriger lagen. In der Behörde zeigt man sich trotzdem schmallippig: Die Zahlen seien „sehr ernüchternd“, hieß es laut dpa – frieren ist allerdings auch keine Option.
Rubriklistenbild: © Mohssen Assanimoghaddam(dpa

