Energiekrise Deutschland

Gasverbrauch der Haushalte steigt zu stark an – Bundesnetzagentur mit Warnung

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Der Gasverbrauch in Deutschland ist schon jetzt zu hoch: Zu diesem Schluss kommt die Bundesnetzagentur ernüchtert. Verbraucher stehen vor einem Dilemma.

Berlin – Bei der Bundesnetzagentur gibt man sich mit Blick auf die Energiekrise in Deutschland irritiert: Bereits zu Beginn der kühleren Monate scheint das Energiesparen nicht so zu funktionieren, wie man es sich bei der Behörde vorgestellt hat. Im Vergleich zu denselben Zeiträumen der Vorjahre zeichnet sich offenbar ein gestiegener Gasverbrauch ab. Die Agentur sieht zu wenig Bemühungen um Einsparungen beim Heizen 2022 und zeigt sich ernüchtert: Der Gasverbrauch soll kürzlich innerhalb einer Woche um fast 15 Prozent gestiegen sein, denn es ist kälter als in den Vorjahren. Es zeigt sich ein Dilemma.

Ab wann heizen, trotz Energiesparen? Bundesnetzagentur mahnt schon jetzt zu hohen Gasverbrauch an

Ob der aktuellen Zahlen zum Energieverbrauch in Deutschland zeigt man sich bei der Bundesnetzagentur in Bonn alles andere als begeistert, die Zahlen seien „sehr ernüchternd“ heißt es aus der Behörde laut dpa. Der Grund: Beim Heizen 2022 scheint der Verbrauch in Deutschland verglichen mit den gleichen Zeiträumen der Vorjahre zuletzt gestiegen zu sein. Appelle zum Energiesparen werden seitens der Bundesnetzagentur deshalb erneuert, mit deutlichen Worten. Im Internet kursieren derweil Fragen wie: Ab wann heizen, trotz Energiesparen? Die Heizung trotz Kälte auszulassen, gefährdet die Gesundheit, daran ändert auch die Agentur nichts.

Rund 46 Prozent der Menschen haben in diesem Jahr bereits im September die Heizung aufgedreht.

Nichtsdestotrotz beschwört man bei der Behörde bereits das Schreckensszenario einer Gasmangellage für den Winter. Diese sei schwer zu vermeiden, sollten die Bemühungen um Einsparungen nicht schnell intensiviert werden, so Agentur-Chef Klaus Müller in einer Mitteilung. Tatsache ist jedoch auch: In diesem Jahr ist es kälter, als in den Vergleichs-Zeiträumen die Jahre zuvor. Eine klar festgelegte Heizperiode 2022 existiert nicht, es bleibt also die Frage, ab wie viel Grad Außentemperatur soll man heizen? Eine klare Antwort darauf zu geben, scheint fast perfide – denn frieren soll auch in der Energiekrise niemand, und das Empfinden ist subjektiv. Müller erklärte ebenfalls nur sehr allgemein, auch bei fallenden Gradzahlen müsse es Einsparungen geben.

Richtig heizen im Winter bleibt teuer: Bundesnetzagentur glaubt an lange Laufzeit der Gaspreisbremse

Allen Sparappellen der Bundesnetzagentur oder der Ampelkoalition unter Kanzler Olaf Scholz (SPD) zum Trotz müssen Mieterinnen und Mieter heizen, wenn es kalt wird. Klar ist in der aktuellen Lage jedoch scheinbar auch: Richtig heizen im Winter bleibt teuer. In Anbetracht des gigantischen ökonomischen Drucks auf Haushalte in Deutschland ist daher auch der Bundesnetzagentur klar, dass es langfristige Hilfe für Verbraucherinnen und Verbraucher benötigt, etwa in Form der Gaspreisbremse. Diese dürfte länger benötigt werden, als viele erwarten.

Müller sagte in einem Podcast des Finanzministers von Baden-Württemberg, Danyal Bayaz (Grüne), man werde „mindestens bis Sommer 2024“ in „irgendeiner Art von angespannten Situation“ sein. Müller kommt daher zu dem Schluss, man würde deshalb „mit Sicherheit“ auch so lange den Gaspreisdeckel benötigen, auf den Verbraucherinnen und Verbraucher Hoffnungen setzen. Der Chef der Bundesnetzagentur betonte, die Menge an Gas aus Russland, die nun ersetzt werden müsse, sei enorm. Der Ministerpräsident von Niedersachsen, Stephan Weil (SPD), sieht im Gaspreisdeckel bereits jetzt den „großen Wurf“ – trotz großer Unklarheit.

Wohnung heizen und explodierender Gaspreis: „Mit Teelichtern heizen“ zeigt Dilemma von Verbrauchern

Im Zentrum der Debatte bleibt die soziale Frage, denn eins ist klar: Um nicht krank zu werden, müssen Menschen ihre Wohnung heizen. Der Gaspreis explodiert, viele Haushalte überlegen sich daher, trotz geplanter Gaspreisbremse und aktuell steigender Verbräuche, wie lange sie ihre Wohnung noch beheizen können. Für viele wird Energiesparen allem voran ein ökonomischer Zwang. Im Internet finden sich allerlei Tipps zum Heizen und Energiesparen, während manche Experten vor eben diesen warnen.

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Es soll Energie gespart werden, doch es wird kalt und Energie bleibt trotz aller Entlastungen teuer. Im Internet suchen Menschen nach „mit Teelichtern heizen“ oder „ab welcher Außentemperatur heizen“. Das zeigt eindrücklich: Verzweiflung und Dilemma bei Verbrauchern sind groß. Ein subjektives Kälteempfinden galt einst gemeinhin als deutliches Signal, zu heizen. Dass dies offenbar nicht mehr so ist, ist allem voran eine sozialpolitische Zäsur – man könnte sagen „Zeitenwende“.

Rubriklistenbild: © Fabian Sommer/dpa/Archiv

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