Hochmodern und uralt

Diese Panzer hat Israels Armee gegen Hamas

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Die israelische Armee steht vor der Bodenoffensive in den Gazastreifen. Ihre Panzer sind auf die Waffen der Hamas teils nur ungenügend vorbereitet.

Tel Aviv - Vier Panzer-Divisionen hat Israel an den Grenzen des Gazastreifens zusammengezogen. Das sind etwa 40.000 bis 50.000 Männer und Frauen. Gemeint sind die Soldatinnen und Soldaten aus den Kampfpanzern sowie die Panzer-Infanterie, die nachrücken soll.

Bodenoffensive Israels gegen Hamas: Panzer als Risiko in Gazastadt?

Spezialeinheiten und die Luftwaffe sind davon ausgenommen, weswegen die Zahl eingesetzter Soldaten sehr viel größer sein dürfte. Der heimtückische Überfall der radikalislamistisch palästinensischen Hamas auf Israel hat die Regierung und die Armeeführung unter Druck gesetzt.

Beide Staatsorgane wollen entschieden antworten - mit einer Bodenoffensive im Gazastreifen, wie es sie seit Gründung des Landes 1948 nie gegeben hat. Die Panzer, die die Streitkräfte aufgefahren haben, eignen sich aber nur unzureichend für den Kampf in den engen Straßen von Gazastadt. Ein Panzer hat sogar eine markante Schwäche, die man aus dem Ukraine-Krieg kennt. Merkur.de verschafft einen Überblick.

8. Oktober 2023: Ein israelischer Kampfpanzer Mekava nimmt auf einer Straße kurz vor der libanesischen Grenze Stellung ein.

Panzer der israelischen Armee: Merkava soll wohl Norden gegen Hisbollah schützen

  • Kampfpanzer Merkava: Der Krieg in Israel wird sich ziehen, darin sind sich viele Experten einig. Das Land, das von Feinden (Libanon, Hisbollah, PLO, Syrien, Iran) umzingelt ist, hat sich mit dem fortschrittlichen und schlagkräftigen Kampfpanzer Merkava vorbereitet. Fast 500 dieser Panzer soll Israel haben, was bei rund 9,4 Millionen Einwohnern bemerkenswert ist. Das digitale Feuerleitsystem „Matador Mk 1“ mit einem Laserentfernungsmesser und Sensoren zur Ballistikberechnung, ein Periskop mit bis zu 8-facher Vergrößerung für den Richtschützen und ein Wärmebildgerät ermöglichen präzise Treffer.
  • Aber: Die israelische Luftwaffe hat bereits mehrere Straßenzüge in Gazastadt zum Einsturz gebracht, ganze Häuser liegen (samt zivilen Opfern) auf den Straßen. Das Risiko, die Kampfpanzer in diese Blockaden zu schicken, dürfte in vielen Fällen zu groß sein. Wahrscheinlicher ist, dass die Merkava mit der großen Reichweite ihrer Royal-Ordnance-L7-Zugrohrkanone (bis 1,8 Kilometer) den Norden des Landes gegen die Hisbollah absichern sollen. Darauf lassen Fotos aus der Region schließen.
Wirklich treffsicher? Eine M-109-Haubitze der israelischen Armee hat am Gazastreifen Stellung bezogen.

Panzer der israelischen Armee: Panzerhaubitze M109 schießt nicht immer genau

  • Panzerhaubitze M109: Es ist die Standard-Haubitze (aus den 1960er Jahren) der Nato, zu der Israel nicht gehört. Gleich zu Beginn der Bodenoffensive positionierte die israelische Armee etliche M109 hinter offenbar bereits bestehenden Erdwällen, um die Hamas unter Feuer zu nehmen. Ihre meist ungelenkte 155-mm-Munition ermöglicht kaum präzise Treffer. Das birgt für unbeteiligte Zivilisten ein Risiko. Die israelische Armee besitzt zudem etwa 30 Multiple Launch Rocket Systeme (MLRS), die auch die deutsche Bundeswehr nutzt. Es ist das Pendant zum amerikanischen HIMARS. Damit lassen sich Ziele metergenau treffen. Gut möglich, dass die MLRS-Raketen mit einer Reichweite von bis zu 80 Kilometern gegen die Hamas-Unterstände zum Einsatz kommen.

Panzer der israelischen Armee: Hochmoderner Schützenpanzer Namer

  • Schützenpanzer Namer: Die israelischen Soldatinnen und Soldaten wirken hochmotiviert. Sie alle dürften die schrecklichen Bilder, zum Beispiel vom „Nature Party Festival“ beim israelischen Kibbutz Re‘im, gesehen haben. Schützenpanzer sollen sie ins Einsatzgebiet bringen. Der hochmoderne Namer etwa, der erst 2008 in Dienst gestellt wurde. Geneigte Seiten und eine Verbundpanzerung sollen die Besatzung vor dem Aufschlag der gefürchteten Panzerabwehrlenkwaffen schützen, wie sie zum Beispiel im Ukraine-Krieg eingesetzt werden. Dort hat sich die vergleichsweise alte sowjetische Panzerbüchse RPG-7 als effektiv erwiesen, um feindliche Panzer zu stoppen.
  • Auch die Hamas verfügt über viele schultergestützte Panzerabwehrwaffen sowjetischer Bauart. Das dürfte zur großen Herausforderung werden, vor allem, sollten israelische Truppentransporter von Gebäuden von oben beschossen werden. Ein Nachteil: Ein Hardkill-Schutzsystem, das beim Anflug von Granaten Schrott-Munition verschießt, fehlt den meisten Panzern offenbar. Dagegen hat der Namer eine ferngesteuerte Waffenstation.

Panzer der israelischen Armee: Achzarit hat eine Reaktivpanzerung

  • Schützenpanzer Achzarit: Es ist der weitaus ältere (und schlechtere) der zwei Schützenpanzer-Typen. Dennoch sollen noch etwa 100 Achzarit bereitstehen, die auf den Wannen der im Sechstagekrieg 1967 und im Jom-Kippur-Krieg 1973 erbeuteten (ur)alten sowjetischen T-54-/T-55-Panzer der damaligen arabischen Armeen beruht. Die Panzerung beträgt gerade mal 20 Millimeter. Immerhin wurde bei Kampfwertsteigerungen eine Reaktivpanzerung angebracht, die durch Explosion der Außenhülle ein Eindringen von Panzergranaten verhindern soll.
Bieten kaum Schutz gegen Panzerabwehrlenkwaffen: Israelische Soldaten in alten M113-Truppentransportern.

Panzer der israelischen Armee: M113 gewährt keinen Schutz gegen RPG-Granaten

  • Mannschaftstransporter M113: Der M113 aus den 1960er Jahren hat mehrere Makel. Zuallererst ist das hohe Alter zu erwähnen. Zwar wurde er wiederholt modernisiert, aber die Karosserie orientiert sich an damaligen Standards. Heißt: Die Seitenwannen sind steil. Und somit ein leichtes Ziel für schultergestützte Panzerabwehrwaffen, die schlicht nicht abprallen können. Zudem beträgt die Panzerung in manchen Modellen nicht mehr als 12 Millimeter und ist nicht aus Stahl, sondern aus Aluminium. Bricht ein einzelnes der zehn Räder, um die die zwei Ketten montiert sind, ist das Gefährt schlicht manövrierunfähig. Einmal auf eine Sprengfalle gefahren, muss die komplette Besatzung im Feindgebiet absitzen. Bezeichnend: Bei der „Operation Regenbogen“ der Israelis im Mai 2004 gegen die Gaza-Grenzstadt Rafah gingen mehrere M113 durch RPG-Beschuss verloren.

Auch die Ukrainer verloren im Kampf gegen die russische Armee etliche der gelieferten amerikanischen M113-Truppentransporter. Wird es der israelischen Armee gegen Hamas jetzt ähnlich ergehen? (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO/FADI AMUN

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