Russlandexperte mit Einschätzung

Gerüchte um Sturz von Putin: Wann der Kreml-Herrscher „sicherlich gefährdet“ ist

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Die Gerüchte um einen möglichen Sturz von Wladimir Putin ebben nicht ab. Ein Russlandexperte gibt nun seine Einschätzung ab. Steht der Kreml-Herrscher mit dem Rücken zur Wand?

Innsbruck/Moskau – Militärische Niederlagen, vermeintliche politische Intrigen, Unzufriedenheit innerhalb der russischen Bevölkerung – ist der Sturz von Wladimir Putin nur noch eine Frage der Zeit? Russlands Präsident scheint am Scheideweg zu stehen. Ende Februar 2022 wurde auf Befehl des Kreml-Herrschers der Ukraine-Krieg begonnen. Seitdem mehren sich die Gerüchte, dass die Macht Putins am Bröckeln sei.

Das muss natürlich nicht zwingend direkt zu einem Putsch oder Sturz des russischen Präsidenten führen. Und doch stellt sich die Frage, ob Putin weiterhin so fest im Stuhl sitzt, wie es über Jahre hinweg der Fall gewesen ist. Gerhard Mangott, Russlandexperte und Professor für Internationale Beziehungen an der Universität Innsbruck, ordnet die Gesamtsituation ein.

Sturz von Wladimir Putin: Russlandexperte hält gewaltsamen Putsch für „unwahrscheinlich“

Das Portal Newsweek hatte berichtet, dass laut einem Whistleblower des russischen Geheimdienstes FSB ein Krieg zwischen Wladimir Putin und seinen bisherigen Verbündeten unausweichlich sei. Damit waren Ramsan Kadyrow, Bluthund Putins und Präsident von Tschetschenien, sowie Jewgeni Prigoschin, Koch Putins und Chef der Söldner-Truppe „Wagner“, gemeint. Sie könnten letztlich zum Sturz von Putin führen, hieß es in dem Bericht

Wie wahrscheinlich ist ein Sturz von Russlands Präsident Wladimir Putin (links)? Der Abzug seines Militärs aus Cherson (Ukraine) dürfte nicht Teil seines Plans gewesen sein.

Für Russlandexperte Mangott sind das reine Spekulationen. Die Unzufriedenheit in Russland sei zwar „deutlich größer geworden“ und die „Stimmung gegenüber Putin hat sich in Russland zwar nachhaltig verändert“. Doch habe Mangott nicht den Eindruck, „dass dies ein Ausmaß angenommen hat, wo es zu einem gewaltsamen Konflikt innerhalb Russlands kommt“, sagte er Focus Online. Zumindest gegenwärtig halte der Russlandexperte einen gewaltsamen Sturz Putins für „unwahrscheinlich“.

„Putins Position sicherlich gefährdet“: Wann der Kreml-Herrscher um seine Macht fürchten muss

Aber, das betont Mangott: Sollte sich die Reihe von russischen Niederlagen im Ukraine-Krieg fortsetzen und Russland immer weiter zurückgedrängt werden, dann „ist Putins Position sicherlich gefährdet“. Als politische Bedrohung, die zum Sturz Putins führen könnte, betrachtet der Russlandexperte Prigoschin und Kadyrow nicht. Beide hätten nämlich nicht das Potenzial, um nach ganz oben aufzusteigen. Einen Putsch respektive Sturz schließt das aber weiterhin nicht aus.

Gibt es denn überhaupt Möglichkeiten für Putin, um einen Sturz abzuwenden? Laut Mangott müsse der Kreml-Herrscher „kollektiver arbeiten“. Damit meint er, dass Russlands Präsident mehrere Personen in die Kriegsführung einbinden müsse, um seinen Sturz abzuwenden. So könne Putin auch eventuelle Gegner auf seine Seite holen. Ob dieses Szenario so eintritt, könne Mangott aber auch nicht mit Gewissheit sagen.

Putin als „zurückgezogener Zar“: Sturz vom Kreml-Herrscher würde Fortgang vom Ukraine-Krieg stark beeinflussen

Auffällig sei auf jeden Fall, dass Putin sich aktuell sehr schweigsam verhalte und mitunter gar untertauche. Deswegen bezeichnet Mangott ihn auch als „zurückgezogenen Zar“, der nun mal „sein Stück der Verantwortung nicht übernehmen will“. Ein konkretes Beispiel hierfür sei der russische Truppenabzug vom Westufer des Dnjepr in der Region Cherson. Dieser wurde von Putin weder angekündigt noch kommentiert. Damit würde er den Eindruck erwecken, nichts mit den Dingen zu tun zu haben, die schieflaufen.

Doch sei die Glaubwürdigkeit dieser Botschaft von Putin in der russischen Bevölkerung „sehr gering“. Letztendlich legt sich Mangott fest: Der Fortgang des Ukraine-Krieges würde vor allem damit zusammenhängen, ob der Kreml-Herrscher seine Macht in Russland behalten kann oder sie doch verliert. Möglicherweise durch einen Putsch oder Sturz von Putin – durch wen auch immer.

Rubriklistenbild: © Maksim Blinov/dpa/imago/Montage

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