Péter Magyar

Wahlen in Ungarn: Ein Konservativer wird Orbán gefährlich

Vor den Wahlen in Ungarn holt der hemdsärmelige Péter Magyar in Umfragen auch auf dem Land auf. Er könnte zu einer Gefahr für Orbán werden.

Budapest – Péter Magyar mit Wasserpistole in einem Kanu; beim Radeln durch entlegene Dörfer; im Bad der Menschen mit Handykameras, die Selfies mit ihm schießen: Es sind diese Bilder, die Ungarns Oppositionsführer in den vergangenen Tagen in die Weltpresse katapultiert haben. Der Anführer der Tisza-Partei ist zu einer 80-tägigen Tour quer durchs Land aufgebrochen, mit der Mission, die Landbevölkerung in den traditionellen Hochburgen von Ministerpräsident Viktor Orbán von sich zu überzeugen. Das ist entscheidend, will Magyar die ungarische Parlamentswahl in acht Monaten gewinnen.

Wahlen in Ungarn: Test für Demokratie

Normalerweise ist der Politsommer zwischen Debrezin und Plattensee wenig aufregend. Ganz anders in diesem Jahr, was die Ungarn dem 44-jährigen Anwalt Magyar verdanken. Seit seinem Ausscheiden aus dem regierenden Fidesz, Orbáns Partei, vor gut einem Jahr rüttelt er die ungarische Politlandschaft auf – und wurde zur größten Bedrohung für Orbáns mittlerweile 15-jährige Amtszeit. Viele Menschen in Ungarn wünschen sich einen Neuanfang: ein Ende von Orbáns Vetternwirtschaft, von seinem Isolationskurs innerhalb der EU, und von dem Überlebensmodus, in dem große Teile der Bevölkerung verharren. „Orbán versprach einen ‚fliegenden Start‘ für die Wirtschaft, doch das BIP will nicht wachsen, die Inflation bleibt hoch und die Kaufkraft der Haushalte ist auf ein EU-Tief gefallen“, schreibt das Fachportal Visegrad Insight.

Noch ein Selfie gefällig? Tisza-Chef Peter Magyar (Mitte) lässt sich in Budapest feiern.

Für die meisten Fachleute steht fest, dass der politische Wandel in Ungarn nicht aus dem linken oder liberalen Lager kommen kann. Magyar gilt als Konservativer. Er imitiert teils Orbáns Politik, aber auf besonnene Weise. Dabei verpackt er traditionelle Werte in Jeans und Sneakers und bietet Konservativen eine Alternative. Bei der Europawahl im vorigen Jahr holte seine Tisza auf Anhieb mit 30 Prozent den zweiten Platz hinter Fidesz (45 Prozent).

Wahlen in Ungarn: Regierungswechsel möglich?

„In diesem Moment wurde sowohl für Fidesz als auch für die oppositionelle Öffentlichkeit klar, dass ein Regierungswechsel – vorausgesetzt, die Wahlen bleiben zumindest formal demokratisch – möglich ist“, sagt Péter Techet. Der Ungarn-Experte am Institut für den Donauraum und Mitteleuropa (IDM) in Wien verweist auf jüngste Umfragen. Diesen zufolge liege der Oppositionelle Magyar in Städten deutlich vorne. Doch selbst in kleinen Gemeinden gebe es kaum noch Unterschiede zwischen Fidesz und Tisza. „Der Unterschied zeigt sich eher bei Alter und Bildungsstand“, sagt Techet. „Unter den unter 40-Jährigen führt Tisza mit fast 60 Prozent, bei den über 50-Jährigen hingegen führt Fidesz.“

Magyars Sommer-Tour soll den Umschwung bringen. Doch kann er mit seiner hemdsärmeligen Art eingefleischte Fidesz-Wähler überzeugen? „Die Menschen sind schon allein dadurch berührt, dass ihnen ein Politiker gerade ins Gesicht blickt und nicht so unnahbar ist, wie Orbán es seit Jahren ist, wenn er quasi von der Kanzel herab spricht“, erzählt die deutsche Autorin Petra Thorbrietz. Mit ihrem jüngsten Buch „Wir werden Europa erobern!“ wirft sie einen Blick in die ungarische Seele. Einmal mehr offenbarte sich ihr diese bei Magyars Auftritt in der Fidesz-Hochburg Debrezin. „Neben mir stand ein etwa 70-jähriger Mann, dem liefen die Tränen über das Gesicht.“ Seine Enkel lebten in Dänemark, erzählte er, und würden nicht zurückkommen, wenn Orbán im Amt bleibe.

Handshake, Chaos, große Gesten: Das Trump-Putin-Treffen in Bildern

Donald Trump und Wladimir Putin trafen sich in Alaska zum Gipfel. Das Treffen wurde zur medialen Inszenierung.
Donald Trump und Wladimir Putin trafen sich im US-Bundesstaat Alaska zum Gipfel in Sachen Ukraine-Krieg. Das Treffen wurde zur medialen Inszenierung.  © dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson + IMAGO / Anadolu Agency + IMAGO / ITAR-TASS
Kurz gewunken, dann in die Air Force One: Am Freitagnachmittag (MESZ) reiste US-Präsident Trump zum Gipfel mit Putin nach Alaska.
Kurz gewunken, dann in die Air Force One: Am Freitagnachmittag (MESZ) reiste US-Präsident Trump zum Gipfel mit Putin nach Alaska. © dpa/FR596 AP | Luis M. Alvarez
Auch Putin reiste am Freitagnachmittag an. Die Reise gen Osten nach Alaska nutzte der russische Präsident, um in Magadan, 6000 Kilometer östlich von Moskau, Halt zu machen.
Auch Putin reiste am Freitagnachmittag an. Die Reise gen Osten nach Alaska nutzte der russische Präsident, um in Magadan, 6000 Kilometer östlich von Moskau, Halt zu machen. © dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP | Alexei Nikolsky
Am Freitag erreichte Putin dann die Joint Base Elmendorf-Richardson in Alaska, um sich dort mit US-Präsident Trump zu treffen.
Am Freitag erreichte Putin dann die Joint Base Elmendorf-Richardson in Alaska, um sich dort mit US-Präsident Trump zu treffen. © dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson
Trumps Ankunft in Alaska: Soldaten rollen den roten Teppich aus, bevor der US-Präsident die Air Force One für den Gipfel mit Putin verlässt.
Trumps Ankunft in Alaska: Soldaten rollen den roten Teppich aus, bevor der US-Präsident die Air Force One für den Gipfel mit Putin verlässt. © dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson
Vor Trump und Putin erreichte bereits die russische Entourage die Joint Base in Alaska. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sorgte für eine Provokation: Er fuhr mit einem Pullover mit der kyrillischen Aufschrift für „UdSSR“ vor.
Vor Trump und Putin erreichte bereits die russische Entourage die Joint Base in Alaska. Russlands Außenminister Sergej Lawrow sorgte für eine Provokation: Er fuhr mit einem Pullover mit der kyrillischen Aufschrift für „UdSSR“ vor. © IMAGO / SNA
In der Bevölkerung vor Ort war der Gipfel von Trump und Putin umstritten. Noch bevor die beiden Staatschefs die Region erreichten, protestierten zahlreiche Unterstützer der Ukraine in Alaska.
In der Bevölkerung vor Ort war der Gipfel von Trump und Putin umstritten. Noch bevor die beiden Staatschefs die Region erreichten, protestierten zahlreiche Unterstützer der Ukraine in Alaska. © IMAGO/Hasan Akbas/Anadolu Agency
Antritt zum Gipfel: Trump und Putin treffen in Alaska auf dem roten Teppich aufeinander.
Antritt zum Gipfel: Trump und Putin treffen in Alaska auf dem roten Teppich aufeinander. Trump soll ihm laut US-Medien dort sogar kurz applaudiert haben. © Julia Demaree Nikhinson/dpa/AP
Ein historischer Moment? Trump begrüßt Putin via Handshake vor dem Gipfel in Alaska – und holt den Kreml-Chef damit auf die Bühne internationaler Diplomatie zurück.
Ein historischer Moment? Trump begrüßt Putin via Handshake vor dem Gipfel in Alaska – und holt den Kreml-Chef damit auf die Bühne internationaler Diplomatie zurück. © Julia Demaree Nikhinson/dpa/AP
Gespräche zur militärischen Konfliktbeilegung – militärisch in Szene gesetzt. Trump und Putin posieren für die Presse auf der Bühne, im Hintergrund Kampfjets und die Air Force One.
Gespräche zur militärischen Konfliktbeilegung – militärisch in Szene gesetzt. Trump und Putin posieren für die Presse auf der Bühne, im Hintergrund Kampfjets und die Air Force One. © Julia Demaree Nikhinson/dpa/AP
Trump und Putin in Alaska: Vor den Gesprächen zum Ukraine-Krieg zeigen die Präsidenten sich vertraut.
Trump und Putin in Alaska: Vor den Gesprächen zum Ukraine-Krieg zeigen die Präsidenten sich vertraut. © Julia Demaree Nikhinson / dpa / AP
Gemeinsamer Bühnen-Abgang: Trump und Putin auf dem Weg zu ihren Gesprächen.
Gemeinsamer Bühnen-Abgang: Trump und Putin auf dem Weg zu ihren Gesprächen. © Julia Demaree Nikhinson/dpa/AP
Direkt zum Start kommt es zum Chaos: Journalisten sind mit Trump und Putin in einem Raum, sollen Fragen stellen. Die Fragerunde artet allerdings aus, die Presse schreit den Präsidenten ihre Fragen entgegen. Ende vom Lied: Die Fragerunde wird abgebrochen.
Direkt zum Start kommt es zum Chaos: Journalisten sind mit Trump und Putin in einem Raum, sollen Fragen stellen. Die Fragerunde artet allerdings aus, die Presse schreit den Präsidenten ihre Fragen entgegen. Ende vom Lied: Die Fragerunde wird abgebrochen. © dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson
Trump spricht mit seinem Übersetzer beim Gipfeltreffen mit Putin. Ebenfalls mit in der Runde: US-Außenminister Rubio und Sondergesandter Witkoff.
Trump spricht mit seinem Übersetzer beim Gipfeltreffen mit Putin. Ebenfalls mit in der Runde: US-Außenminister Rubio und Sondergesandter Witkoff. © Julia Demaree Nikhinson/dpa/AP
Auch Putin kam mit Entourage, dazu gehörte etwa Außenminister Lawrow (l.).
Auch Putin kam mit Entourage, dazu gehörte etwa Außenminister Lawrow (l.). © IMAGO/Kremlin Press Office
Nach der chaotischen Fragerunde zogen sich Putin und Trump für die Gespräche zurück. Die Presse wartete derweil gespannt auf das gemeinsame Statement.
Nach der chaotischen Fragerunde zogen sich Putin und Trump für die Gespräche zurück. Die Presse wartete derweil gespannt auf das gemeinsame Statement. © dpa/AP | Jae C. Hong
Weltpolitischer Austausch vor den Statements: Russlands Außenminister Lawrow im Gespräch mit seinem US-Amtskollegen Rubio.
Weltpolitischer Austausch vor den Statements: Russlands Außenminister Lawrow im Gespräch mit seinem US-Amtskollegen Rubio. © dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson
Pressekonferenz nach dem Treffen: Trump und Putin positionieren sich für ihre Statements nach den Gesprächen in Alaska.
Pressekonferenz nach dem Treffen: Trump und Putin positionieren sich für ihre Statements nach den Gesprächen in Alaska. © dpa/AP | Jae C. Hong
Trump und Putin bei der Pressekonferenz vor riesigem Presse-Andrang. Im Hintergrund die Botschaft des Gipfels: „Pursuing Peace“, übersetzt „Streben nach Frieden“.
Trump und Putin bei der Pressekonferenz vor riesigem Presse-Andrang. Im Hintergrund die Botschaft des Gipfels: „Pursuing Peace“, übersetzt „Streben nach Frieden“. © dpa/XinHua | Wu Xiaoling
Die Schatten von Putin und Trump, nah beieinander über dem Motto des Gipfels: „Pursuing Peace“, also „Streben nach Frieden“. Ob der Austausch ein wirklicher Schritt in Richtung Frieden war, darf allerdings angezweifelt werden.
Die Schatten von Putin und Trump, nah beieinander über dem Motto des Gipfels: „Pursuing Peace“, also „Streben nach Frieden“. Ob der Austausch ein wirklicher Schritt in Richtung Frieden war, darf allerdings angezweifelt werden. © Wu Xiaoling/dpa/AP
Nach dem Treffen würdigte Putin in einem kurzen Statement Trump, betonte die Möglichkeit, die Beziehungen zu den USA zu verbessern. Wirkliche Ergebnisse oder neue Erkenntnisse bezüglich des Ukraine-Kriegs blieben aber aus.
Nach dem Treffen würdigte Putin in einem kurzen Statement Trump, betonte die Möglichkeit, die Beziehungen zu den USA zu verbessern. Wirkliche Ergebnisse oder neue Erkenntnisse bezüglich des Ukraine-Kriegs blieben aber aus. © Julia Demaree Nikhinson / dpa / AP
Nach dem Gipfel mit Putin sprach Trump von guten Gesprächen udn kündigte an, mit der Nato in Austausch zu gehen. Später sagte er, das Treffen sei eine „10 von 10“ gewesen, setzte zugleich die Ukraine und Selenskyj unter Druck, einen Deal abzuschließen.
Nach dem Gipfel mit Putin sprach Trump von guten Gesprächen udn kündigte an, mit der Nato in Austausch zu gehen. Später sagte er, das Treffen sei eine „10 von 10“ gewesen, setzte zugleich die Ukraine und Selenskyj unter Druck, einen Deal abzuschließen. © Julia Demaree Nikhinson / dpa / AP
Trump und Putin im vertrauten Gespräch nach der gemeinsamen Pressekonferenz.
Trump und Putin im vertrauten Gespräch nach der gemeinsamen Pressekonferenz. © IMAGO/Gavriil Grigorov
Donald Trump stieg kurz nach dem Putin-Treffen zurück in die Air Force One, verließ Alaska wieder.
Donald Trump stieg kurz nach dem Putin-Treffen zurück in die Air Force One, verließ Alaska wieder. © Julia Demaree Nikhinson/dpa/AP
Treffen von Trump und Putin.
Putin legt nach dem Treffen mit Trump Blumen an den Gräbern sowjetischer Soldaten nieder, die während des Zweiten Weltkriegs auf dem Nationalfriedhof Fort Richardson in Alaska begraben wurden. © dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP | Gavriil Grigorov
Das Flugzeug von Wladimir Putin nach dem Alaska-Treffen auf dem Weg zurück nach Russland – eskortiert von F-35-Kampfjets.
Das Flugzeug von Wladimir Putin nach dem Alaska-Treffen auf dem Weg zurück nach Russland – eskortiert von F-35-Kampfjets. © dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP | Gavriil Grigorov

Wahlen in Ungarn: Andere Ukrainepolitik

Magyar ist überzeugt: „Die Wahl im nächsten Jahr wird ein Referendum über Orbáns korruptes Regime und unsere EU- und Nato-Mitgliedschaft.“ Der Regierungschef gibt sich unterdessen siegessicher. Um dem massiven Online-Einfluss der Tisza entgegenzutreten, rief Orbán „digitale Bürgerkreise“ ins Leben. Dieses Aktivistennetzwerk soll seine Kultur- und Identitätspolitik in die Onlinesphäre bringen. „Ungarisch bleiben, selbst in einer digitalen Welt – das ist unser Nationalalgorithmus“, sagt Orbán. 55.000 Mitglieder soll das Netzwerk bereits zählen. Beobachter:innen sprechen von einer Trollarmee.

Orbán setzt auch auf eine offen ukrainefeindliche Wahlkampfrhetorik. Für Politologe Techet kommt das nicht überraschend. Ob Migranten, die EU, der aus Ungarn stammende US-Milliardär George Soros, oder jetzt die Ukraine: „Orbán braucht im Wahlkampf immer einen Feind.“ Mit Argumenten wie jenem, dass Ungarn wegen der EU-Hilfen an die Ukraine weniger Geld aus Brüssel erhalte, wolle Orbán von wirtschaftlichen Schwierigkeiten ablenken. Mit Erfolg, wie Autorin Thorbrietz berichtet: Das Verständnis seiner Wähler:innen für die russische Position steige. „Innenpolitisch gibt es sogar ultrarechte Kräfte, die sich ernsthaft versprechen, bei einem russischen Sieg Transkarpatien mit seiner ungarischen Minderheit zurückzuerhalten.“ Oppositionsführer Magyar, der Russland klar als Aggressor bezeichnet hat, zwinge die Anti-Ukraine-Propaganda der Regierung zu einer „schwierigen Gratwanderung“ zwischen der EU-Position und innenpolitischen Kräften.

Rubriklistenbild: © Ferenc Isza/afp

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