„Gefährliches Spiel“: Warnung der Lukaschenko-Opposition vor Ukraine-Attacke
VonSimon Schröder
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Droht Belarus eine Invasion aus der Ukraine? Lukaschenko wird von der Opposition in Belarus entlarvt. In Kiew schaut man mit Sorge auf Minsk.
Minsk – Die Opposition in Minsk ist besorgt, Alexander Lukaschenko könnte durch seine Unterstützung des russischen Machthabers Wladimir Putin einen ukrainischen Angriff provozieren. Die hohe militärische Präsenz an der Grenze könnte „nach hinten losgehen“, äußerte sich Swjatlana Zichanouskajas Berater gegenüber Newsweek.
Franzischak Wjatschorka, Zichanouskajas Berater, sagte Lukashenko „spiele ein gefährliches Spiel“ indem er weitere Truppen an die ukrainische Grenze verlegt. Zichanouskaja war Lukashenkos Kontrahentin in den Präsidentschaftswahlen 2020, die gemeinhin als gefälscht angesehen werden.
Letzte Woche gab der belarussische Diktator bekannt, er habe ein Drittel der Armee an der Grenze zur Ukraine stationiert. Viktor Tumar, Vorsitzender des belarussischen Generalstabs, hatte gewarnt, dass die Soldaten Belarus‘ jede ukrainische Invasion abwehren würden. Anzeichen oder Pläne eines ukrainischen Angriffs gibt es allerdings nicht.
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Wjatschorka teilte Newsweek mit: „Hier geht es nicht darum, Belarus zu verteidigen – es ist ein verzweifelter Versuch, sich bei Putin einzuschmeicheln und von Russlands Versagen in Kursk abzulenken.“ Die Ukraine hatte Russland am 6. August mit einem Überraschungsangriff in der Kursk-Region überrumpelt. Seitdem konnte das ukrainische Militär in der russischen Region weiter Boden gut machen. Für Putin ein echtes Debakel.
Laut einem Bericht der belarussischen Opposition sollen rund 1100 zusätzliche Truppen an der Grenze stationiert worden sein – und nicht ein Drittel der Armee, wie Lukaschenko behauptet hatte. „Alles nur Schall und Rauch“, sagt Wjatschorka. „Er hat gesehen, wie die Ukraine den Kampf bis tief nach Russland vordringt, und er glaubt, dass Belarus Ähnliches passieren könnte“, fügte er hinzu.
Doch auch das ukrainische Außenministerium schaut gen Minsk mit wachsender Sorge. In einem Statement heißt es: „Laut den gesammelten Informationen ukrainischer Geheimdienste konzentrieren die Streitkräfte von Belarus eine beträchtliche Anzahl an Personal, darunter Spezialkräfte, Waffen und Militärmaterial wie Panzer, Artillerie, Mehrfachraketenwerfer, Flugabwehrsysteme und technische Ausrüstung in der Region Gomel nahe der Nordgrenze der Ukraine unter dem Deckmantel von Übungen.“
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Am Donnerstag (22. August) noch äußerte sich Andriy Demchenko, Sprecher des ukrainischen Staatsgrenzschutzamtes, dass es zu keinen zusätzlichen Truppenbewegungen gekommen war, wie der ukrainische Fernsehsender 1 + 1 in seiner online Ausgabe berichtet hatte. Demchenko sagte: „Die Situation entlang der Grenze ist, soweit wir sie visuell beobachten können, völlig unverändert. Es gibt keine Bewegung von Ausrüstung oder Personal der belarussischen Armeeeinheiten.“
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Weiter fügte er hinzu: „Es ist davon auszugehen, dass Russland weiterhin Druck auf Belarus ausübt, um die Lage an der Grenze zu destabilisieren oder um Belarus möglicherweise stärker in den Krieg zu verwickeln.“ (sischr)