- VonEileen Kelpeschließen
Nach dem Aufstand der Wagner-Gruppe in Russland bauen die Söldner offenbar Militärlager in Belarus auf. Die Ukraine bereitet sich auf mögliche Bedrohungen vor.
Minsk – Nachdem der Chef der Wagner-Söldnertruppe, Jewgeni Prigoschin, in Belarus Unterschlupf gefunden hat, folgen ihm offenbar nun seine Anhänger. Laut Einschätzung von US-Experten sollen sie nach dem gescheiterten Aufstand in Russland drei Militärlager in Belarus aufgebaut haben. In der vergangenen Woche hatten bereits mehrere unabhängige russische und belarussische Medien über den Aufbau von mindestens einem Militärlager in Belarus berichtet, das für die Unterbringung von Wagner-Söldnern gedacht sei. Offiziell wurden diese Berichte bislang nicht bestätigt.
Das in Washington ansässige Institute for the Study of War (ISW) schrieb am Freitag in seinem täglichen Lagebericht: „Neue hochauflösende Satellitenbilder, die am 30. Juni gemacht wurden, zeigen auf einer ehemaligen Militärbasis in Belarus mindestens 303 Zelte, in denen 20 bis 50 Personen untergebracht werden können.“ Die Zelte seien innerhalb der letzten Woche aufgetaucht. Daneben gebe es Berichte über Pläne für zwei weitere Lager im Westen von Belarus. Die Satellitenaufnahmen des mutmaßlichen Wagner-Lagers bei der Stadt Assipowitschy veröffentlichten inzwischen auch westliche Medien wie die Washington Post.
Ukrainische Gegenoffensive: Ukraine bereitet sich auf Bedrohungen aus Belarus vor
Laut Medienberichten wie unter anderem von der ukrainischen Online-Zeitung Ukrainska Pravda könnte Belarus rund 8000 Wagner-Söldner im Land stationieren. Nach Einschätzung von Analysten des ISW stellt der Standort eines Stützpunktes der Wagner-Gruppe in der Region Mogilew, die 200 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt liegt, aktuell keine unmittelbare Bedrohung für die Ukraine dar.
Auch Andrii Demchenko, Sprecher des staatlichen Grenzschutzdienstes der Ukraine, betont, dass die belarussische Grenze aktuell unter Kontrolle der Ukraine stehe und es keine russischen Offensiveinheiten gebe, berichtet Ukrainska Pravda. Dennoch sei man sich der möglichen Bedrohung bewusst und bereite sich an den Grenzen vor. Man bereite sich insbesondere auf mögliche Sabotageoperationen und verschiedene Provokationen vor, so Demchenko.
Wagner-Söldner in Belarus: Polen sieht Gefahr für Nachbarländer
Die entstehenden Lager der Wagner-Söldner in Belarus lösen in den Nato-Ländern Besorgnis aus. Polens Präsident Andrzej Duda zeigte sich vergangenen Mittwoch bei einem Gespräch in Kiew angesichts der Wagner-Lager und der Stationierung von Atomwaffen in Belarus besorgt, wie das ZDF berichtet: „Sollen sie der Besetzung von Belarus dienen? Sollen sie vom Norden aus eine weitere Bedrohung für die Ukraine bilden(...)? Oder sollen sie auch eine potenzielle Bedrohung für unsere Länder, für Nato-Staaten wie Polen sein?“ Die Nato müsse wachsam sein, betonte Duda. (eike/dpa)
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