VonSandra Katheschließen
Dass die ukrainische Gegenoffensive begonnen hat, räumt inzwischen selbst Wladimir Putin ein. Dass sie erfolgreich sein kann, glaubt Russlands Machthaber dennoch nicht.
Moskau – In der russischen Propaganda klang der Krieg in den vergangenen 15 Monaten meistens so, als wäre er praktisch gewonnen. Zerstörte westliche Waffensysteme, minimale Verlustezahlen auf eigener Seite, hoch motivierte russische Soldaten und Menschen, die auf der anderen Seite der Grenze auf die russischen „Befreier“ nur gewartet zu haben scheinen. Aus der Ukraine und vonseiten des Westens sahen die Informationen meistens ganz anders aus. Und nun scheint sogar Machthaber Wladimir Putin selbst einzuräumen, dass der Krieg nicht ganz so mühelos zu gewinnen ist.
So zitierten am Wochenende übereinstimmende Medienberichte eine Stellungnahme Putins, in der Russlands Staatchef im Rahmen einer Pressekonferenz in Sotschi nicht nur bestätigt hat, dass die ukrainische Gegenoffensive im Ukraine-Krieg begonnen hat. Die regierungsnahe Nachrichtenagentur Tass berichtet darüber hinaus, dass die russische Waffenindustrie Schwierigkeiten hätte, russische Truppen mit ausreichend modernen Waffensystemen auszustatten.
Ungewöhnliche Worte von Putin: Russland hat „zu wenig moderne Waffen“
Konkret hieß es in der Tass-Meldung, dass Putin „bewusst“ wäre, dass „Russlands Truppen zu wenig moderne Waffen zur Verfügung stehen“. Er sei jedoch zuversichtlich, dass „die Militärindustrie des Landes bald in der Lage sein wird, die steigende Nachfrage zu befriedigen“. Einem Bericht im US-Nachrichtenmagazin Newsweek zufolge sei nicht klar, von welchen Waffen Putin dabei genau spricht, es gibt jedoch zahlreiche internationale Experten, die davon ausgehen, dass russische Kämpfer vor allem mehr Munition verbrauchen als nachgeordert werden kann.
Auch das US-Nachrichtenportal Daily Beast zitierte eine Aussage Putins in einer Nachricht auf dem Telegram-Kanal des Kreml, in der Putin eingeräumt hatte, dass Russland in den vergangenen Tagen „signifikante Verluste erlebt hätte“, die „klassische Zahlen“ übersteigen.
Russische Propaganda im Ukraine-Krieg: Versuche der Gegenoffensive „gescheitert“
Dass Putin in wenigen Punkten damit scheinbar russische Schwächen eingeräumt hat, ist jedoch kein Indikator dafür, dass die Kommunikationsstrategie des Kreml oder Putins Einstellung zum Krieg in der Ukraine sich gewandelt haben. Die staatliche Nachrichtenagentur Tass zitierte Putin ebenfalls am Rand der Pressekonferenz in Sotschi mit der Behauptung, dass die ukrainische Gegenoffensive „keineswegs ihre Ziele“ erreiche und alle bisherigen Versuche einer Gegenoffensive gescheitert wären.
In den vergangenen Tagen hatte es darüber hinaus auch vonseiten des russischen Militärs erneut mehrere „Erfolgsmeldungen“ gegeben, die vonseiten der Ukraine und ihren Partnern im Westen dementiert und widerlegt worden sind. So hatte Russland in einem Video behauptet, Leopard-Panzer beschädigt zu haben, was sich als Fälschung herausgestellt hatte, auch die von Russland gemeldete Beschädigung einer von Deutschland gelieferten Luftverteidigungsanlage wurde von mehreren Seiten dementiert. (saka)
