Metall-Ungetüme an der Front

Ukraine reagiert auf Russen-Winkelzug – und rüstet Panzer mit „Käfigen“ nach

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An der Front tauchen ukrainische Panzer auf, die wie regelrechte Metall-Ungetüme aussehen. Das hat bei der Gegenoffensive gegen die russische Armee einen heiklen Grund.

Saporischschja – Dieses Fahrzeug, das im Ukraine-Krieg an die Front fährt, wirkt auf den ersten Eindruck etwas sperrig und schwerfällig. Die Rede ist nicht von der „2S4 Tjulpan“, jenem 28,2-Tonnen-Mörser der Russen, der durch seine Behäbigkeit ein leichtes Ziel für ukrainische Artillerie und Drohnen darstellt.

Ukraine-Gegenoffensive: Panzerhaubitze M109L mit Käfig gesichtet

Nein: Ein Video, das bei Twitter kursiert, zeigt eine schwere M109L-Haubitze der Ukrainer, deren Karosserie bis an die Ketten von drei großen Metallkäfigen umgeben ist. Das Gefährt sieht auf den ersten Blick aus wie ein in einen Zwinger gequetschter Panzer.

Während die ukrainischen Streitkräfte in der Region Saporischschja derzeit vor allem mit Minenräumen beschäftigt sind, hat die Gitter-Maßnahme einen guten Grund. Konkret: Die offensichtlich nachträglich montierten Käfige sollen die Besatzung der gezeigten M109L-Haubitzen vor schultergestützten Panzerabwehrwaffen schützen – und wohl auch vor Drohnen.

Denn: Die Verluste sind bei der Gegenoffensive gegen die russische Armee hoch, während die nächste Explosion an der Krim-Brücke im Ukraine-Krieg für Aufsehen sorgt. Offenbar haben die Russen das kopiert, womit ihnen die Ukrainer in der ersten Phase des Krieges richtig Probleme bereitet haben.

Gegenoffensive: Russische Armee jagt offenbar erfolgreich ukrainische Panzer

Ein Rückblick: Eines der omnipräsenten Bilder dieses militärischen Konflikts ist ein zerstörter russischer Militärkonvoi in Irpin, wenige Kilometer nordwestlich des Stadtzentrums der Hauptstadt Kiew. Wie beispielsweise ukrainische Nationalgardisten in TV-Interviews schilderten, schlugen sie die Russen hier händisch mit besagten Panzerabwehrlenkwaffen zurück.

Verschiedensten Berichten zufolge waren die russischen T-72-Panzer und BMP-Schützenpanzer vor allem gegen die schultergestützte „Javelin“ aus amerikanischer Produktion machtlos. Etliche gepanzerte Fahrzeuge gingen einzig in Irpin verloren und brannten auf einer Hauptstadt der Kleinstadt (rund 60.000 Einwohner) aus.

Ukraine-Krieg: Russland stellt angeblich „Panzerjäger“-Einheiten auf

Auch die Russen machen nun offenbar mit Panzerabwehrwaffen regelrecht Jagd auf mechanisierte ukrainische Einheiten. Im Frühjahr hatten russische Staatsmedien berichtet, der Kreml stelle „Panzerjäger“-Einheiten mit schultergestützten Lenkflugkörper-Panzerfäusten und Aufklärungsdrohnen auf.

Gegenoffensive: Ukrainische Soldaten montieren Gitter an ihre Panzer

Videos, die in sozialen Netzwerken verbreitet werden, sollen zeigen, wie zunehmend auch ukrainische Militärfahrzeuge Opfer dieser Taktik werden. Was sich, wie so vieles in den Kriegswirren, nicht unabhängig verifizieren lässt. Eingangs beschriebene Käfigpanzerungen sollen just vor dieser Gefahr schützen. Oder diese zumindest minimieren.

So sollen die Konstruktionen aus Metall Hohlladungsgeschosse vor dem Auftreffen auf die eigentliche Panzerung unschädlich machen. Zum Beispiel Granaten aus der Panzerbüchse RPG-7, wie sie die russische Armee noch aus Sowjetzeiten in hoher Stückzahl besitzt. Vereinfacht erklärt: Trifft das vordere Projektil der Granate auf das Gitter oder zwischen die Stäbe, kann der elektrische Impuls zwischen Aufschlagzünder und Initialzünder ausbleiben und die Granate explodiert gar nicht. Oder die Hohlladung samt Sprengstoff wird so verformt, dass sich der panzerbrechende Stachel nicht ausbilden kann. Und somit die Panzerung nicht durchdrungen wird.

Ukraine-Gegenoffensive: Etliche Käfigpanzerungen auf Schlachtfeld gesichtet

Offenbar greift die Ukraine vermehrt auf die Käfigpanzerungen zurück, um ihre Soldaten zu schützen. Oder zumindest, um es zu versuchen. So kursiert in diesen Tagen etwa auch das Video eines ukrainischen Radpanzers BTR 4E „Bucephal“ mit montierten Käfiggittern an der Seite sowie an der Front (siehe Video oben).

Und: Die 3. Angriffsbrigade, die bei Bachmut Schützengräben stürmt, dokumentierte in einem ihrer vielen Videos gepanzerte Mannschaftstransporter M113. Von den Panzerhaubitzen M109L hatte Italien den Ukrainern indes seit Frühjahr mindestens 30 Stück gelieferte. Es ist bis heute die Standard-Haubitze mehrerer Nato-Staaten. (pm)

Rubriklistenbild: © Screenshot Twitter@warinukraineua

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