Lage an der Ukraine-Front: Russland verliert bei Offensive viel Gelände
VonMax Nebel
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Selenskyj meldet Geländegewinne, Oberbefehlshabers Syrskyj spricht von eingekesselten russischen Einheiten. Doch auch Putins Mobilmachung läuft an.
Dobropillja – Bei heftigen Gefechten in der Ostukraine haben die ukrainischen Streitkräfte nach eigenen Angaben große Geländegewinne erzielt. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte in seiner abendlichen Videobotschaft am Montag (29. September), bei Gegenoffensiven nahe Dobropillja seien im Ukraine-Krieg mehr als 174 Quadratkilometer zurückerobert worden, weitere 194 Quadratkilometer habe man von russischen Sabotageeinheiten gesäubert.
Ukraines Präsident Wolodymyr Selenskyj (l.) und Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj – beide betonen die Erfolge der Gegenoffensive bei Dobropillja, warnen aber zugleich vor anhaltend schwierigen Frontlagen.
Nach Darstellung des ukrainischen Oberbefehlshabers Oleksandr Syrskyj konnten zudem mehrere russische Einheiten in diesem Frontabschnitt eingekesselt werden. Insgesamt habe die russische Seite dort mehr als 3100 Mann verloren, darunter fast 1800 Tote. Zudem seien fast 1.000 Waffen- und Geräteteile zerstört oder erbeutet worden, schreibt der Kyiv Independent. Syrskyj sprach von einem „koordinierten Vorgehen“ der ukrainischen Truppen, das die russische Offensive ins Stocken gebracht habe.
Ukraine-Front: Russland verliert bei Offensive viel Gelände
Trotz der Erfolge betonte Selenskyj, dass die Lage in anderen Frontabschnitten weiterhin angespannt sei. Insbesondere bei Kupjansk im Gebiet Charkiw sowie an den Grenzen der Regionen Donezk und Dnipropetrowsk sei die Situation „schwierig“. Syrskyj sprach von einer ukrainischen Vorwärtsbewegung um drei bis sieben Kilometer entlang der russischen Verteidigungslinien. Dabei seien gemäß RBC Ukraine mehrere Dörfer zurückgewonnen worden. Auch sei es gelungen, Nachschubrouten der russischen Armee zu unterbrechen, was deren Bewegungen im Frontgebiet deutlich erschwere.
Ukrainische Beobachter und Militärblogger äußern sich indes zurückhaltender als die Regierung in Kiew. Sie weisen darauf hin, dass russische Truppen im Verlauf des Sommers teils größere Geländegewinne erzielt hatten. Nach Daten ukrainischer Analysten habe Russland seit Juni rund 1.500 Quadratkilometer besetzt, so der Kyiv Independent. Damit stehe das Bild einer dynamischen Front, die sich trotz ukrainischer Gegenoffensiven weiter verschiebe.
Putins Verbündete: Diese Länder stehen im Ukraine-Krieg an der Seite Russlands
Putins Dekret für den Ukraine-Krieg: Wehrpflicht für 135.000 Männer
Parallel zu den Kämpfen, berichtet n-tv.de, kündigte der russische Präsident Wladimir Putin per Dekret die Einberufung von 135.000 Männern im Alter zwischen 18 und 30 Jahren an. Die Musterungen sollen vom 1. Oktober bis 31. Dezember stattfinden. Die Rekruten werden jedoch zunächst ein Jahr regulären Wehrdienst leisten und dürfen nur nach Vertragsunterzeichnung in den Krieg geschickt werden.
Russland hatte bisher zweimal jährlich neue Soldaten einberufen. In diesem Frühjahr war mit 160.000 Rekruten ein Höchstwert erreicht worden. Künftig sollen die Musterungsstellen nach Plänen der Regierung ganzjährig arbeiten. Kritiker sehen darin ein klares Zeichen, dass der Kreml angesichts hoher Verluste an der Front seine Personalreserven stärker ausschöpfen will.
Ukraine-Krieg: Frontlage und Zahlen (Stand 29./30. September 2025)
Ukraine bei Dobropillja: Rückeroberung von 174 km², zusätzliche Säuberung von 194 km² (seit Beginn der Gegenoffensive am 18.09.2025)
Ukraine-Krieg: Selenskyj nimmt Rüstungsindustrie in den Fokus
Selenskyj nutzte seine Ansprache auch, um über den Ausbau der ukrainischen Rüstungsproduktion zu informieren. Ziel sei es, die heimischen Kapazitäten bei Drohnen und Raketen besser zu nutzen und gleichzeitig Exportmöglichkeiten zu erschließen. Erste Abkommen seien mit den USA, Europa, dem Nahen Osten und afrikanischen Staaten vereinbart worden.
Er hob zudem einen spektakulären Erfolg hervor: Ein FPV-Drohnenbataillon (First Person View) habe kürzlich einen russischen Militärhubschrauber vom Typ Mi-8 abgeschossen. „Dieser Erfolg hat viele Ukrainer inspiriert“, so der Präsident. Beobachter sehen darin nicht nur einen militärischen, sondern auch einen symbolischen Sieg, da die ukrainische Armee zeigt, dass sie trotz des Kräfteunterschieds punktuell empfindliche Schläge setzen kann. (Quellen: n-tv.de, president.gov.ua, Kyiv Independent, RBC Ukraine) (chnnn)