Ergebnisse einer ersten Umfrage

Mehrheit der Deutschen befürwortet Söders Genderverbot in Bayern

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Eine Umfrage zeigt: Die Mehrheit der Deutschen steht hinter den Plänen Markus Söders. Doch es gibt Gegenwind für die Pläne in Bayern.

München – Bayerns Ministerpräsident Markus Söder will das Gendern in Behörden und Schulen künftig untersagen. Die Mehrheit der Deutschen hält das Vorhaben für angemessen, wie aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für die Augsburger Allgemeine Zeitung hervorgeht. Laut dieser halten es insgesamt 74 Prozent der Befragten für richtig, das Gendern in Behörden und Schulen zu verbieten.

20 Prozent der Befragten sprechen sich gegen das geplante Genderverbot des bayerischen Ministerpräsidenten aus. Sechs Prozent gaben an, unentschlossen zu sein. Im Freistaat Bayern ist das Stimmungsbild der Befragten kaum anders: Dort halten insgesamt 75 Prozent der Befragten ein Gender-Verbot in Schulen und Behörden für angemessen, 20 Prozent sprechen sich gegen Söders Pläne aus.

Das geplante Genderverbot in Bayern erntet vielerlei Zustimmung

In einer Regierungserklärung im bayerischen Landtagsplenum hatte Söder am vergangenen Dienstag (05.12.) angekündigt, das Gendern in Bayerns Behörden und Klassenzimmern künftig untersagen zu wollen. Laut Angaben des Bayerischen Rundfunks (BR) sorgte Söders Ankündigung für begeisterten Beifall aus den Reihen der CSU, der Freien Wählern sowie der AfD.

Markus Söder bei Pressekonferenz der CSU Landesleitung in München

Nähere Angaben dazu, wie das Genderverbot umgesetzt werden soll, machte Söder in seiner Rede zunächst nicht. Staatskanzleichef Florian Herrmann (CSU) betonte gegenüber dem BR wenig später, gerade an Schulen und in der Verwaltung sei es wichtig, eine verständliche Sprache zu pflegen – und das Erlernen nicht das der deutschen Sprache nicht „unnötig zu erschweren“.

Mit Söders Vorhaben zum Genderverbot halte sich die bayerische Regierung „konsequent an die klare Empfehlung des Rates für deutsche Rechtschreibung“, hieß es weiter. In anderen Bundesländern besteht ein Genderverbot in Schulen und Behörden bereits – dazu gehören etwa der Freistaat Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein.

Besonders Ältere befürworten Söders Vorhaben zum Genderverbot

Unterstützung erfährt das von Söder geplante Genderverbot vor allem seitens der älteren Bevölkerungsschicht. Während 64 Prozent der 18- bis 29-jährigen Befragten die geschlechtergerechte Sprache ablehnen, sind es bei den über 65-Jährigen insgesamt 80 Prozent.

Betrachtet man die politischen Lager, so wird Söders Vorhaben vor allem von Anhängern der FDP, CSU und AfD befürwortet. Deutlich dagegen sprechen sich allerdings die Mehrheitlich die Wähler der Linken und der Grünen aus. Unterschiede der Befragten hinsichtlich ihres Geschlechts gibt es laut der Umfrage allerdings nur kaum.

Bildungsverbände lehnen Söders geplantes Genderverbot ab

Auf deutliche Ablehnung stößt Söders Vorhaben zum Genderverbot dagegen bei Bildungsverbänden. „Ein hartes Verbot neuer Schreibweisen halte ich (...) nicht für notwendig und zielführend“, sagte etwa der Vorsitzende des Philologenverbandes (bpv), Michael Schwägerl, am Mittwoch (06.12.) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in München. Hierdurch bestünde eher die Gefahr einer weiteren Spaltung und Polarisierung innerhalb der Schulgemeinschaft.

Und auch der Vorsitzende des Realschullehrerverbandes (brlv), Ulrich Babl, befürwortet Söders Vorstoß nicht: „An den bayerischen Realschulen ist Gendern kein nennenswertes Thema, eine Genderpflicht lehnen wir jedoch klar ab“, betonte er gegenüber der dpa.

Bayerns Ministerpräsidenten seit 1945

Bundeskanzler Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) und Fritz Schäffer (r, CSU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn.
28. Mai 1945 – 28. September 1945: Fritz Schäffer (r, CSU) mit Konrad Adenauer (mit Zylinder, CDU), Bundesratspräsident Karl Arnold (l, CDU) bei der feierlichen Eröffnungssitzung des Deutschen Bundestages am 07.09.1949 in Bonn. © dpa
28. September 1945 – 21. Dezember 1946: Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA.
28. September 1945 – 21. Dezember 1946 (erste Amtszeit): Wilhelm Hoegner (SPD), ernannt durch die USA. © IMAGO/Rolf Poss
21. Dezember 1946 –
 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde.
21. Dezember 1946 – 14. Dezember 1954: Hans Ehard (CSU) mit Ehefrau Sieglinde. © IMAGO
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück.
14. Dezember 1954 – 16. Oktober 1957 (zweite Amtszeit): Wilhelm Hoenger (SPD) trat nach Verlust der Mehrheit im Landtag zurück. © IMAGO
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen.
16. Oktober 1957 – 26. Januar 1960: Hanns Seidel (CSU) überreicht General Lauris Norstad den Bayerischen Lowen. © IMAGO
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU).
26. Januar 1960 – 11. Dezember 1962 (zweite Amtszeit): Hans Erhard (CSU). © IMAGO
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU).
11. Dezember 1962 – 7. November 1978: Ministerpräsident Alfons Goppel, der aus Altersgründen zurücktrat, und Parteivorsitzender Franz Josef Strauß (beide CSU). © IMAGO
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl.
7. November 1978 – 3. Oktober 1988: Franz Josef Strauß (CSU) mit Münchens ehemaligem Oberbürgermeister Erich Kiesl. © Heinz Gebhardt/IMAGO
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück.
3. Oktober 1988 – 19. Oktober 1988: Max Streibl (CSU) führte das Amt erst kommissarisch und trat dann in seiner offiziellen Amtszeit (19. Oktober 1988 – 28. Mai 1993) wegen der „Amigo-Affäre“ zurück. © IMAGO
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück.
28. Mai 1993 – 9. Oktober 2007: Edmund Stoiber (CSU) trat nach einem innerparteilichen Machtkampf zurück. © IMAGO/Astrid Schmidhuber
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste.
9. Oktober 2007 – 27. Oktober 2008: Günther Beckstein (CSU) schied aus dem Amt, als die CSU bei der Landtagswahl 2008 einen deutlichen Stimmenverlust hinnehmen musste. © IMAGO
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand.
27. Oktober 2008 – 13. März 2018: Horst Seehofer (CSU) gab das Amt ab, als die Ernennung zum Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat anstand. © Sammy Minkoff/IMAGO
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch.
13. März 2018 – 16. März 2018: Ilse Aigner (CSU) übernahm das Amt der Ministerpräsidentin kommissarisch. © Charles Yunck/IMAGO
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender.
Seit 16. März 2018: Markus Söder (CSU) ist Ministerpräsident von Bayern und CSU Vorsitzender. © IMAGO

Positiver reagierte man seitens des Bayerischen Beamtenbunds (BBB) auf Söders Pläne. So erklärte der BBB-Vorsitzende Rainer Nachtigall gegenüber der Augsburger Allgemeinen: „Nach unseren Erfahrungen ist der bayerische öffentliche Dienst ohnehin diskriminierungsfrei – ob mit oder ohne Gendern! Ich bin mir allerdings sicher, dass zahlreiche Vorschriften, die häufig ohnehin kompliziert genug sind, durch den Verzicht auf gegenderte Sprache an Verständlichkeit gewinnen werden.“

Rubriklistenbild: © IMAGO/Revierfoto

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