Stopp der Afghanistan-Flüge

Gericht entscheidet gegen Merz-Kabinett: Afghanische Familie überwindet Programmstopp

Ein Gericht zwingt die Regierung zur Visa-Vergabe für eine afghanische Familie. 2.400 weitere Schicksale hängen in der Schwebe. Wie geht es weiter?

Berlin – Die Bundesregierung muss einer afghanischen Familie nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts Berlin Visa für Deutschland ausstellen. Das Gericht gab dem Eilantrag der Afghanin und ihrer 13 Familienangehörigen statt, die derzeit in Pakistan festsitzen. „Die Bundesregierung hat sich durch bestandskräftige, nicht widerrufene Aufnahmebescheide rechtlich zur Aufnahme gebunden“, begründeten die Richter ihre Entscheidung. Deutschland könne sich von dieser freiwillig eingegangenen Verpflichtung nicht einfach lösen.

Gericht zwingt Merz-Kabinett: Afghanische Familie muss trotz Programmstopp einreisen dürfen

Der Fall betrifft das Bundesaufnahmeprogramm für besonders gefährdete Afghanen, das die neue Regierung aus Union und SPD Anfang Mai gestoppt hatte. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes warten rund 2.400 Menschen in Pakistan auf ihre Visa für Deutschland. Die nun erfolgreiche Familie hatte glaubhaft dargelegt, dass ihr bei einer Abschiebung nach Afghanistan unter der Taliban-Herrschaft Lebensgefahr droht.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Das Auswärtige Amt ist nach dem Gerichtsbeschluss zu sofortigem Handeln verpflichtet. Allerdings könnte die Behörde noch Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg einlegen, was zu weiteren Verzögerungen führen würde. Die Richter stellten in ihrem Beschluss klar, dass die Bundesregierung grundsätzlich frei entscheiden könne, ob sie das Aufnahmeverfahren beenden oder unter welchen Voraussetzungen sie es fortsetzen wolle. Im konkreten Fall seien die Aufnahmezusagen jedoch bestandskräftig geworden.

Organisation „Kabul Luftbrücke“ klagt gegen Merz-Regierung: Aufnahmestopp von Afghanen wird geprüft

Die Organisation „Kabul Luftbrücke“ hatte im Juni bereits 26 ähnliche Verfahren eingereicht. Insgesamt liegen dem Verwaltungsgericht nach eigenen Angaben etwa 40 Fälle als Eilanträge und Klagen zu dieser Thematik vor. „Die Betroffenen haben ihre Heimat verlassen, im Vertrauen auf deutsche Versprechen“, erklärte Sprecherin Eva Beyer damals. Die Verfahren müssen von unterschiedlichen Kammern bearbeitet werden, und es bleibt offen, ob andere Richter die gleiche Auffassung vertreten werden wie die Achte Kammer in diesem Fall.

Die Betroffenen haben ihre Heimat verlassen, im Vertrauen auf deutsche Versprechen.

Eva Beyer – Sprecherin Organisation „Kabul Luftbrücke“

Zu den Betroffenen des Aufnahmeprogramms zählen nach Behördenangaben Menschen, die sich für Gleichberechtigung und Demokratie eingesetzt haben, sowie Richter, Journalistinnen und Künstler. Die verschiedenen Aufnahmeverfahren wurden nach der Machtübernahme der Taliban im August 2021 eingerichtet. (dpa)

Koalition will Aufnahmeprogramme beenden: Bundesregierung muss Umsetzung des Vorhabens prüfen

Die neue Bundesregierung aus Union und SPD hatte in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, freiwillige Aufnahmeprogramme „soweit wie möglich“ zu beenden. Einem Sprecher des Innenministeriums zufolge prüft die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) derzeit, „wie dieses Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag für die Aufnahmeverfahren von Personen aus Afghanistan umgesetzt werden kann“. Bis zum Abschluss dieser Prüfung seien Einreisen weiterhin ausgesetzt. Eine Prognose zur Dauer der Prüfung konnte der Sprecher nicht nennen.

Symbolischen Protestaktion von Kabul Luftbrücke und Campact zur Unterstützung von Klagen von Afghanen. (Archivbild)

Fakt ist: Die rechtliche Bewertung der Aufnahmezusagen ist komplexer als zunächst angenommen. Manche Experten vertreten die Auffassung, dass es anders als allgemein angenommen eine solche endgültige Zusage noch gar nicht gab. Denn diese könne erst erteilt werden, wenn zum Beispiel auch die Sicherheitsbefragung abgeschlossen ist. Das ist aber bei vielen in Pakistan wartenden Afghanen noch nicht geschehen.

Zudem hätten manche die Überprüfung zwar erfolgreich abgeschlossen – aber unter Vorspielen falscher Tatsachen. Immer wieder gab es Berichte über Afghanen, die zum Beispiel mit falschen Pässen nach Deutschland kommen wollten. In all diesen Fällen müsse die Bundesrepublik keine Klage fürchten, wenn sie das Aufnahmeprogramm sofort und vollständig beenden würde, so die Auffassung. Darauf verweisen mehrere Politiker der schwarz-roten Koalition gegenüber Focus Online. (dpa).

Rubriklistenbild: © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Kommentare