Ukraine-Krieg

„Geschäft mit dem Teufel“: USA bitten Ukraine um Verhandlungsoffenheit mit Putin

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Selenskyj soll gegenüber Putin Verhandlungsbereitschaft zeigen. Die Länder leiden an „Ukraine-Müdigkeit“ aufgrund des Krieges.
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US-Diplomaten bitten Ukraine-Präsident Selenskyj um Verhandlungsbereitschaft mit Russland. Die Unterstützung internationaler Partner könnte andernfalls schwinden.

Kiew/Washington D.C. – US-Diplomaten hoffen, dass der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sich auf Friedensgespräche mit Russlands Präsident Wladimir Putin einlassen wird. Ziel sei allerdings nicht, die Ukraine an den Verhandlungstisch mit Russland zu zwingen. Die USA räumen ein, dass Wladimir Putin derzeit wohl nicht ernsthaft interessiert an Verhandlungen sei – doch ein Dialog mit Putin sei trotzdem erforderlich. Selenskyjs bisherige Weigerung, mit Putin ins Gespräch zu treten, sei besorgniserregend für Länder in Europa, Lateinamerika und Afrika.

Dort wirkt sich der Ukraine-Krieg stark auf die Lebenshaltungskosten aus. Die Länder sind „Ukraine-müde“, sagte ein mit der Sache vertrauter US-Beamter der Washington Post. Zeitgleich wächst die Angst vor einem Atomangriff auf die Ukraine.

Ukraine Krieg: USA bittet Kiew um Verhandlungsoffenheit mit Russland – „Geschäft mit dem Teufel“

In den vergangenen Wochen hat Russland im Ukraine-Krieg Rückschläge hinnehmen müssen – nicht nur zuletzt durch die Partisanen, die die russische Invasoren in Bedrängnis setzen. Beim Angriffs ukrainischer Seedrohnen gegen die russische Schwarzmeerflotte, wurden laut Angaben drei russische Kriegsschiffe, darunter das neue Flaggschiff „Admiral Makarow“ getroffen. Selenskyj will nun weitere Waffen dieser Art kaufen und durch ein Crowdfunding eine Seedrohnen-Flotte errichten. Derweil wollen junge Ukrainer selbst Drohnen-Angriffe auf Russland ausüben, die explosive Botschaften enthalten.

Die ukrainische Führung hatte zuletzt bekräftigt, man wolle das ganze Land zurückerobern. Gewinne Russland, würde eine Reihe an Chaos ausbrechen, sagte der ukrainische Präsidentenberater Mykhailo Podolyak laut der Washington Post schon am Freitag, 4. November 2022.. Er warnte vor verheerenden Auswirkungen wie Tyrannei, Kriege und einem nuklearen Wettrennen. „Jegliche Zugeständnisse an Putin heute – ein Geschäft mit dem Teufel. Sein Preis wird Ihnen nicht gefallen“, sagte Podolyak laut der Washington Post.

Präsident Selenskyj schließt Verhandlung mit Putin aus – US-Diplomaten haben trotzdem Hoffnung

Im September 2022 hatte Selenskyj eine Verhandlung mit dem Präsidenten Russlands ausgeschlossen und warf Putin vor, er würde das Ende des Ukraine-Kriegs verzögern. In einer Videobotschaft sagte Selenskyj, es sei „unmöglich“, mit Putin zu verhandeln. Verhandlungen mit Russland seien vielmehr nur mit einem „neuen Präsidenten“ möglich. Trotz Selenskyjs damaliger Aussage glauben die Diplomaten der Joe Biden-Regierung in den USA laut der Washington Post, dass sich der ukrainische Präsident zu Verhandlungen bereit erklären wird, wie er dies zu Beginn des Kriegs einst getan hatte.

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Bitte um Verhandlung stößt auf Skepsis: Ukrainisches Präsidialamt spricht sich gegen Verhandlung mit Putin aus

Die Bitte der US-Diplomaten, Verhandlungsoffenheit gegenüber Putin zu zeigen, stößt in der Ukraine allerdings auf große Skepsis. Der Leiter des Präsidialamts der Ukraine warnte bereits im Vorfeld, sich auf Verhandlungen mit Russland einzulassen. Hinter der Verhandlungsbereitschaft könnte eine Strategie Russlands stecken. „Bitte lasst euch nicht täuschen: Ein Angreifer wird sich nicht für Frieden einsetzen“, schrieb Andriy Yermak kürzlich in einem Kommentar, der in der Washington Post erschien.

Putin selbst hatte immer wieder die Bedeutung von Souveränität und Unabhängigkeit für die Ukraine abgemildert. Jüngst behauptete er, dass Russland „der einzige wirkliche und ernsthafte Garant für die Staatlichkeit, Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine“ sein könne. Russen und Ukrainer gehören laut Wladimir Putin dementsprechend zu ein und demselben Volk

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