VonFelix Busjaegerschließen
Ein mögliches Ende des Ukraine-Kriegs liegt noch in weiter Ferne. Präsident Selenskyj sieht in Putins Vorgehen eine Strategie, um die Niederlage zu verzögern.
Kiew – Ein Ende des Ukraine-Kriegs ist noch lange nicht in Sicht. Nachdem Russlands Präsident Wladimir Putin in der vergangenen Woche die Teilmobilmachung ausgerufen und Scheinreferenden in den russisch besetzen Zonen in der Ukraine angeordnet hatte, scheint es gar so, als wäre der Kremlchef daran interessiert, den Krieg in der Ukraine möglichst lange fortsetzen zu wollen. Diese Ansicht vertritt auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der am Montagabend in seiner täglichen Videobotschaft sagte, dass es Putin derzeit nur noch darum gehen würde, die eigene Niederlage herauszuzögern.
Ende des Ukraine-Kriegs: Selenskyj kritisiert Putins Strategie der Verzögerung
„Sie haben gefühlt, dass sie verlieren werden. Und sie versuchen einfach, diesen Moment hinauszuzögern, um zumindest etwas Aktivität an der Front zu haben“, teilte Selenskyj mit. In der Nacht zuvor hatte er bereits erklärt, dass er Verhandlungen und damit die Möglichkeit eines friedlichen Endes des Ukraine-Kriegs ausschließen würde, wenn die besetzen Regionen der Ukraine durch die Scheinreferenden in die Russische Föderation eingegliedert werden könnten. Zudem wird befürchtet, dass Putin die Annexion im Ukraine-Krieg nutzen könnte, um Atomwaffen in der Ukraine zu positionieren.
Mutmaßlich um Verluste bei den eigenen Streitkräften auszugleichen, hat Wladimir Putin mit der Teilmobilmachung in Russland etwa 300.000 Reservisten zum Kriegsdienst befohlen. Die Anordnung aus dem Kreml sorgte knapp sieben Monate nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs in vielen Teilen Russlands für Entsetzen. Landesweit gibt es Proteste. Mehrfach gab es auch schon Angriffe auf Einberufungszentren.
Ukraine-Krieg: Ende des Kriegs in der Ukraine könnte noch in weiter Ferne sein
Wann der Ukraine-Krieg enden könnte, ist derweil völlig ungewiss. Ob schlussendlich Wladimir Putin eine Niederlage eingestehen muss, können Experten aktuell nicht einschätzen. Dennoch verdichten sich seit Wochen die Anzeichen dafür, dass der russische Präsident innenpolitisch wegen des Ukraine-Kriegs immer weiter unter Druck gerät. Neue Dynamik unbekannten Ausmaßes brachte zuletzt „Putins Koch“ Jewgeni Prigoschin in das Geschehen. Der enge Vertraute von Wladimir Putin bekannte sich am Montag, dem 26. September, zur Gründung der russischen Söldnertruppe Wagner.
Während Selenskyj in Putins Vorgehen eine Taktik sieht, die das Ende des Kriegs in der Ukraine herauszögern könnte, findet am Dienstag, dem 27. September, in den von Russland besetzen Gebieten der Ukraine der letzte Tag der Scheinreferenden über einen Beitritt zu Russland statt. Ein ähnliches Vorgehen wählte der Kreml bereits 2014 bei der Annexion der Krim. Die jetzige Abstimmung von Wladimir Putin wird von der Ukraine und dem Westen als ein Bruch des Völkerrechts gewertet. Es wird erwartet, dass die Gebiete annektiert und womöglich schon am Freitag von Putin zu russischem Staatsgebiet erklärt werden. Das könnte das Ende des Ukraine-Kriegs weiter hinauszögern.
