Merz und Söder beerdigen Bürgergeld: „Vergangenheit“ und „Geschichte“
VonFranziska Schwarz
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Der Kanzler und Bayerns Ministerpräsident stellen klar: Die „Grundsicherung“ löst das Bürgergeld ab, und zwar nicht nur als Begriff.
Berlin – „Es wird eine wirklich gute neue Grundsicherung geben und das Thema Bürgergeld wird damit der Vergangenheit angehören“, so Kanzler Friedrich Merz nach dem Koalitionsausschuss. Knapper umriss CSU-Chef Markus Söder den gemeinsamen Beschluss von Schwarz-Rot: „Das Bürgergeld ist jetzt Geschichte.“
Nach Verhandlungen bis tief in die Nacht haben Union und SPD an diesem Donnerstag (9. Oktober) ihre Einigung bei Streitthemen bekanntgegeben. Eine Zentrale davon: Das Bürgergeld wird verschärft. Es soll eine Umstellung auf die sogenannte neue Grundsicherung vorsehen. Man werde Leistungsmissbrauch besser bekämpfen, meinte CDU-Chef Merz.
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Der Koalitionsausschuss hatte bis tief in die Nacht getagt; die Beratungen hatten gut acht Stunden gedauert. Besonders aus Sicht von CDU/CSU soll mit den Gesetzesbeschlüssen die Handlungsfähigkeit von Schwarz-Rot bewiesen werden. Schlechte Umfragewerte setzen die Koalition unter Druck.
In ihrem Koalitionsvertrag hatten Union und SPD festgehalten, dass das bisherige Bürgergeldsystem „zu einer neuen Grundsicherung für Arbeitssuchende“ umgestaltet werden solle. Die rund 5,5 Millionen Bürgergeld-Beziehenden müssen sich jetzt auf strengere Auflagen einstellen. Konkret soll etwa mit härteren Sanktionen belegt werden, wer eine Arbeitsaufnahme verweigert. Die Leistungen sollen nach dem dritten versäumten Termin im Jobcenter vollständig gestrichen werden; beim zweiten versäumten Termin soll es eine sofortige Kürzung von 30 Prozent geben.
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Arbeitsministerin Bas: Pläne für Bürgergeld verfassungsgemäß
Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) äußerte die Erwartung, dass die Leistungsstreichung bei Totalverweigerern verfassungsgemäß ist. Sie begründete dies mit der geplanten gesetzlichen Umsetzung. Im Sozialgesetzbuch (SGB) 1 sei geregelt, dass jeder, der eine staatliche Leistung wolle, mitwirken müsse.
Neue Bürgergeld-Sanktionen werden nicht viel Geld bringen
Gleichzeitig warnte Bas hat vor zu hohen Erwartungen an die Einsparungen. „Der Betrag wird sehr klein sein“, sagte sie. Alleine über Sanktionen und Mitwirkungspflichten der Bürgergeld-Bezieher sei nicht viel zu erreichen.
Union und SPD seien einig, dass dem Staat Geld nur gespart werden könne, wenn die bisherigen Bürgergeldempfänger eine Arbeit aufnehmen, sagte Bas weiter. Hier gelte als Faustformel, bei 100.000 arbeitenden bisherigen Bürgergeldempfängern werde eine Milliarde Euro eingespart. „Das ist unser gemeinsames Ziel, die Menschen in Arbeit zu bringen“, sagte Bas. (Quellen: AFP, dpa, bild.de) (frs)