AfD-Chefin Alice Weidel und Elon Musk treffen sich zu einem digitalen Gespräch. Es entsteht ein reger Austausch, der mehr als nur Wahlkampf ist. Doch was steckt wirklich dahinter?
AfD-Chefin und Spitzenkandidatin Alice Weidel war von Milliardär und Unternehmer Elon Musk zur digitalen Audienz geladen. Auf X (gehört Musk) gab es dann keinen klassischen Wahlkampf zu sehen, sondern ein reges Gespräch von zwei Personen, die dieselben Überzeugungen teilen. Alice Weidel wollte auf Augenhöhe mit Musk sein, stellte ihrerseits Fragen an Elon Musk, den visionärsten Unternehmer der Gegenwart, der die Menschheit zum Mars bringen will.
Live-Gespräch von Weidel und Musk: Tech-Milliardär als Steigbügelhalter für die Wahlkampf-Parolen der AfD
Aber erstmal ging es im X-Gespräch von Musk und Weidel um Politik: Alice solle doch mal das Programm ihrer Partei vorstellen, so begann Musk das Gespräch. Die Volkswirtin schoss los, wie unglaublich es gewesen sei, dass die Ampel-Regierung in der größten Energiekrise auch noch die letzten Atomkraftwerke vom Netz genommen hat und fragte Musk, ob er glaube, das sei Dummheit oder Bösartigkeit gewesen. Und er antwortet: „Ich hoffe, es war nur Ignoranz“: Musk als Steigbügelhalter für die Wahlkampf-Parolen der AfD.
Aber auch Kanzlerin Angela Merkel bekam ihr Fett weg: Sie habe das Land laut Weidel zerstört mit ihrer Politik der offenen Grenzen und dem Ausarten der Bürokratie. „Wissen Sie, wie lange man braucht, um in Deutschland eine Firmengenehmigung zu bekommen?“, fragt Weidel im X-Gespräch den Gründer von Tesla, SpaceX und StarLink. „Zufällig weiß ich das“, und beide lachten. Wieder schimmert durch, in dem Gespräch mit Musk kann Weidel ihre Punkte machen, ohne jede Art von Kritik oder Nachfrage fürchten zu müssen. Sie kann ungestört, ja sogar unterstützt, Wahlkampf machen und für ihre Partei werben.
Das sah man auch daran: Es wurde viel miteinander gelacht in diesem Gespräch. Musk habe 25.000 (25 tausend in Worten) Seiten ausdrucken müssen – digital sei das nicht gültig gewesen – und das in vielfacher Ausführung, um das Tesla-Werk in Brandenburg zu eröffnen. Und ein Mensch habe zudem noch jede dieser Seiten einzeln stempeln müssen, erzählt Musk. Wieder lachten die beiden wie auf dem Rang in der Muppet Show.
Gespräch von Musk mit Weidel: Statt kritischer Fragen sorgte Tech-Milliardär für Wohlfühlatmosphäre
Auch weitere Punkte ihres Wahlkampfs spulte Weidel im Live-Gespräch auf X ab und wurde dafür fleißig von Musk beklatscht. So sprachen beide vom herabgewirtschaftete Bildungssystem der Bundesrepublik, und den Ukraine-Krieg, den Präsident Trump schnell beenden soll – wie, das würde Trump dann entscheiden. Schließlich schien Musk dann doch eine kritische Frage zu stellen, die aber nur als Bühne zur Rechfertigung von Weidel dienen sollte. Die Amerikaner seien wegen der Berichterstattung in der New York Times besorgt: Ist die AfD wirklich eine Nazi-Partei? Und wie steht die AfD zum Existenzrecht Israels?
Weidel nahm den Ball im Live-Gespräch mit Musk dankbar auf, schwadroniert, die AfD sei die einzige Partei, die jüdisches Leben in Deutschland schütze. Ihre krude Begründung: Alle anderen hätten Millionen Muslime in dieses Land gelassen, die ihren Antisemitismus offen auf den Straßen auslebten – ohne Konsequenzen zu fürchten. Im Gegenzug dazu hätten Juden seit dem Angriff der Hamas auf Israel Angst, in Deutschland sich öffentlich als solche zu bekennen. Und selbstverständlich habe Deutschland eine besondere Verantwortung dafür, dass der Staat Israel in Sicherheit existiert. Das sagte die Parteichefin, in deren Partei Björn Höcke, der laut Verfassungsschutz gesichert rechtsextrem ist und Alexander Gauland, der über den Holocaust sagte, das sei ein „Vogelschiss in der Geschichte“.
Transparenzhinweis zum X-Gespräch zwischen Weidel und Musk
In diesem Text sind unter anderem die Aussagen aus dem Gespräch von AfD-Chefin Alice Weidel und Elon Musk dokumentiert. Bei der X-Veranstaltung handelte es sich nicht um ein Interview. Kritische Fragen gab es daher nicht. Vielmehr verfolgten Weidel und Musk ein gemeinsames Ziel und versuchten, die Darstellung der AfD in ein positives Licht zu rücken.
Alice Weidel fragte Elon Musk im Live-Gespräch: „Glauben Sie an Gott?“
Nach weiteren absurden Ausführungen darüber, dass Hitler ein Sozialist gewesen sei, der den Neid der Deutschen auf die Juden angestachelt habe und dazu als ersten Schritt die Presse- und Meinungsfreiheit eingeschränkt habe, nutzte Alice Weidel das Live-Gespräch, um Musk nach seiner Mars-Vision zu befragen.
Zum Ende des Live-Gesprächs auf X wurde es dann noch philosophisch: Etwas zögerlich stellte Weidel die Frage: „Glauben Sie an Gott?“ Musk wurde nachdenklich, er scheitere immer wieder an der Theodizee-Frage, aber suche weiter die Antworten – mithilfe der Philosophie eines Douglas Adams zum Beispiel („Per Anhalter durch die Galaxis“). „Was für ein schönes Schlusswort, damit könnten wir doch dieses wunderbare Gespräch beenden“, sagt Weidel, und bedankte sich bei ihm.
Nachdem Musk schon in den letzten Wochen offen Wahlempfehlungen für die AfD ausgesprochen hatte, war es keine Überraschung, dass Musk der AfD-Spitzenkandidatin so bereitwillig die Bühne bot, um ihren Wahlkampf abzuspulen. Für Weidel war es wohl eine ungewohnte Erfahrung in der Öffentlichkeit nicht mit berechtigten kritischen Fragen, sondern mit Wohlwollen überschüttet zu werden.
Das Gespräch wurde von Johanna Freymann aufgeschrieben.
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