VonErkan Pehlivanschließen
Zahlreiche Hinweise zeigen, dass Ukrainer Partisanenangriffe vom russischen Boden aus ausführen. Drohnen werden offenbar vom russischen Boden aus in russische Ziele gelenkt.
Kiew – Der Ukraine-Krieg findet auch hinter den Linien statt. Am 29. August etwa zerstörten ukrainische Drohnen zwei russische IL-76-Militärflugzeuge auf dem Luftwaffenstützpunkt Kresty in der russischen Oblast Pskow. Damit entstand Russland ein Schaden von rund 100 Millionen Dollar. Kresty, das sich an der Südgrenze Estlands befindet, beherbergt das 334. militärische Transportflugzeugregiment.
Die Zerstörung der IL-76 hat auch symbolischen Wert für die Ukraine. Aus den Transportmaschinen sprangen Ende Februar 2022 Fallschirmjäger über Kiew ab, die die ukrainische Regierung stürzen sollten. Damals glaubte der Kreml, Wolodymyr Selenskyjs Regierung innerhalb von 72 Stunden stürzen zu können.
Partisanen mit Drohnen in Russland unterwegs: Ziele 600 Kilometer von ukrainischer Grenze getroffen
Am 29 August wurde aber nicht nur der Luftwaffenstützpunkt Kresty angegriffen, sondern auch ein Treibstoffdepot in Kaluga und eine Mikroelektronikfabrik in Brjansk, in der Komponenten für russische Waffensysteme hergestellt werden. Eine Woche zuvor, am 22. August, setzten ukrainische Saboteure Quadcopter-Drohnen ein - waffenfähige Versionen von Bastelbausätzen -, um einen russischen Überschall-Atombomber vom Typ Tupolev Tu-22M3 auf dem Rollfeld des Luftwaffenstützpunkts Soltsy-2 südlich von St. Petersburg auszuschalten. Das Ziel liegt rund 600 km von der ukrainischen Grenze entfernt. Solche Angriffe schüren Spekulationen über Drohnenangriffe von russischem Boden aus. Dahinter könnte der ukrainische Militärgeheimdienst HUR stecken.
Der prominente russische Propagandist Wladimir Solowjow war von den erfolgreichen Drohnenangriffen überrascht und stellte im russischen Fernsehen die Frage, wie Russland „mit F-16 fertig werden“ könne, wenn es „nicht mit Drohnen fertig werden kann“. Schon mehrfach ist die russische Hauptstadt Moskau ebenfalls Ziel dieser kleinen und leichten Fluggeräte geworden.
Russland will Freiwillige bei Abwehr ukrainischer Drohnen einsetzen
Inzwischen muss sich Russland bei der Abwehr ukrainischer Drohnen auf eigenem Gebiet aus Personalmangel auf Freiwillige verlassen. Das ging aus dem täglichen Geheimdienstbericht des britischen Verteidigungsministeriums in London am Sonntag (10. September) hervor.
Demnach wollen die Russen mit dem Einsatz von Freiwilligen-Patrouillen weitere Angriffe auf den Flughafen Pskow verhindern. „Der Einsatz von Freiwilligen weist höchstwahrscheinlich auf einen Mangel an ausgebildetem Sicherheitspersonal innerhalb Russlands hin“, hieß es in der Mitteilung der Briten.
Sabotage? London geht von ukrainischen Soldaten auf russischem Gebiet aus
Auch nach britischer Einschätzung wurden ukrainische Drohnen angesichts ihrer geringen Reichweite mit großer Wahrscheinlichkeit von russischem Gebiet aus gesteuert. Das solle nun durch die Patrouillen unterbunden werden. Zum Abschuss der Drohnen seien aber weiterhin Luftabwehrsysteme notwendig: Es habe sich als schwierig erwiesen, die unbemannten Fluggeräte mit Handfeuerwaffen zu zerstören. (erpe/dpa)
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