Putin verletzt wieder NATO-Luftraum: Merz-Vertrauter warnt vor „gezielter Kriegsvorbereitung“
VonPatrick Mayer
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Wladimir Putin narrt die Verteidigungsallianz: Erneut dringen russische Militär-Flugzeuge in NATO-Luftraum ein. Ein deutscher Politiker schlägt bei Merkur.de von IPPEN.MEDIA Alarm.
Kybartai – Schon wieder. Russland hat unter Kreml-Autokrat Wladimir Putin den Luftraum der NATO verletzt. Erneut im Baltikum, diesmal nicht über Estland, sondern über Litauen. Die litauische Luftwaffe meldete am Donnerstagabend (23. Oktober) eine Verletzung der Staatsgrenze bei Kybartai. Ein russischer SU-30-Kampfjet und ein Tankflugzeug vom Typ IL-78 drangen demnach unerlaubt in den Luftraum des kleinen baltischen Staates ein, in dem rund 2,9 Millionen Menschen leben.
Der Nachrichtenagentur Reuters zufolgestiegen als Reaktion spanische Eurofighter auf und patrouillierten in dem Gebiet. Die Kleinstadt Kybartai liegt im Südwesten Litauens an der Grenze zur russischen Ostsee-Exklave Kaliningrad. Spanien hat im Rahmen des „Air Policing“ der NATO auf dem litauischen Militärflugplatz Šiauliai acht Eurofighter-Kampfjets stationiert, hinzukommen für die Luftraumüberwachung im Baltikum vier ungarische Kampfjets des Typs JAS 39 Gripen.
Russland verletzt Luftraum über dem Baltikum: Auch deutsche Bundeswehr ist betroffen
Nach Angaben aus Vilnius verletzten die beiden russischen Flugzeuge den Luftraum für 18 Sekunden. Im Umfeld von Ukraine-Krieg und internationaler Spannungen gibt es im Baltikum erhebliche Bedenken wegen des russischen Nachbarn und Putins Imperialismus. Vom Luftwaffen-Stützpunkt Rostock-Laage aus ist auch die deutsche Bundeswehr Teil der Luftraum-Überwachung über der Ostsee und über Polen, das an Litauen und an Kaliningrad grenzt.
Ein bekannter deutscher Außen- und Verteidigungspolitiker spricht mit Blick auf die Luftraum-Verletzungen über Rumänien, Polen, Estland und Litauen nun von einer „gezielten Kriegsvorbereitung“ Moskaus. Russland verfolge konkrete Ziele, erklärte der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter auf Anfrage von Merkur.de von IPPEN.MEDIA: „Russland will die NATO spalten und ihre Glaubwürdigkeit untergraben. Es geht zudem um Aufklärung der Verteidigungsfähigkeiten, Stellungen und Verhaltensmuster.“
Merz-Vertrauter Kiesewetter wirft Putin „Kriegsvorbereitung Russlands“ vor
Kiesewetter meinte weiter: „Das ist damit Teil des ‚Shaping the battlefield‘ und der Lagebild-Gewinnung. Deshalb sind das keine einfachen Luftraumverletzungen, sondern Teil gezielter Kriegsvorbereitung Russlands.“ Der Schwabe arbeitet im Auswärtigen Ausschuss des Deutschen Bundestages eng mit der schwarz-roten Bundesregierung zusammen. Das Englische „shaping the battlefield“ bedeutet ins Deutsche übersetzt: „Das Schlachtfeld gestalten.“
Worauf Kiesewetter hinweist: Nach Ansicht etlicher Politiker und Militär-Experten will Russland durch die Luftraum-Verletzungen wichtige militärische Daten sammeln und Erkenntnisse gewinnen. Konkret: Wo steht die Luftabwehr der NATO? Wie lange benötigt das „Air Policing“, um die Kampfjets in der Luft zu haben? Welche NATO-Institutionen sind beteiligt? Diese These stärken die eingesetzten russischen Kampfjets.
Baltic Air Policing
Beim Baltic Air Policing handelt es sich um eine defensive Luftverteidigungsmission der NATO zur Überwachung des Luftraums über den drei baltischen Ländern Estland, Lettland und Litauen. Die Militärallianz nimmt die Wahrung der Luftraumintegrität kollektiv wahr, Kampfflugzeuge verschiedener Länder werden gemeinsam zur Luftraumüberwachung eingesetzt.
Die eingesetzte Suchoi Su-30 ist neben den drei MiG-31-Kampfjets über Estland ein Beispiel. Das Special-Interest-Portal Army Recognition schreibt von integrierten Radarwarnsystemen und fortschrittlicher elektronischer Aufklärungsausrüstung in der SU-30. Vereinfacht: Wenn die Funkwellen eines Flugabwehr-Radars den Kampfjet erreichen, können diese Funkwellen zurückverfolgt und somit die Position einer Luftverteidigungsbatterie bestimmt werden.
Unter Wladimir Putin: Russland will im Baltikum offenbar die NATO ausspionieren
So können die Streitkräfte des Moskau-Regimes schachbrettartig ein Muster erstellen, wo die NATO zwischen Nordost-Deutschland, Polen, Ostseeraum und Baltikum ihre Flugabwehr aufgestellt hat und von welchen Militärflugplätzen sie mit Kampfjets reagiert. Und wo Reserven an Kampfflugzeugen zurückgehalten werden.
Nach den russischen Luftraum-Verletzungen über Estland und Polen Mitte September erklärte ein nicht namentlich genannter Fachmann aus der Rüstungsindustrie der Wirtschaftswoche (WiWo): „Das Ganze hat nicht nur eine politische, sondern definitiv auch eine technische Dimension.“ In einer Analyse war von einer Art Lauschangriff unter kriegsähnlichen Bedingungen die Rede. Und davon, dass die Russen so an brisante militärische Informationen kommen. (Quellen: Anfrage an Roderich Kiesewetter, Reuters, Army Recognition, WiWo) (pm)