Migrationsdebatte

Grenzkontrollen: Dobrindt und Seehofer pro – Merkel contra Merz-Regierung

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Die ehemalige Bundeskanzlerin Merkel und ihr früherer Innenminister Seehofer positionieren sich in der aktuellen Debatte über Kontrollen an deutschen Außengrenzen.

Berlin – Die neue schwarz-rote Koalition setzt im Kampf gegen illegale Migration neben anderen Maßnahmen auch auf verstärkte Grenzkontrollen. Doch die Kontrollen der deutschen Außengrenzen sind politisch umstritten. Nun hat sich die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel in die Debatte eingeschaltet und sich klar gegen die Maßnahmen der neuen Bundesregierung ausgesprochen.

„Ich glaube nicht, dass wir die illegale Migration an der deutsch-österreichischen oder deutsch-polnischen Grenze abschließend bekämpfen können“, sagte Merkel auf einer Veranstaltung der Tageszeitung Südwest Presse in Neu-Ulm. „Ich habe mich immer für europäische Lösungen eingesetzt“, erklärte Merkel und riet zu einem verstärkten Fokus auf den Schutz der EU-Außengrenzen. Alleingänge einzelner Staaten könnten Europa die Freizügigkeit und Schengen kosten, warnte sie. Sonst könnten wir erleben, „dass uns Europa kaputt gemacht wird“.

Debatte um Grenzkontrollen: Merkel attackiert Bundesregierung, Seehofer verteidigt Maßnahmen

Der ehemalige Bundesinnenminister Horst Seehofer hingegen kritisierte in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit dem Bayerischen Rundfunk die ehemalige Kanzlerin. Merkel machte er darin für das Erstarken der AfD verantwortlich. Vor allem ihr Migrationskurs sei schuld: „Auch wenn sie es heute noch nicht so sieht wie ich, das war ein großer Fehler“, sagte Seehofer.

Waren sich politisch nicht immer einig: die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (links) und ihr damaliger Innenminister Horst Seehofer (rechts). (Archivbild).

Und weiter: „Seit der fatalen Fehlentscheidung von Angela Merkel 2015, die Grenzen aufzumachen oder durchlässig zu machen, haben wir das Aufwachsen der AfD. Sie sind dann in alle Parlamente eingezogen.“ Merkel selbst wies in der Vergangenheit die Anschuldigung, sie sei für die Verdoppelung der Wählerstimmen der AfD verantwortlich zu machen, von sich. Seehofer nannte diese Haltung im BR „bissel schräg“.

Verstärkte Grenzkontrollen: Seehofer greift Merkel an – und hofft auf Dobrindt und Merz

Das Problem sei vor allem die Haltung von Merkel gewesen, die Zurückweisungen an der Grenze von Asylbewerbern nicht wollte. „Das war damals ihre Meinung und die vertritt sie ja heute noch. Da können Sie Innenminister sein, so lange Sie wollen: Wenn der Kanzler diese Grundlage nicht mitträgt, können Sie nichts machen“, sagte Seehofer weiter. Während Merkels letzter Amtsperiode war Seehofer von 2018 bis 2021 ihr Bundesinnenminister.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Bei Neu-Bundeskanzler Friedrich Merz und dessen Innenminister Alexander Dobrindt sei dies nun aber „machbar“. Er habe große Hoffnung „im Herzen, dass die neue Regierung unter Friedrich Merz eine gute Politik macht, von der Wirtschaftspolitik bis zur Sozialpolitik, die dazu führt, dass die Leute sagen: ‚Wir haben Vertrauen zu denen, die AfD brauchen wir nicht mehr.‘“, führte Seehofer aus.

Migrationsdebatte: Seehofer lobt Dobrindt und Merz für neue Maßnahmen

Die von Dobrindt eingeführten und durch Merz und der SPD mitgetragenen Grenzkontrollen nennt Seehofer „eine Überbrückungsmaßnahme, bis die Außengrenzen in der Europäischen Union kontrolliert werden und dort entschieden wird, wer einreisen darf.“

Dobrindt selbst verteidigte am Donnerstag die Grenzkontrollen. Auch im Norden an der Grenze zu Dänemark seien sie sinnvoll – obwohl dort keine wichtige Migrationsroute nach Deutschland liegt. Es sei bekannt, dass das Migrationsgeschehen von kriminellen Banden gesteuert werde, sagte Dobrindt auf eine entsprechende Frage eines Journalisten.

Debatte um Grenzkontrollen: Dobrindt verteidigt neue Maßnahmen an deutschen Außengrenzen

Wenn die Bundesregierung die Kontrollen nur an einzelnen Grenzabschnitten verstärke, würden diese Banden darauf reagieren und an anderer Stelle Menschen an die Grenzen bringen, sagte Dobrindt. Es gehe um das Signal: „Es gibt keinen einfachen Ausweichmechanismus an dieser Stelle.“

Der aktuelle Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (rechts) mit seinem Vorgänger Horst Seehofer (Archivbild).

Die stärkeren Kontrollen führen aus Sicht des dänischen Einwanderungs- und Integrationsministers Kaare Dybvad Bek nicht zu Problemen im Grenzverkehr. Viele Deutsche arbeiteten in Süddänemark und umgekehrt auch Dänen in Deutschland, sagte er nach einem Treffen mit Dobrindt in Berlin. Ihn hätten keine Bedenken wegen der neuen Maßnahmen erreicht. „Aus unserer Perspektive kann Deutschland auf diese Art die Migrationsströme kontrollieren.“

Der Sozialdemokrat Bek und Dobrindt betonten ihre Gemeinsamkeiten. Die dänischen Sozialdemokraten verfolgen seit Jahren eine strikte Migrationspolitik. Dies habe zu einer geringeren Polarisierung im Land geführt, lobte Dobrindt. Der neue Innenminister hatte wenige Stunden nach seinem Amtsantritt Anfang Mai eine Intensivierung der Grenzkontrollen verfügt. Gleichzeitig ordnete er an, dass auch Asylsuchende an der Grenze zurückgewiesen werden können. (fmü/dpa)

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