„Leisten kaum Hilfe“

Große Verluste im Ukraine-Krieg: Crowd Funding für Leichensäcke in russischer Stadt

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In die Heimat überführt: In diesem Sarg wird ein russischer Soldat von seinen Kameraden zu Grabe getragen.
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Russland hat im Ukraine-Krieg mutmaßlich Hunderttausende von Toten zu beklagen. Die Rückführung der Leichen scheint für die Familien schwierig und kostspielig zu sein.

Irkutsk – Wladimir Putin schickte schon unzählige Landsleute und andere Unterstützer in seinen Ukraine-Krieg. Manche von ihnen kommen nie mehr zurück. Nicht einmal ihre Leiche. Denn die Verluste Russlands im Zuge der Invasion sind offenbar einfach zu zahlreich.

Gerade in entlegenen Regionen, aus denen viele der Kämpfer stammen, scheinen sich Rückführungen schwierig zu gestalten. Darauf macht der Telegram-Kanal „Menschen vom Baikalsee“ aufmerksam, der nach eigenen Angaben unabhängig über die Geschehnisse in der tief in Sibirien gelegenen Region rund um den ältesten und tiefsten Süßwassersee der Erde berichtet.

Video: Russland dementiert Geheimverhandlungen um Waffenruhe im Ukraine-Krieg

Russlands Verluste im Ukraine-Krieg: Crowd Funding für Leichensäcke

Dort heißt es, in der Region Irkutsk würden Gelder gesammelt, um die Leichen von Militärangehörigen zurücktransportieren zu können. Dies wird demnach von einer Gruppe aus der Stadt Ust-Kut übernommen, die mit den Spenden eigentlich Trockenrationen, Ausrüstung und Waffen für die Soldaten an der Front ermöglichen will. Das Konto des örtlichen Fonds „Kontingent“ sei allerdings leer.

Zwar würde das russische Verteidigungsministerium die Leichen toter Soldaten kostenlos zu Flugplätzen transportieren, auf denen militärische Transportflugzeuge abgefertigt werden können. In diesem Fall handele es sich jedoch um den in Bratsk, der mehr als 300 Kilometer entfernt liege.

Vor ähnlichen Problemen stehe die Region Kirenskij. Denn auch dort finde sich keine geeignete Start- und Landebahn für Militärflugzeuge.

Die letzte Ruhestätte: Russland muss im Ukraine-Krieg viele Tote begraben, manche gehen als unbekannte Soldaten unter die Erde.

Crowd Funding für Leichensäcke in Russland: „Verteidigungsministerium leistet bei Bergung kaum Hilfe“

Nachdem die Rücksendungen getöteter Militärangehöriger zuvor von der Irkutsker Swesda-Stiftung bezahlt worden seien, müssten seit diesem Jahr die Kommunen einspringen. Mindestens 63 Tote seien in der Region Ust-Kut schon zu beklagen, davon alleine 41 in diesem Jahr. Somit sah sich der örtliche Fond dazu gezwungen, eine Crowd-Funding-Aktion für Leichensäcke zu starten.

Über das Thema berichtet auch der Twitter-Kanal ChrisO_wiki, hinter dem ein unabhängiger Militärhistoriker und -forscher steht. Der verweist auch auf die Frau eines Soldaten. Diese habe geschrieben, dass das Militär Geld für Leichensäcke verlange. Der Militärhistoriker schlussfolgert: „Es sieht danach aus, dass das russische Verteidigungsministerium bei der Bergung der Toten kaum Hilfe leistet.“

Nawalny verlängert die Liste der Opfer Putins – ein Überblick

Alexej Nawalny
Alexej Nawalny war über Jahre der markanteste Kopf der russischen Opposition. Schon früh prangerte der Rechtsanwalt das Machtlager von Präsident Wladimir Putin offen als „Partei der Gauner und Diebe“ an.  © Andrei Zhilin/afp
Wahlen 2012 in Russland: Nawalny protestiert gemeinsam mit Schach-Großmeister Garry Kasparow (l.) für faire Wahlen in Russland – am Ende gewann Wladimir Putin.
Wahlen 2012 in Russland: Nawalny protestiert gemeinsam mit Schach-Großmeister Garry Kasparow (l.) für faire Wahlen in Russland – am Ende gewann Wladimir Putin. © Anatoly Maltsev / dpa
Alexej Nawalny
2013 trat er als Bürgermeisterkandidat in Moskau an und erreichte mit 27 Prozent der Stimmen den zweiten Platz. Später organisierte er Massenproteste im ganzen Land, besonders aber in Moskau. 2018 wollte Nawalny selbst Präsident werden, doch die Justiz schob ihm einen Riegel vor. Wiederholt wurde er wegen Betrugs- und Diebstahlsvorwürfen vor Gericht gestellt und verurteilt. © Kirill Kudryavtsev/afp
Nawalny – damals bereits sozusagen der Superstar der Protestbewegung in Russland – mit seiner Ehefrau Julija, vor Gericht. Nach seinen Protesten kam er damals vorerst frei.
Nawalny – damals bereits sozusagen der Superstar der Protestbewegung in Russland – mit seiner Ehefrau Julija, vor Gericht. Nach seinen Protesten kam er damals vorerst frei. © Valentina Svistunova / dpa
Kreml-Kritiker Nawalny 2017 nach einer Farbattacke vor seinem Büro.
Kreml-Kritiker Nawalny 2017 nach einer Farbattacke vor seinem Büro. © Evgeny Feldman / dpa
Nawalny vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte im Jahr 2018. Dort war Russland zuvor wegen Festnahmen des Kreml-Kritikers verurteilt worden.
Nawalny vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte im Jahr 2018. Dort war Russland zuvor wegen Festnahmen des Kreml-Kritikers verurteilt worden. © Jean-Francois Badias / dpa
Ein großes Portrait von Alexej Nawalny mitten in St. Petersburg. Nach nur wenigen Minuten ließ man es wieder überstreichen.
Ein großes Portrait von Alexej Nawalny mitten in St. Petersburg. Nach nur wenigen Minuten ließ man es wieder überstreichen. © Alexander Demianchuk / Imago
Alexej Nawalny
Im August 2020 brach Nawalny bei einer Reise zusammen und fiel ins Koma. Grund war eine Vergiftung mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok, wie Untersuchungen an der Charité in Berlin bewiesen. © Instagram account @navalny/afp
Alexej Nawalny
Im Januar 2021 kehrte Nawalny nach Russland zurück, wo er erneut vor Gericht gestellt und unter anderem wegen angeblichem „Extremismus“ zu 19 Jahren Lagerhaft verurteilt wurde. Im Dezember 2023 folgte die Verlegung in ein Lager hinter dem Polarkreis. Am 16. Februar 2024 starb Nawalny nach Justizangaben in dem Straflager. Er sei nach einem Hofgang zusammengebrochen, teilte die Gefängnisverwaltung mit.  © Vera Savina/afp
Am 16. Februar 2024 kommt überraschend dann die Info aus Russland, Nawalny sei im Strafgefangenenlager gestorben
Am 16. Februar 2024 kommt überraschend dann die Info aus Russland, Nawalny sei im Strafgefangenenlager gestorben. Weltweit wird um den Kreml-Kritiker getrauert. © IMAGO/Vuk Valcic / ZUMA Wire
Jewgeni Prigoschin
Jewgeni Prigoschin war in Russland als skrupelloser Unternehmer mit krimineller Vergangenheit bekannt. Er und Putin kannten sich lange. Als der heutige Präsident noch in der St. Petersburger Stadtverwaltung arbeitete, soll er in Prigoschins Restaurant eingekehrt sein. Deshalb war Prigoschin, der mehrere Jahre wegen Raubs in Haft saß, auch als „Putins Koch“ bekannt. Niemand sonst in Russland traute sich solche Kritik wie Prigoschin © ITAR-TASS/Imago
Jewgeni Prigoschin
Über Monate hinweg legte sich Jewgeni Prigoschin mit der Militärführung in Moskau an. Immer wieder warf der Chef der russischen Privatarmee Wagner dem Verteidigungsministerium und dem Generalstab der Armee vor, Präsident Wladimir Putin zu belügen. Mit einem bewaffneten Aufstand seiner Privatarmee forderte Prigoschin aber auch Putin selbst heraus. © Sergey Pivovarov/Imago
Jewgeni Prigoschin
Nach seinem gescheiterten Aufstand sahen Fachleute den Söldnerchef aber dem Tode geweiht. Kremlchef Putin hatte die Kämpfer um seinen Ex-Vertrauten als Verräter bezeichnet. Tatsächlich starb Prigoschin zwei Monate nach seiner Meuterei gegen die russische Staatsmacht im August 2023 bei einem Flugzeugabsturz in Russland. © Imago
Boris Nemzow
Der Oppositionspolitiker Boris Nemzow galt als einer der schillerndsten und mutigsten Politiker Russlands. Feinde machte er sich vor allem mit seiner Kritik an der Ukraine-Politik von Kremlchef Wladimir Putin. Er wurde zur Galionsfigur der zersplitterten Opposition und galt als Unterstützer der Richtung Westen strebenden Ukraine. © Oxana Onipko/afp
Boris Nemzow
Nemzow wurde im Februar 2015 durch mehrere Schüsse in den Rücken aus einem Auto heraus erschossen. Der Mord wirft noch immer viele Fragen auf. Die EU drängte Russland wiederholt dazu, den Fall weiter aufzuklären. Ein Gericht in Moskau verurteilte 2017 den mutmaßlichen Mörder und vier Komplizen aus dem Nordkaukasus zu langen Haftstrafen. Nemzows Familie beklagte, dass nach den Drahtziehern nie wirklich gesucht worden sei. © afp
Boris Nemzow
In den 1990er Jahren hatte sich Nemzow als liberaler Reformer in Russland einen Namen gemacht. Präsident Boris Jelzin (rechts im Bild) holte ihn einst in die Regierung nach Moskau. Nemzow war zeitweilig auch als Präsidentenanwärter gehandelt worden. „Ich bin liberal, was Wirtschaftsfragen angeht, aber für eine starke Staatsmacht in der Politik“, sagte er einmal. © TASS/afp
Alexander Litwinenko
Der Putin-Kritiker Alexander Litwinenko starb im November 2006 in London nach einem Anschlag mit dem radioaktiven Gift Polonium 210. Einem Untersuchungsbericht zufolge soll ihm das Strahlengift in einem Londoner Hotel in den Tee gemischt worden sein. Unter den Augen der Weltöffentlichkeit siechte Litwinenko tagelang dahin. Vom Krankenhausbett beschuldigte er Putin, hinter dem Anschlag zu stecken. Die britische Justiz sieht es ebenfalls als bewiesen an, dass die Spur in hohe politische Kreise in Moskau führt. Russland weist dies zurück. © Sergei Kaptilkin/dpa
Anna Politkowskaja
Die Journalistin Anna Politkowskaja machte sich als Kritikerin der Kriege in Tschetschenien einen Namen. Die Mitarbeiterin Oppositionszeitung Nowaja Gaseta berichtete über Kriegsverbrechen der russischen Armee und der verbündeten tschetschenischen Gruppen und sprach von einem „schmutzigen Krieg“. Häufig musste sie sich gegen Drohungen wehren. Am 7. Oktober 2006 wurde sie vor ihrer Wohnung in Moskau erschossen. Politkowskajas Familie vermutet ein politisches Motiv für die Tat.  © Imago
Boris Beresowski
Die Serie von mitunter rätselhaften Todesfällen, hinter denen russische staatliche Stellen vermutet werden, ist noch sehr viel länger. Der Oligarch Boris Beresowski (Mitte) fiel nach dem Machtantritt Putins in Ungnade und floh nach Großbritannien. Am 23. März 2013 wurde Beresowski tot im Bad seines Hauses in Ascot gefunden.  © Shaun Curry/afp
Pawel Scheremet
Im Juli 2016 kam der russische Exil-Journalist Pawel Scheremet in Kiew durch eine Autobombe ums Leben. Scheremet engagierte sich während der Maidan-Proteste 2013/2014 in Kiew aufseiten der prowestlichen Kräfte und wurde später Redakteur beim renommierten Internetportal Ukrainskaja Prawda. © Dmytro Larin/afp
Denis Woronenkow
2017 wurde der abtrünnige russische Abgeordnete Denis Woronenkow auf offener Straße in Kiew erschossen. Auch sein Fall wurde nie aufgeklärt. © ITAR-TASS/Imago
Sergej Magnizki
Sergej Magnizki starb 2009 unter ungeklärten Umständen in einem Moskauer Gefängnis. Angeblich wurde der Anwalt, der nach eigenen Angaben einen Steuerbetrug aufgedeckt hatte, zu Tode geprügelt. Medizinische Hilfe wurde im verweigert.  © HO/Hermitage Capital Management/afp
Baburowa/Markelow
Die Journalistin Anastassija Baburowa und der Menschenrechtsanwalt Stanislaw Markelow wurden 2009 auf der Straße in Moskau erschossen. Für die Tat wurden ein Rechtsextremist und eine Komplizin zu langen Haftstrafen verurteilt. Sie hatten ihre Schuld bestritten. © ITAR-TASS/Imago
Natalia Estemirowa
Die Menschenrechtlerin Natalia Estemirowa wurde 2009 in der Konfliktregion Nordkaukasus erschossen aufgefunden. Mit Berichten über das Verschwinden von Zivilpersonen in dem Gebiet hatte sie sich wiederholt den Zorn der Machthaber zugezogen. © Memorial/afp
Sergej Juschenkow
Eines der ersten Todesopfer war Sergej Juschenkow. Der Duma-Abgeordnete wurde im April 2003 in Moskau erschossen. Juschenkow war der Staatsführung ein Dorn im Auge, wenngleich der Politiker über wenig Macht und Einfluss verfügte.  © Roman Mukhamedzanov/Vremya Novos/afp

Russland und die Verluste im Ukraine-Krieg: Putins Truppe soll mehr als 600.000 Soldaten verloren haben

Bereits in der Vergangenheit hatte es Berichte gegeben, wonach Russland die Leichensäcke ausgehen würden. Auch war zu lesen, dass viele der Opfer des Krieges gar nicht erst in die Heimat rücküberführt, sondern in der Ukraine begraben werden würden.

Gerade zu Beginn der Invasion hoffte Putin wohl auch darauf, dass die eigene Bevölkerung kaum mitbekommen würde, welchen Blutzoll das Land für seine sogenannte militärische Spezialoperation zahlen muss. So soll der Kreml-Chef vor allem Menschen aus ärmeren Regionen an die Front befohlen haben. Wohl auch in der Annahme, dass die Klagen von deren Angehörigen über die Verluste in seinem großen Reich verhallen und somit kaum Gehör finden würden.

Gesicherte Zahlen über die Verluste Russlands im Ukraine-Krieg gibt es nicht. Tägliche Updates liefert lediglich das Verteidigungsministerium der Ukraine, dessen Angaben aber eben mit Vorsicht zu genießen sind. Demnach verliert Moskau jeden Tag eine vierstellige Anzahl an Militärangehörigen, insgesamt sollen es mittlerweile 605.330 sein. (mg)

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