Umfrage-Klatsche nach Filz-Affäre: Deutsche vertrauen Habeck nicht mehr – FDP fordert Scholz-Machtwort
VonFelix Durach
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Politiker von FDP und Union fordern den Bundeskanzler dazu auf, sich in die „Trauzeugen-Affäre“ einzuschalten. Habeck rutscht in der Wählergunst ab.
Berlin – Die „Trauzeugen-Affäre“ im Wirtschaftsministerium von Robert Habeck zeigt nun auch in den jüngsten Umfragen Auswirkungen auf den Grünen-Politiker. Habeck musste in den vergangenen Wochen deutliche Einbußen in der Wählergunst hinnehmen. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Rahmen des ARD-„Deutschlandtrends“. Demnach sind lediglich noch 30 Prozent der Befragten zufrieden mit der Arbeit des Wirtschaftsministers. Nach Angaben des Senders ist das der schlechteste Wert seiner Amtszeit als Minister.
„Trauzeugen-Affäre“: Habeck in Umfrage abgestraft - Pistorius führt Ranking an
Angeführt wird das aktuelle Ranking von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD), mit dessen Arbeit 52 Prozent der Befragten zufrieden sind. Habecks Parteikollegin Annalena Baerbock (Grüne) belegt mit 44 Prozente den zweiten Rang vor Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mit 35 Prozent. Die gesamte Ampel-Koalition kann derweil minimal steigende Zufriedenheitswerte vorweisen. 28 Prozent der Befragten sind mit der aktuellen Regierungsarbeit zufrieden – ein Prozentpunkt mehr als im April. Für den ARD-„Deutschlandtrend“ hatten die Meinungsforscher am 2. und 3. Mai insgesamt 1360 Wahlberechtigte befragt
Neben dem umstrittenen Heizungsgesetz, das der Wirtschaftsminister auf den Weg gebracht hatte, dürfte vor allem auch die Affäre um Habecks Staatssekretär Patrick Graichen Auswirkungen auf die Wählergunst haben. Graichen hatte in der vergangenen Woche das Ministerium darüber informiert, dass der designierte neue Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur (Dena), Schäfer, sein Trauzeuge war. Der Staatssekretär war Mitglied einer Findungskommission, die Schäfer für den Posten vorgeschlagen hatte. Sowohl Habeck als auch Graichen sprechen von einem Fehler.
Ampel-Streit: FDP-Politiker fordert Machtwort des Bundeskanzlers
Politiker der FDP fürchten offenbar, dass die „Trauzeugen-Affäre“ der Ampel-Koalition nachhaltig schaden werde und forderten Habeck deswegen gemeinsam mit der oppositionellen Union zum Handeln auf. „Robert Habeck muss in seinem Ministerium umgehend für transparente Strukturen sorgen, auch wenn das die Beratung des Ministeriums betrifft. Wenn dies nicht passiert, muss das Kanzleramt einschreiten“, sagte der FDP-Politiker Christopher Vogt der Bild.
Auch die frühere Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) nahm den Bundeskanzler in die Pflicht. Die 50-Jährige forderte Olaf Scholz (SPD) in der Zeitung auf, die Frage zu klären, „ob es beim Mammut-Projekt Energiewende um die Interessen eines Freundeskreises und ausländischer Lobbyisten geht“. Vogt und Klöckner beziehen sich in ihren Aussagen auch auf die angebliche Rolle, die der US-amerikanische Umwelt-Lobbyist Hal Harvey für Graichens Netzwerk und die Klimapolitik des Ministeriums spielt. Harvey sitzt im Aufsichtsrat von Graichens früherem Arbeitgeber, der Denkfabrik Agora Energiewende.
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„Trauzeugen-Affäre“: Linke und Union fordern Rücktritt von Habecks Staatssekretär
Die Linke forderte ebenfalls eine Aufklärung der Vorfälle und personelle Konsequenzen für die Beteiligten. Die Vorsitzende der Linken-Fraktion im Bundestags, Amira Mohamed Ali, sagte gegenüber der Augsburger Allgemeinen mit Blick auf Graichen: „Wahrscheinlich wäre ein Rücktritt angebracht.“ Dass Graichen nicht offengelegt habe, dass „der letztlich erfolgreiche Bewerber sein Trauzeuge war, das ist keine Kleinigkeit und sollte persönliche Konsequenzen haben“, meinte sie weiter.
Die Vorsitzenden der Unionsparteien Friedrich Merz (CDU) und Markus Söder (CSU) hatten bereits am Donnerstag den Druck auf Habeck und Scholz erhöht. Merz sprach von einem „immer grotesker werdenden Schauspiel“ im Wirtschaftsministerium. Söder erklärte, es sei „relativ klar, dass Herr Graichen am Ende natürlich seine Funktion nicht mehr ausüben kann.“
Habeck stärkte Graichen den Rücken – Wirtschaftsausschuss tagt am Mittwoch
Am Mittwoch soll sich nun der Wirtschaftsausschuss im Bundestag über das Thema beraten. Die Unionsfraktion brachte auch die Möglichkeit eines Untersuchungsausschusses ins Spiel. Habeck hatte Graichens Verhalten zwar als Fehler bezeichnet, seinem Staatssekretär aber gleichzeitig den Rücken gestärkt. „Patrick Graichen ist meiner Ansicht nach der Mann, der Deutschland vor einer schweren Energiekrise bewahrt hat“, sagte der Grünen-Politiker zuletzt bei einer Veranstaltung in Kiel. (fd/dpa)