Neue Zahlen zu Neuwahlen

Null-Chancen-Kanzlerkandidat Habeck? Umfrage sieht ihn in zwei Punkten vor Merz und Scholz

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Dass Habeck Kanzlerkandidat der Grünen werden will, sorgte für Spott bei anderen Parteien. Laut einer Umfrage halten ihn jedoch viele als Kanzler geeignet.

Berlin – Wie wirkt sich das Ende der Ampel-Koalition auf die Wahlabsichten der Deutschen aus? Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov bringt nun Aufschluss – und eine positive Überraschung für Grünen-Vizekanzler Robert Habeck, der vor wenigen Tagen in den ARD-„Tagesthemen“ erklärt hatte, Grünen-Kanzlerkandidat bei den Neuwahlen im Februar zu sein.

Umfrage zeigt Zuspruch für Robert Habeck als Grünen-Kanzlerkandidat vor Neuwahlen

24 Prozent der Befragten gaben in der YouGov-Umfrage an, dass sie Habeck als geeignet oder sehr geeignet für das Amt des Kanzlers halten. Am höchsten ist die Zustimmung zu Habeck als Kanzler bei Stadtbewohnern (28 Prozent). Unter den Wählern vom Land hält aber immerhin auch noch jeder Fünfte (21 Prozent) Habeck für geeignet.

Robert Habeck (Grüne) kandidiert bei den Neuwahlen im Februar als Kanzler.

Für Habeck, der in den Tagen nach Bekanntgabe seiner Kandidatur viel Spott ertragen musste, dürfte das gut klingen. Dass er als Kanzler kandidiert, hatte unter anderem CSU-Chef Markus Söder scharf kritisiert: „Dass der grüne Wirtschaftsminister, der verantwortlich für das ökonomische Desaster und Abrutschen der Industrie ist, sich zum Kanzlerkandidaten erklärt, ist geradezu eine Verhöhnung der Wählerinnen und Wähler“, hatte er der Bild am Sonntag gesagt.

Auch BSW-Chefin Sahra Wagenknecht reagierte höhnisch: Die Grünen würden trotz ihrer mauen Umfragwerte „den gescheiterten Ampel-Wirtschaftsminister Habeck als Kanzlerkandidaten ins Rennen schicken“. Und ein CDU-Mann schlug sogar, das Frauenwahlrecht zu überdenken, sollte Habeck Kanzler werden. Frauen seien schlichtweg zu „emotional und labil“.

Habeck hat laut Umfrage in zwei Punkten als Kanzlerkandidat die Nase vor Scholz und Merz

In zwei Punkten hat Robert Habeck laut der neuen Umfrage sogar unter den übrigen Spitzenkandidaten die Nase vorn. Erstens: In Sachen Charisma. 13 Prozent der Befragten der Umfrage fanden Habeck charismatisch. Über Christian Lindner (FDP) sagten dies neun Prozent, über Friedrich Merz (CDU) 7 Prozent und über Olaf Scholz (SPD) sogar nur drei Prozent.

Zweitens liegt Habeck in Sachen Glaubwürdigkeit vor Scholz und Merz. 15 Prozent der Umfrage-Teilnehmer gaben an, der Grünen-Politiker wirke glaubwürdig. Friedrich Merz halten dagegen nur zehn Prozent für glaubwürdig, über Kanzler Olaf Scholz sagen dies acht Prozent.

FDP-Chef Christian Lindner, der vergangene Woche von Kanzler Scholz entlassen wurde, hielt unter den Spitzenkandidaten für die Neuwahlen den höchsten Wert zu der Frage, ob er zu seinen Überzeugungen stehe: 20 Prozent sagten dies in der Umfrage über Lindner. Von Habeck sagten 16 Prozent, er stehe zu deinen Überzeugungen, über Scholz 14 Prozent.

Die Bundesvorsitzenden der Grünen: Von Jürgen Trittin bis Ricarda Lang

Krista Sager und Jürgen Trittin von den Grünen
Im Dezember 1994 traten Krista Sager und Jürgen Trittin als Doppelspitze des noch jungen Zusammenschlusses namens „Bündnis 90 / Die Grünen“ an. Beide wurden zu Sprecherin und Sprecher des Bundesvorstands der Partei gewählt. Gemeinsam lenkten sie die Geschicke der Partei für zwei Jahre bis 1996. © Sepp Spiegl/imago-images
Jürgen Trittin blieb Sprecher der Grünen, von 1996 bis 1998 aber mit neuer Kollegin an seiner Seite: Auf Krista Sager folgte Gunda Röstel.
Jürgen Trittin blieb Sprecher der Grünen, von 1996 bis 1998 aber mit neuer Kollegin an seiner Seite: Auf Krista Sager folgte Gunda Röstel. © Jürgen Eis/imago-images
Gunda Röstel blieb für zwei weitere Jahre Sprecherin des Bundesvorstands der Grünen. Antje Radcke ersetzte den scheidenden Jürgen Trittin.
Gunda Röstel (l) blieb für zwei weitere Jahre Sprecherin des Bundesvorstands der Grünen. Antje Radcke ersetzte den scheidenden Jürgen Trittin. Von 1998 bis 2000 wurde die Partei damit von zwei Frauen an der Spitze geführt. © Sven Simon/imago-images
Fritz Kuhn und Renate Künast wurden zu Sprecher und Sprecherin des Bundesvorstands.
Im Jahr 2000 tauschten die Grünen ihr Führungspersonal komplett aus. Fritz Kuhn und Renate Künast wurden zu Sprecher und Sprecherin des Bundesvorstands. Ihre Amtszeit hielt aber nur ein Jahr bis 2001. © imago stock&people
Fritz Kuhn und Claudia Roth
Aus Bundesprechern wurden bei den Grünen im Jahr 2001 Bundesvorsitzende. Die ersten Beiden, die dieses Amt bekleideten, waren Fritz Kuhn und Claudia Roth. © Sven Simon/imago-images
Reinhard Bütikofer und Angelika Beer
Nur ein Jahr später der nächste Wechsel an der Spitze der Grünen. Reinhard Bütikofer und Angelika Beer rücken auf und bilden den Bundesvorstand der Partei von 2002 bis 2004. © imago-images
Claudia Roth als Vorsitzende der Grünen zurück - an der Seite von Reinhard Bütikofer
2004 kehrte Claudia Roth als Vorsitzende der Grünen zurück - an der Seite von Reinhard Bütikofer. Das Duo blieb bis 2008 im Amt. © Sven Simon/imago-images
Claudia Roth und diesmal Cem Özdemir das Führungsduo der Grünen
Claudia Roth blieb insgesamt bis 2013 im Amt. Ab 2008 mit neuem Co-Vorsitzenden: Cem Özdemir. © Jan Huebner/imago-images
Cem Özdemir blieb Parteivorstand. Von 2013 bis 2018 führte er die Grünen gemeinsam mit Simone Peter.
Cem Özdemir blieb Parteivorstand. Von 2013 bis 2018 führte er die Grünen gemeinsam mit Simone Peter. © Rüdiger Wölk/imago-images
nnalena Baerbock und Robert Habeck als Führungsduo den Vorstand der Grünen
Im Jahr 2018 übernahmen Annalena Baerbock und Robert Habeck als Führungsduo den Vorstand der Grünen. Nach dem Einzug der Grünen in die Bundesregierung legten sie ihre Ämter nieder und schlossen sich dem Kabinett von Bundeskanzlern Olaf Scholz an. © Chris Emil Janssen/imago-images
Omid Nouripour und Ricarda Lang
Es folgten Omid Nouripour und Ricarda Lang. Sie übernahmen den Vorsitz des Bundesvorstands der Grünen im Jahr 2022. Zwei Jahre später verkünden beide ihren Rücktritt als Reaktion auf zahlreiche Wahlschlappen ihrer Partei. Wer die Umweltpartei künftig führt, ist noch offen. © dpa

Umfrage zu Neuwahlen: Ampel-Aus brachte wenige Veränderungen bei Sonntagsfrage

Hinsichtlich der Sonntagsfrage gab es wenig Veränderungen im Vergleich zu Umfragen vor dem Ampel-Aus. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, würden laut der YouGov-Erhebung 33 Prozent ihre Stimme der Union geben. Im Oktober waren es 32 Prozent. Die SPD würden 15 Prozent wählen (16 Prozent im Oktober), die Grünen landen bei 12 Prozent und gewinnen im Vergleich zum Vormonat einen Punkt hinzu.

Die AfD verliert im Vergleich zum Oktober einen Punkt und kommt jetzt auf 19 Prozent. Die FDP liegt unverändert bei fünf Prozent, die BSW sieben Prozent (Oktober: 8 Prozent).

Für die YouGov-Befragung wurden im Zeitraum 8. bis 12. November 2024 insgesamt 2.193 Personen in einer repräsentativen Stichprobe befragt. Die Stichprobe bildet die Wahlberechtigten Deutschlands ab 18 Jahren hinsichtlich Alter, Geschlecht, Region, Wahlverhalten, Bildung und politisches Interesse ab. (smu)

Rubriklistenbild: © Hannes P. Albert/dpa

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