Für Klimaneutralität ab 2045

„Kann sich die Regierung nicht leisten“: Habecks Strategie für grünen Wasserstoff in der Kritik

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Wirtschaftsminister Robert Habeck setzt für die Energiewende auf grünen Wasserstoff. An seiner Wasserstoff-Strategie gibt es Kritik.
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Habeck kündigt die überarbeitete Wasserstoff-Strategie als „große nächste Geschichte“ an. Aus der Wissenschaft gibt es mehrere Punkte zu bemängeln.

Berlin – Um Klimaneutralität zu erreichen, setzt Wirtschaftsminister Robert Habeck auf Wasserstoff. Dazu hat die Bundesregierung eine neue Nationale Wasserstoffstrategie verabschiedet. Vor allem grüner Wasserstoff soll gefördert werden. „Grundsätzlich stehe ich sehr positiv zu dem, was Habeck mit der Wasserstoffstrategie gemacht hat. Er ist immer noch weit weg von dem, was wir wirklich brauchen“, sagt Prof. Robert Schlögl, der in 2020 und 2021 Vize-Vorsitzender im Nationalen Wasserstoffrat (NWR) war, zu IPPEN.MEDIA. Denn aus Sicht der Wissenschaft hapert es noch an einigen Punkten, was die Pläne für grünen Wasserstoff betrifft.

Habeck stellt neue Wasserstoff-Strategie vor: Grüner Wasserstoff soll gefördert werden

Ziel ist laut Habeck, grünen Wasserstoff überall da einzusetzen, wo Elektroenergie nicht verwendet werden kann: also vor allem in der Industrie, im Verkehr und in Kraftwerken, sowie zunehmend im Luft- und Schiffsverkehr einzusetzen, ebenso in Gaskraftwerken und bei der Wärmeversorgung.

„Im Transportsektor wird Wasserstoff in Zügen und Nutzfahrzeugflotten Einzug halten. Batterieelektrische Lösungen schränkten bei großen Fahrzeugen die Nutzlast ein, und Flotten solcher Fahrzeuge kämen beim Laden an die Grenzen des lokalen Stromnetzes“, sagte Prof. Dr. Harry Hoster, wissenschaftliche Leiter des Hydrogen and fuel cell center ZBT GmbH in Duisburg, zu IPPEN.MEDIA.

Habeck will Produktion von grünem Wasserstoff ankurbeln – gelingt das?

In Deutschland sollen zahlreiche Elektrolyseanlagen gebaut werden, die vor allem grünen Wasserstoff produzieren. Laut Habeck soll ungefähr ein Drittel des benötigten Wasserstoffs in Deutschland erzeugt werden. Die Strategie sieht vor, die Produktion von Elektrolyse-Anlagen verdoppeln, auf 10 Gigawatt. Bis 2027 und 2028 soll eine erste Infrastruktur stehen und gefördert werden. Aber hat Deutschland überhaupt die Kapazitäten, die Produktion von grünem Wasserstoff anzukurbeln?

„Die reine Produktion aus Überstrom per Elektrolyse wird in absehbarer Zeit nicht ausreichen“, sagte Dr. Ing Andy Gradel, stellv. Institutsleiter des Institutes für Wasserstoff- und Energietechnik zu IPPEN.MEDIA. „Durch gleichzeitig steigenden Strombedarf für E-Mobilität und Wärmepumpen werden die erneuerbaren Energien nicht so schnell ausgebaut werden können, wie nötig.“

Geht es nach Gradel, müsste man auch auf andere Technologien setzen, die den Ausbau fördern könnten. „Andere Pfade wie die Erzeugung aus biogenen Reststoffen, die heute noch enorme Potenziale in Deutschland haben, sind elementar für einen schnellen Hochlauf und eine flächendeckende Anwendung. Diese werden in der Nationalen Wasserstoff-Strategie vollständig ignoriert, obwohl eigenen Forschungsnetzwerke des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) seit zwei Jahren auf Technologieoffenheit plädieren und das BMWK die Forschung und Entwicklung an diesen Technologien aufgrund ihrer immensen Produktions- und Klimaschutzpotenziale zurecht fördert.“

Deutschlands Beitrag bei Wasserstoff-Strategie ist „Weiterentwicklung“

Wissenschaftler appellieren, den Schwerpunkt auf die Importe zu setzen, als die Produktion von grünem Wasserstoff in Deutschland anzukurbeln. Bislang wird in der Strategie festgehalten, dass zwei Drittel des Bedarfs an grünem Wasserstoff importiert werden soll. Dieser soll hauptsächlich aus Afrika geliefert werden. „Die Erzeugung von grünem Wasserstoff in Deutschland wird einen Beitrag leisten, wir werden aber (wie bei Gas und Erdöl) Energieimporteur bleiben. Deutschlands Beitrag ist die Weiterentwicklung und der Export von Elektrolyseuren zur Herstellung von Wasserstoff aus grünem Strom. Anlagenbau können wir“, sagte Hoster.

Auch Schlögl sieht beim Import von Wasserstoff eine Schlüsselrolle. „Die Umstellung von fossiler auf erneuerbare Energie ist eine große Aufgabe, die wir niemals mit Energieressourcen aus dem eigenen Land lösen können“, betonte Schlögl. Die Bundesregierung habe sich bei den Plänen, die Produktion von grünem Wasserstoff in Deutschland anzukurbeln, „ganz sicher überschätzt.“

Kabinett Scholz: Nach dem Ampel-Aus kommt Rot-Grün ohne Mehrheit

Olaf Scholz spricht zur Energiepolitik.
Olaf Scholz (SPD) ist der neunte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Politisch wird er dem konservativen Flügel der Sozialdemokraten zugerechnet. Lange Zeit galt er als reiner „Scholzomat“ – ein Spitzname, den er sich wegen seiner mechanisch wirkenden Sprechblasen in seiner Zeit als Generalsekretär unter Kanzler Gerhard Schröder verdiente. Kurz nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine kündigte er in einer Sondersitzung des deutschen Bundestages einen Wandel der deutschen Politik an: „Wir erleben eine Zeitenwende.“  © Britta Pedersen/dpa
Robert Habeck auf Deutschlandtour.
Robert Habeck ist Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz im Kabinett Scholz sowie Stellvertreter des Kanzlers. Vom 27. Januar 2018 bis zum 14. Februar 2022 hatte er zusammen mit Annalena Baerbock den Bundesvorsitz der Partei Bündnis 90/Die Grünen inne. Habeck ist auch als Schriftsteller tätig. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Andrea Paluch veröffentlichte er mehrere Romane, u.a. Hauke Haiens Tod (2001). © Soeren Stache/dpa
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Nancy Faeser (SPD), alte und neue Landesvorsitzende der SPD in Hessen und Bundesinnenministerin, freut sich über ihre Wiederwahl.
Nancy Faeser führt im Kabinett Scholz als erste Frau das Bundesministerium des Innern und für Heimat. Die Juristin ist seit dem 2. November 2019 Vorsitzende der SPD Hessen. Zuvor war sie 16 Jahre lang Abgeordnete des Hessischen Landtags und ab 2019 als Vorsitzende der hessischen SPD-Fraktion auch Oppositionsführerin. Zudem war sie Spitzenkandidatin der SPD bei der Landtagswahl in Hessen 2023. Als Abgeordnete im Landtag erhielt sie zwei Drohbriefe, die mit NSU 2.0 unterschrieben waren. © Andreas Arnold/dpa
Annalena Baerbock ist im Kabinett Scholz Bundesministerin des Auswärtigen. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie als Kanzlerkandidatin der Grünen an, die sich aber mit 14,8 Prozent der Zweitstimmen mit Platz drei hinter SPD und Union begnügen mussten. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.
Annalena Baerbock ist im Kabinett Scholz Bundesministerin des Auswärtigen. Sie ist die erste Frau, die dieses Amt innehat. Bei der Bundestagswahl 2021 trat sie als Kanzlerkandidatin der Grünen an, die sich aber mit 14,8 Prozent der Zweitstimmen mit Platz drei hinter SPD und Union begnügen mussten. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen. © Thomas Imo/Imago
Marco Buschmann FDP, Bundesjustizminister, stellt Eckpunktepapier zum Selbstbestimmungsgesetz vor.
Marco Buschmann war bis zum 7. November 2024 Bundesminister der Justiz im Kabinett Scholz. Der FDP-Politiker war von Oktober 2017 bis Dezember 2021 Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion. Im Herbst 2020 warnte er während der Corona-Pandemie vor einer Verfassungskrise. Buschmann war auch Mitkoordinator der erfolgreichen Verfassungsklage der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und FDP gegen den Berliner Mietendeckel. Nach dem Rauswurf von Finanzminister Christian Lindner verließ Buschmann die Ampel.  © Jürgen Heinrich/Imago
Volker Wissing, Bundesverkehrsminister FDP, vor der Kabinettssitzung im Berliner Kanzleramt Bundeskanzleramt in Berlin
Volker Wissing wurde nah dem Ampel-Aus für sein Ausscheren aus dem Kurs von FDP-Parteichef Christian Lindner belohnt. Der Bundesminister für Digitales und Verkehr erhielt zusätzlich das Justizressort. Einer der letzten großen Ampel-Fans in der FDP zog nach dem Koalitionsbruch Konsequenzen: In einem beispiellosen Schritt trat er aus der Partei aus und bleibt bis zu den geplanten Neuwahlen als Parteiloser im Amt. Der Jurist war vom 19. September 2020 bis zum 23. April 2022 Generalsekretär der FDP. Wissing gibt als Hobby Weinbau an, vor allem im familieneigenen Weingut.  © Stefan Boness/Imago
Hubertus Heil besucht die Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Berlin-Spandau.
Hubertus Heil ist im Kabinett Scholz Bundesminister für Arbeit und Soziales – ein Amt, das der SPD-Politiker bereits seit dem 14. März 2018 innehat. Heil ist seit Dezember 2019 stellvertretender Bundesvorsitzender der Sozialdemokraten. Von November 2005 bis November 2009 und von Juni bis Dezember 2017 war er Generalsekretär seiner Partei. Heil spricht sich für einen Mindestlohn von mindestens 12 Euro aus, eine Erhöhung des Rentenalters auf über 67 Jahre lehnt er ab. © M. Popow/Imago
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen.
Boris Pistorius ist als Nachfolger von Christine Lambrecht ins Chefbüro des Verteidigungsministeriums im Bendlerblock gerückt. Pistorius gehört dem SPD-Parteivorstand an und gilt als erfahrener Polit-Manager. Von 1980 bis 1981 absolvierte er seinen Wehrdienst, anschließend studierte er Rechtswissenschaften in Osnabrück und Münster. Pistorius war zuvor seit 2013 Innenminister in Niedersachsen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsministerin Lambrecht besucht Marder-Kompanie
Bis zum 19. Januar 2023 hatte Christine Lambrecht das Amt der Verteidigungsministerin inne. Die SPD-Politikerin stand zumeist unter einem immensen Druck. Kritische Stimmen warfen ihr fehlende Sachkenntnis, die schleppend angelaufene Beschaffung für die Bundeswehr, aber auch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit vor. Irritation rief schließlich eine Neujahrsbotschaft hervor, in der sie begleitet von Silvesterfeuerwerk in Berlin über den Ukraine-Krieg sprach. © Robert Michael/dpa
Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft läuft beim Treffen der G7 Agrarminister zum Eingang des Schlosses Hohenheim.
Cem Özdemir ist Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft im Kabinett Scholz. Özdemir ist der erste Bundesminister mit türkischem Migrationshintergrund. Von November 2008 bis Januar 2018 war er Bundesvorsitzender der Grünen. Im Dezember 2021 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des gemeinnützigen Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ gewählt. Nach dem Ampel-Aus übernahm er auch das Ministerium für Bildung und Forschung.  © Bernd Weißbrod/dpa
Lisa Paus (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, spricht beim hybriden Gipfeltreffen „Women7-Summit“.
Elisabeth „Lisa“ Paus ist seit dem 25. April 2022 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Kabinett Scholz. Sie ist die Nachfolgerin von Anne Spiegel, die zuvor von diesem Posten zurückgetreten war. Paus gehört zum linken Parteiflügel der Grünen. Sie ist seit 2009 Abgeordnete im Deutschen Bundestag.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übergibt im Schloss Bellevue anlässlich des Amtswechsels im Bundesfamilienministerium die Entlassungsurkunde an Anne Spiegel (Bündnis 90/Die Grünen), bisherige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Vorgängerin von Lisa Paus war Anne Spiegel, die am 25. April 2022 die Entlassungsurkunde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erhielt. „Es war zu viel“, hatte die Grünen-Politikerin vorher bekennen müssen. Ihr Verhalten als Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität in Rheinland-Pfalz nach der Flutkatastrophe im Sommer 2021 wurde vom Untersuchungsausschuss des Landtags bis ins Detail untersucht. Die Kritik wurde zum Sturm – ihr Amt als Bundesfamilienministerin gab Spiegel deshalb auf. In ihrer Rücktrittserklärung betonte Spiegel, dass sie das Amt nicht länger belasten wolle und entschuldigte sich für begangene Fehler. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Karl Lauterbach (SPD), Bundesgesundheitsminister, beantwortet auf einer Pressekonferenz Fragen von Journalisten zum Infektionsgeschehen und zur Impfentwicklung.
Karl Lauterbach ist Bundesminister für Gesundheit im Kabinett Scholz. Der SPD-Politiker ist Professor am Universitätsklinikum Köln und dort Leiter des Instituts für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie. Wegen seines Bundestagsmandats ist er derzeit beurlaubt. Während der Pandemie ist er für viele zu einer Reizfigur geworden. Als Minister konnte er sich mit seiner Forderung nach einer allgemeinen Corona-Impfpflicht nicht durchsetzen.  © Wolfgang Kumm/dpa
Steffi Lemke, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz beim Treffen der G7 Klima-, Energie- und Umweltministerinnen und -minister.
Steffi Lemke hat im Kabinett Scholz den Posten als Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz inne. Die Politikerin von Bündnis 90/Die Grünen absolvierte ein Studium der Agrarwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, das sie 1993 als Diplom-Agraringenieurin abschloss. Von 2002 bis 2013 war sie politische Bundesgeschäftsführerin ihrer Partei. © Chris Emil Janssen/Imago
Bettina Stark-Watzinger im Portrait bei der Bundespressekonferenz zum Thema Veroeffentlichung des nationalen Bildungsberichts Bildung in Deutschland.
Bettina Stark-Watzinger ist Bundesministerin für Bildung und Forschung im Kabinett Scholz. Seit 2017 ist sie Abgeordnete im Deutschen Bundestag und seit März 2021 Vorsitzende der FDP Hessen. Ihr Studium der Volkswirtschaftslehre an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz und der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main schloss sie 1993 als Diplom-Volkswirtin ab. Sie ist Mitglied im Stiftungsrat der Karl-Hermann-Flach-Stiftung. © Imago
Svenja Schulze SPD, Bundesministerin fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, aufgenommen im Rahmen der Konferenz fuer globale Ernaehrungssicherheit im Auswaertigen Amt in Berlin.
Svenja Schulze ist Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland im Kabinett Scholz. Die SPD-Politikerin ist Mitglied der Arbeiterwohlfahrt, der IG Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), ver.di, im Naturschutzbund Deutschland (NABU) und im Verein Slowfood. Sie ist Mitbegründerin des Netzwerkes „Frauenzeiten“. © Florian Gaertner/Imago
Klara Geywitz im Kanzleramt in Berlin am 27. Juli 2022. Kabinettssitzung in Berlin.
Klara Geywitz ist Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen im Kabinett Scholz. Zudem ist sie Beauftragte der Bundesregierung für den Berlin-Umzug und den Bonn-Ausgleich. Im Dezember 2019 wurde sie zu einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD gewählt. Geywitz gehört seit 2014 dem Vorstand der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit an. © Emmanuele Contini/Imago
Wolfgang Schmidt hisst die Regenbogenfahne am Bundeskanzleramt in Berlin.
Wolfgang Schmidt ist Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes im Kabinett Scholz. In dieser Funktion ist er außerdem Beauftragter der Nachrichtendienste des Bundes. Schmidt, der seit 1989 der SPD angehört, gilt als engster Vertrauter von Olaf Scholz. © Christian Spicker/Imago

Finanzierung bei Wasserstoff-Strategie: „Kann sich die Regierung nicht leisten“

Unklar ist, wie viel Staat und Unternehmen für die Umstellung auf Wasserstoff finanziell aufwenden müssen. Laut solarenergie hängen die Kosten für grünen Wasserstoff von der Herkunft des eingesetzten Stroms ab. Bei der Verwendung von Solarstrom belaufen sie sich auf knapp 6 €/kg Wasserstoff, bei Windenergie auf etwa 4 €/kg. Je nach Verfügbarkeit von grünem Strom können die Herstellungskosten regional auf bis zu 2,50 €/kg sinken. Experten rechnen mit einem Investitionsbedarf von vielen Milliarden Euro. Forschungsministerin Bettina Stark-Watzinger stellt 700 Millionen Euro bereit, um Wege zur Wasserstoff-Herstellung zu optimieren. Doch wird das reichen?

„Ein wesentlicher Fehler bei der Wasserstoffstrategie ist, dass die deutsche Regierung davon ausgeht, dass sie das im Wesentlichen finanzieren oder kofinanzieren, das werden sie garantiert, nicht tun. Das können Sie sich überhaupt nicht leisten“, hieß es von Schlögl. Für den Elektrolyseur, den Speicher und das Kraftwerk müsse man für jede Stunde zahlen, auch wenn sie nicht im Betrieb seien. „Deswegen entsteht ein irrsinniger Kostenüberhang.“ Grob gerechnet könne man sagen, dass die Kosten für die Erzeugung von erneuerbarer Energie doppelt so hoch, vielleicht wie die von Fossil.

Falscher Ansatz bei Wasserstoff-Strategie? „Habeck muss Spielregeln definieren“

„Herr Habeck soll sich um die Dinge kümmern, die er als Staat unbedingt regeln muss, und das Einzige, was er nicht unbedingt regeln muss, das ist das Subventionieren“, urteilt Schlögl. Stattdessen müsste der Staat „Spielregeln“ definieren und „Rahmenbedingungen“ zu schaffen. „Das Wichtigste wäre mal zu einer Übereinkunft zu kommen, wie man den Wert von Wasserstoff bestimmt. Man braucht eine juristische, international eindeutige Definition, was das ist. Sie ist aber Voraussetzung dafür, dass irgendjemand mal ein Geschäftsmodell machen kann.“ 

Diese Aufgabe sieht Schlögl allerdings nicht nur bei der Bundesregierung. „Es braucht mindestens die Idee von Olaf Scholz mit dem Klimaclub“, so der Experte. „Die könnten das definieren. Wenn zum Beispiel die G7-Staaten bestimmen, wie man einen Wasserstoffpreis festlegt, dann ist das allgemein gültig.“ Zudem müsse wissenschaftlich definiert werden, was grüner Wasserstoff eigentlich ist.

Habecks Wasserstoff-Strategie „ist langsam, geht aber in die richtige Richtung“

Grundsätzlich kommen die Wissenschaft zu dem Schluss, dass Habecks Strategie ein richtiger Ansatz ist. Zwar ist sie „langsam, geht aber in die richtige Richtung“, sagte Schlögl und lobt den Wirtschaftsminister, dass „überhaupt Initiative ergriffen wird“. Grundsätzlich erkennt die Wissenschaft an, dass Habecks Wasserstoff-Strategie ein richtiger Ansatz ist. Sie sei „langsam, geht aber in die richtige Richtung“, sagte Schlögl und lobte den Wirtschaftsminister, dass „überhaupt Initiative ergriffen wird“. „Habeck hat die erste Version der Wasserstoff-Strategie stark korrigiert“, so Schlögl.

Ob durch Habecks Wasserstoff-Strategie letztlich die angestrebte Klimaneutralität ab 2045 erreicht werden kann und ob die Energiewende gelingen wird, bleibt von einigen Faktoren abhängig. „Energiewende kann man nicht erzwingen. Diese Kommandostruktur ist nicht richtig und schadet den Grünen politisch sehr. Vielleicht diskutiert Habeck die Wasserstoff-Strategie erst mit den Vertretern“, sagte Schlögl.

„Solange das BMWK bzw. die Bundesregierung technologiespezifisch nach eigener Auswahl fördert und nicht gemessen an der Klimabilanz des Produktes, sehe ich die Ziele nicht erreichbar. Ich sehe hier sehr starke Parallelen zum umstrittenen Fokus auf Wärmepumpen im ausgebremsten GEG“, sagte Gradel.

Wasserstoff-Strategie wichtig für Klimaziele – in Deutschland fehlt jedoch Technologieoffenheit

Grüner Wasserstoff könnte künftig für das Erreichen Klimaziele unabdingbar werden. „Klimaneutralität kann ohne grünen Wasserstoff nicht erreicht werden“, sagte Hoster. Generell sei Wasserstoff als Energieträger der Zukunft unverzichtbar. Auf klimafreundlich hergestellten Wasserstoff zu setzen, hält auch Gradel für eine „kluge Entscheidung, wenn man die Einsatzbereiche weise wählt.“ „Neben einer schnellen Energiewende schafft die Wasserstoffbranche derzeit auch viele begehrte Arbeitsplätze, Deutschland ist in vielen Bereichen in dieser Branche führend“, sagte Gradel. (bohy)

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