Migrations-Gipfel

Dobrindts Polit-Spektakel auf der Zugspitze: „Europa wird endlich härter“

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Es ist das zweite Polit-Spektakel auf der Zugspitze binnen einer Woche. Diesmal ist Alexander Dobrindt der Gastgeber. Es geht um harte Signale in Asylfragen und warme Worte an die EU-Freunde.

München/Grainau – Es vergeht fast keine Woche in der EU ohne einen „Gipfel“, aber am Freitag kann man das ausnahmsweise mal ganz wörtlich nehmen. Alexander Dobrindt hat – gemeinsam mit dem französischen Innenminister Bruno Retailleau – die Amtskollegen aus den Nachbarländern auf die Zugspitze geladen. Auch Polen ist vertreten, wo man sich über die deutschen Grenzkontrollen besonders geärgert hatte. Doch bei frostigen Temperaturen auf fast 3000 Metern Höhe ist davon keine Rede mehr. Im Gegenteil: Der Pole Thomasz Siemoniak dankt Dobrindt. „Das Ziel ist, dass wir unseren alten Schengenraum wiederbekommen.“ Auch Dobrindt sagt, man wolle „ein sichtbares Signal der Einigkeit“ setzen.

Dobrindt empfängt EU-Innenminister: Deutschland sitzt bei Migrationsthemen „nicht mehr im Bremserhäuschen“

Der Peißenberger Dobrindt hat dieses Treffen sorgfältig geplant. „Wir wollen deutlich machen, dass Deutschland bei Migrationsthemen in Europa nicht mehr im Bremserhäuschen sitzt, sondern in der Lokomotive.“ Sicher nicht zufällig hat Berlin das am frühen Morgen mit dem Abschiebeflug von 81 Straftätern nach Afghanistan verdeutlicht. Laut „Bild“ ist auch ein Mann darunter, der 2019 in Illerkirchberg (Baden-Württemberg) mit drei Komplizen eine 14-Jährige stundenlang in einem Flüchtlingsheim vergewaltigt hatte. Zwölf der Abgeschobenen sind wegen Tötungsdelikten verurteilt.

Minister unter Merz: Komplette Liste des Kabinetts – von Klingbeil bis zu „neuen Gesichtern“

17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands.
17 Ministerinnen und Minister, dazu ein Bundeskanzler namens Friedrich Merz: Sie bilden das Kabinett der Koalition aus CDU, CSU und SPD und damit die 25. Bundesregierung Deutschlands. © dpa
Fritze Merz Kabinett CDU CSU Minister
Der neue Kanzler (offiziell ab dem 6. Mai): Friedrich Merz hat sein Kabinett zusammengestellt. Der 69-Jährige hat vertraute und neue Gesichter auserkoren. In dieser Fotostrecke finden Sie alle von der CDU bestimmten Minister, auch die von der CSU und SPD sind hier zu finden.  © IMAGO/Uwe Koch
Thorsten Frei Kanzleramtsminister Merz Kabinett
Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes: Thorsten Frei (51) ist einer der engsten Vertrauten von Friedrich Merz und in der CDU angesehen.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Johann Wadephul Außenminister Merz Kabinett
Bundesminister für Auswärtiges: Johann Wadephul (CDU) heißt der neue Außenminister.  © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Katherina Reiche Wirtschaftsministerin Merz Kabinett
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie aus der CDU: Katherina Reiche ist 51 Jahre alt und wird die Nachfolge von Robert Habeck antreten. © IMAGO
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Karin Prien von der CDU wird Bildungs- und Familienministerin, sie ist 59 Jahre alt. © IMAGO/Jens Schicke
Nina Warken Gesundheitsministerin Kabinett Merz
Bundesministerin für Gesundheit: CDU-Ministerin Nina Warken (45) soll die Nachfolge von Karl Lauterbach antreten.  © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Karsten Wildberger Digitalminister Merz Kabinett
Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger ist die wohl größte Überraschung, der ehemalige MediaMarkt-Chef ist 56 Jahre alt.  © AnikkaxBauer
Wolfram Weimer Minister für Kultur
Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer, der 60-Jährige pflegt gute Kontakte in einige Verlage.  © IMAGO/Thomas Bartilla
Schnieder Vekehrsminister CDU Kabinett Merz
Bundesminister für Verkehr: Patrick Schnieder von der CDU soll Verkehrsminister werden. © IMAGO
Dobrindt Innenminister CSU Kabinett Merz Liste
Bundesminister des Innern und für Heimat: Alexander Dobrindt. Der 54-jährige CSU-Mann ist schon zum zweiten Mal Minister. Unter Angela Merkel war er von 2013 bis 2017 Verkehrsminister © IMAGO/ESDES.Pictures, Bernd Elmenthaler
Alois Rainer LAndwirtschaft Merz Kabinett
Landwirtschaftsminister soll der CSU-Politiker Alois Rainer werden. Der 60-Jährige ist durchaus ein überraschender Name, den Söder hier aus den CSU-Kreisen ausgewählt hat.  © IMAGO/Christian Spicker
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Ministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär (47) übernimmt das neu zusammengestellte Ministeramt. Die CSU-Politikerin galt von vorneherein als Favoritin aus Bayern.  © IMAGO/Heiko Becker
Klingbeil Kabinett Vizekanzler Finanzminister
Lars Klingbeil wird Vizekanzler und Finanzminister. Der 47-Jährige spricht über die SPD-Minister mit den Worten: „Generationswechsel“ und „neue Gesichter und erfahrene Persönlichkeiten“. Nachfolgend sind alle SPD-Ministerinnen und SPD-Minister aufgelistet.  © IMAGO/FRANK TURETZEK
Boris Pistorius Verteidigunsminister SPD Merz Klingbgeil
Verteidigungsminister bleibt Boris Pistorius, 65 Jahre alt. Er ist eines der prominentesten SPD-Mitglieder des Kabinetts. © IMAGO/Noah Wedel
Der bisherige Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) gilt im Merz-Kabinett als gesetzt, wenn es mit schwarz-rot klappt. Er könnte allerdings das Ministerium wechseln und sogar Vizekanzler werden.
Pistorius ist der einzige Minister der einstigen Ampel-Koalition unter Olaf Scholz, der auch unter dessen Nachfolger Friedrich Merz einen Platz im Kabinett gefunden hat. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bärbel Bas, die 57-Jährige wird Bundesministerin für Arbeit und Soziales. Von 2021 bis 2025 war die SPD-Politikerin Präsidentin des Deutschen Bundestags.  © IMAGO
Hubig, Justiz 56 SPD MErz Kabinett
Dr. Stefanie Hubig ist 56 Jahre alt. Sie wird Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. DIe SPD-Politikerin ist schon in Rheinland-Pfalz Ministerin für Bildung gewesen.  © IMAGO/Jürgen Heinrich
Reem Alabali-Radovan Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Die jüngste Person aus der SPD-Riege. Reem Alabali-Radovan ist 35 Jahre alt und kümmert sich um „Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“. © IMAGO/Jürgen Heinrich
Hubertz wohnen, Bauministerin SPD KAbinett Merz Klingbeiil
Auch nicht viel älter, auch von der SPD: Verena Hubertz, 37 Jahre, Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.  © IMAGO
Carsten Schneider SPD Umweltminister Merz Klingbeil Kabinett
Carsten Schneider von der SPD (49), nicht zu verwechseln mit Patrick Schnieder, wird Bundesminister für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD
Saskia Esken, ehemalige Parteivorsitzende der SPD, galt lange Zeit als aussichtsreiche Kandidatin für einen Kabinettsposten in der Regierung von Friedrich Merz. © Christophe Gateau/dpa
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 werden ihm Außenseiter-Chancen auf ein Amt unter Merz ausgerechnet.
Armin Laschet (CDU) wollte 2021 selbst Kanzler werden und scheiterte. Nach der Bundestagswahl 2025 galt er zumindest als Außenseiter-Kandidat für einen Posten im Kabinett von Friedrich Merz. Daraus wurde letztlich nichts. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
Kultursenator Joe Chialo
Kultursenator Joe Chialo war für die Berliner CDU bei den Koalitionsverhandlungen dabei (Archivbild). Fachleute spekulierten daraufhin Chialo könnte von Friedrich Merz als Kultusminister in sein Kabinett berufen werden. Doch der Posten ging letztlich an den Merz-Vertrauten Wolfram Weimer. © Jörg Carstensen/dpa
Jens Spahn als neuer und alter Minister? Dahinter steht ein Fragezeichen, auch wenn Spahn gewiss Ambitionen hat. Der frühere Gesundheitsminister stand wegen der Maskenaffäre in der Kritik. Andererseits verfügt er über große Regierungserfahrung, die Merz selbst bekanntermaßen fehlt.
Auch Jens Spahn hatte sich Hoffnungen auf einen Kabinettsposten unter Kanzler Friedrich Merz gemacht. Der ehemalige Gesundheitsminister ging in Sachen Kabinett zwar leer aus, kann sich aber dennoch über eine Beförderung im neuen Bundestag freuen: Spahn wird die CDU-Abgeordneten im Bundestag künftig als Fraktionsvorsitzender anführen. © IMAGO/Jens Schicke

Bei den Kollegen kommt Dobrindts Linie an. „Europa wird endlich härter in der Asyl-Politik“, sagt der Österreicher Gerhard Karner. Die Motivlage ist überall gleich: „Uns treibt alle die Sorge um, dass die Überforderung unserer Länder durch illegale Migration zur Polarisierung der Gesellschaft ganz massiv beiträgt“, so Dobrindt.

Migrations-Gipfel auf der Zugspitze: Was haben Dobrindt und Co. besprochen?

Was wurde besprochen? Natürlich ging es um schnellere Asylverfahren, eine Reduzierung von Doppel- und Dreifachprüfungen, wie es im Gemeinsamen Europäischen Asylsystem im Vorjahr beschlossen wurde, das sich derzeit in der Umsetzung befindet. Darin enthalten sind auch mehr Rückführungen. „Es ist inakzeptabel, dass nur einer von vier, die sich illegal in Europa befinden, auch wirklich zurückgeführt wird“, sagt EU-Kommissar Magnus Brunner. Künftig will man stärker zusammenarbeiten. Dobrindt spricht von sogenannten Return-Hubs – auf Deutsch wohl Abschiebezentren –, wo Ausreisepflichtige untergebracht werden. Auch in Drittstaaten.

Zweites großes Thema war der Kampf gegen die Schleuserbanden und ihre Geldströme. Europol soll die Schlepper mit modernsten Mitteln bekämpfen, sagt der Franzose Retailleau, also mit künstlicher Intelligenz und Algorithmen.

Gruppenbild mit Dame: Alexander Dobrindt (4.v.li.) und seine Staatssekretärin Daniela Ludwig mit den Ministerkollegen.

Migrationspolitik: Schutz der Außengrenzen im Fokus – Dobrindt reist nach Polen

Und schließlich besonders aktuell: der Schutz der Außengrenzen. Dobrindt wird am Montag nach Polen reisen, um sich ein Bild an der Grenze zu Belarus zu machen. Dort würden die Flüchtlinge von Russland als Waffe eingesetzt, berichtet Minister Siemoniak. 11 000 polnische Soldaten und Grenzschützer seien im Einsatz. Schon jetzt würden Ausweichbewegungen über die baltischen Staaten Estland, Lettland, Litauen registriert.

Hier will Europa zusammenhelfen. Kommissar Brunner verweist darauf, dass im neuen Haushalt eine Verdreifachung der Mittel für Frontex und Europol vorgesehen sei. Aber man will künftig auch pragmatischer zusammenarbeiten. Der Franzose Retailleau findet: „Das war wirklich eine hervorragende Sitzung.“

Rubriklistenbild: © Ronald Wittek/EPA

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