Möglicher Biden-Rückzug vor US-Wahlen: Beim Datum spielt auch Netanjahus geplanter Besuch eine Rolle
VonBedrettin Bölükbasi
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Sollte Biden seine Kandidatur tatsächlich zurückziehen, will er dies wohl nicht vor dem US-Besuch von Netanjahu machen und dem israelischen Premier so Freude bereiten.
Nun gibt es bereits sogar Spekulation über den Zeitpunkt, wann sich Biden zurückziehen will, nachdem ihn mehr als 35 demokratische Kongress-Mitglieder zum Rückzug aufgerufen haben. Ein entscheidender Faktor beim Datum des möglichen Biden-Rückzugs ist dabei offenbar der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu, wie die US-Zeitung New York Times (NYT) berichtet.
Netanjahu-Besuch in den USA: Biden will sich nicht zurückziehen - noch nicht
US-Präsident Joe Biden (links) trifft sich im Oktober 2023 mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu, um über den Krieg zwischen Israel und der Hamas zu sprechen.
Denn der will schon am Montag (22. Juli) die USA besuchen und am Mittwoch eine Rede vor dem Kongress halten, wo es natürlich um amerikanisch-israelische Beziehungen sowie den Krieg in Israel mit der palästinensischen Hamas gehen dürfte. Eingeladen zur Rede wurde er von Mike Johnson, dem republikanischen Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses. Sofern die Corona-Infektion von Biden es zulässt, ist ein Treffen mit Netanjahu im Weißen Haus geplant. Wie Netanjahus Büro mitteilte, soll das Treffen der beiden Politiker Dienstag gegen Mittag stattfinden.
Laut NYT will Biden nicht vor dem Besuch zurücktreten und während des Besuchs von Netanjahu immer noch Kandidat der Demokraten sein. Der Grund ist nicht gerade eine Zuneigung gegenüber Netanjahu. Ganz im Gegenteil: Biden will dem israelischen Premier mit einem Rückzug aus dem Rennen vor seinem Besuch inmitten ihrer angespannten Beziehungen keine Freude bereiten. Zuvor hatten Berichte des Nachrichtenportals Axios spekuliert, Biden könne dem Druck seiner Parteikollegen schon am Wochenende (20. - 21. Juli) nachgeben.
Krieg in Israel: Angespanntes Verhältnis zwischen Biden und Netanjahu
Nach dem blutigen Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober waren zuerst die USA zur Hilfe geeilt und hatten das israelische Militär mit Waffen sowie Munition für Angriffe auf Hamas-Ziele im Gazastreifen versorgt. Im Laufe der israelischen Bodenoffensive und Luftangriffen, die diese Offensive begleiten, stieg der Anteil der zivilen Opfer im palästinensischen Gebiet allerdings massiv. Israel macht für tote Zivilisten die Hamas verantwortlich. Sie würden als menschlicher Schutzschild eingesetzt werden und die Tunnel der Hamas würden absichtlich unter Krankenhäusern und Schulen durchlaufen.
Die USA riefen das israelische Militär im Laufe der vergangenen Monate immer wieder dazu auf, Rücksicht auf Zivilisten zu nehmen. Die hohe Zahl der zivilen Opfer wurde anerkannt. Worte wurden durch Taten unterstrichen: Als Israel eine Offensive gegen die Stadt Rafah mit mehr als eine Million Flüchtlingen plante, blockierten die USA die Lieferung von ungelenkten Bomben an Israel. Die Begründung: Diese Bomben würden seien nicht präzise und würden massiv Kollateralschäden anrichten. Unter anderem der US-Sender CNN hatte zuvor berichtet, dass Israel gerade diese Bomben massenhaft einsetzt.
Dies wurde von offenbar immer angespannteren Telefongesprächen zwischen Biden und Netanjahu begleitet. Zum Umgang mit dem Gazastreifen gingen die Meinungen weit auseinander. Die USA wollten etwa keine Großoffensive gegen Rafah zulassen. Die rechtsextremen Komponenten der Netanjahu-Regierung wie die Minister Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich beeinträchtigten das Verhältnis zusätzlich. Es ging so weit, dass Netanjahu die USA mit einem Video öffentlich an den Pranger stellte.
Vor dem Gaza-Krieg: Die Geschichte des Israel-Palästina-Konflikts in Bildern
Trump oder Biden? Netanjahu dürfte sich über republikanischen Sieg bei US-Wahl freuen
Sollte nach den Wahlen im November nicht mehr Joe Biden oder ein weiterer Demokrat im Weißen Haus sitzen, sondern der republikanische Kandidat Donald Trump, so dürfte es Netanjahu tatsächlich einfacher haben. Ein ungestört viel härteres Durchgreifen im Gazasteifen wäre die Folge. Trump hatte zu seiner ersten Amtszeit als US-Präsident die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem getragen und erklärt immer stolz, dass er der US-Präsident sei, der sich am meisten für Israel eingesetzt habe.
Zuletzt hatte er Biden außerdem wegen enthaltener Waffenlieferungen an Israel kritisiert und von einer „Schande“ gesprochen. Er warf ihm zudem vor, Israel und Juden im Stich gelassen zu haben. „Wenn Sie Jude sind und für ihn stimmen, sage ich: Schämen Sie sich“, so Trump. Allerdings: Trump zeigt oft, wie unberechenbar er ist. Insofern könnte sich die Lage auch anders als erwartet entwickeln. Fest steht aber, dass sich Netanjahu auf ein Rückzug von Biden sicherlich freuen würde. (bb)