Naher Osten

Terrorgruppe im Krieg mit Israel: Was ist die Hamas – und wie finanziert sie sich?

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Die radikal-islamische Palästinensergruppe Hamas überfiel Israel in einem brutalen Überraschungsangriff, richtete Zivilisten hin und nahm Geiseln. Wer ist die Hamas und wie finanziert sie sich?

Gaza – Der bislang traurige Höhepunkt eines jahrzehntelangen Konflikts: Am Samstag, dem 7. Oktober 2023 griff die Hamas Israel an – und traf eine der stärksten Militärmächte im Nahen Osten damit überraschend. Die radikal-islamische Terrororganisation war offenbar gut vorbereitet und ausgestattet. Woher kam das Geld für den Einmarsch und welche Ziele verfolgt die Hamas?

Das sind die Ziele und Positionen der Hamas

Wörtlich übersetzt bedeutet Hamas „Eifer“, ist auf Arabisch aber auch die Abkürzung für „Islamische Widerstandsbewegung“. Ziel der Terrororganisation ist es, Israel gewaltsam zu zerstören und einen islamischen Staat im Nahen Osten zu errichten. Die Entstehung der Gruppe geht auf das Jahr 1987 zurück, kurz nachdem der erste Palästinenseraufstand – auch Intifada genannt – begann. Zu Beginn ihrer Aktivität handelte die Palästinensergruppe als Wohltätigkeitsorganisation und gewann durch den Aufbau von Schulen und anderen sozialen Einrichtungen an Beliebtheit in der verarmten Bevölkerung. Die Gruppierung besteht aus verschiedenen militärischen Fraktionen, wie etwa den Kassam-Brigaden, die zahlreiche Terroranschläge in Israel verübten.

Ein bewaffneter Hamas-Kämpfer während einer Propaganda-Veranstaltung im Jahr 2005 in Gaza Stadt (Symbolbild).

Wie die Wortwahl in der Charta der Hamas zeigt, richtet sich die Feindschaft gegen Juden und nicht ausschließlich gegen Israelis. Experten von der Bundeszentrale für politische Bildung schätzen die Hamas daher nicht nur als antizionistisch, sondern auch als antisemitisch ein. Das Oslo-Abkommen, das Palästinenser-Präsident Jassir Arafat in den 90er-Jahren mit Israel schloss, lehnt die Hamas klar ab – und damit auch jede Annäherung von Palästinensern und Israelis.

Wie finanziert sich die Hamas und was passiert mit diesem Geld?

Jährlich fließen viele Millionen an die Terrororganisation. Die Behörde für Terrorismusfinanzierung und Finanzkriminalität des US-Finanzministeriums deckte im Mai 2022 auf, dass die Hamas mithilfe eines geheimen Anlageportfolios im Wert von 500 Millionen US-Dollar – mit Beteiligungen von Firmen aus dem Sudan, der Türkei, Saudi-Arabien, Algerien und den Vereinigten Arabischen Emiraten – Geld verdient und wäscht. Laut Wirtschaftswoche sei davon auszugehen, dass dieses Geld auch in die Vorbereitungen auf den Überraschungsangriff auf Israel floss. Angaben des US-Außenministeriums aus dem Jahr 2020 zufolge zahlte der Iran über den Zeitraum von vier Jahren 200 Millionen US-Dollar an die Hamas.

Die Hilfe geht offenbar über Finanzielles hinaus: Neben Millionen an US-Dollar investierte Teheran auch in Ausbildung und Waffen für die Hamas-Kämpfer. Der wohl größte Geldgeber der Terrororganisation ist das Emirat Katar, das US-Angaben zufolge bislang bereits über 1,5 Milliarden Euro an die Organisation überwies, monatlich sollen es 30 Millionen Euro sein. Mit dem Geld finanziert die Hamas unter anderem den Kauf oder die Herstellung von Waffen, den Bau von Tunneln und Infrastruktur, ihre Kämpfer, aber auch Mitarbeiter in den Behörden des Gaza-Streifens. Welche Bedeutung Katar für die Finanzen der Hamas hat, zeigt eine von der Nachrichtenagentur Reuters recherchierte Anekdote: Als sich die Zahlung aus Katar einmal verzögerte, konnte die Terrororganisation offenbar 50.000 Beamten ihre Gehälter nicht bezahlen.

Hamas ist der Staat im Gazastreifen – so fließt das Geld an die Terroristen

Stoppen lassen sich die Transaktionen kaum. Teils wechselt das Geld via Kryptowährungen den Besitzer, teils geht es bar über Verwandte oder andere familiäre Kontakte an die Gruppierung. Oftmals fließen die Zahlungen aber auch über Transaktionen, denn im Gazastreifen ist die Hamas der Staat: Seit 2007 regiert die Terrororganisation den Gazastreifen politisch – ohne demokratische Legitimierung zwar, aber mit offiziellen Konten. Neben den Konten gibt es einen weiteren finanziellen Vorteil der politischen Kontrolle des Gazastreifens: Steuern sind eine weitere Einnahmequelle der Hamas in dem autoritär regierten Gebiet.

Auch die libanesische Miliz Hisbollah greift der Hamas bei der Abwicklung von Transaktionen tatkräftig unter die Arme, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Das ist möglich, da die Miliz den Libanon kontrolliert und damit auch das dortige Finanzsystem. Immer wieder gibt es den Vorwurf, von der Europäischen Union (EU) an Organisationen in Gaza gezahlte Gelder würden auch in Hamas-Hände gelangen. Die EU-Kommission kündigte nun eine „dringende Überprüfung“ dieser Gaza-Hilfen an. Fest steht: Ohne finanzielle Hilfe von außen würde die Hamas nur schwer bestehen können.

Rubriklistenbild: © IMAGO / UPI Photo

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