„Handschlag-Schachspiel“ – Körpersprache-Expertin interpretiert Händedruck zwischen Trump und Putin
VonBettina Menzel
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Für eine Körpersprache-Expertin war der Händedruck von Trump und Putin ein psychologischer Machtkampf auf öffentlicher Bühne.
Anchorage – Der Medienprofi Donald Trump ist bekanntlich auf seine Wirkung bedacht, besonders wenn die Kameras laufen. Berüchtigt ist mittlerweile seine Handschlag-Strategie, die vielfach als Machtspiel interpretiert wurde. Mal drückt er fest zu, ein anderes Mal versucht er sein Gegenüber heranzuziehen und aus dem Gleichgewicht zu bringen. „Trump und die Kunst des super-peinlichen Händedrucks“, titelte die Washington Post einst und attestierte dem US-Präsidenten die Angewohnheit „unbeholfene, intensive und manchmal geradezu seltsame“ Händedrücke zu geben.
Beim Gipfel in Alaska empfing der US-Präsident den Kremlchef Wladimir Putin am Rollfeld des militärischen Stützpunktes Elmendorf-Richardson. Die Inszenierung ließ Spielraum für Interpretationen. Der US-Präsident habe dort gewartet, wie „ein Mittelschüler auf sein erstes Date“ – bis hin zum roten Teppich und der Choreografie. Als der russische Präsident die letzten Meter auf Trump zuging, applaudierte der sogar. Es sei deutlich gewesen, „dass Trump nichts unter Kontrolle hatte, Putin war den ganzen Tag über der Alpha-Mann“, kommentierte die politische Analystin Nicolle Wallace bei MSNBC.
Zwischen Nähe und Machtkampf: Körpersprache verrät ambivalente Botschaften
Eine Körpersprache-Expertin will aus der Interaktion der Staatschefs Ähnliches herausgelesen haben. „Trump hält seine Hand normalerweise gerne oben, aber hier scheint er die Handfläche nach oben zu zeigen – eine schwächere, untergeordnete Position – und signalisiert damit, dass er Putin für mächtiger hält“, sagte Patty Ann Wood gegenüber Newsweek. „Trotzdem verwendet er einen typischen Trump-Trick: Er hält den Händedruck eng an seiner Körpermitte, um sein Gegenüber an sich zu ziehen – eine Machtdemonstration.“
Auch Wärme und Respekt will die von Newsweek beauftragte Expertin zwischen den Politikern erkannt haben. Beide Männer hätten Blickkontakt gehalten und gelächelt, was lasse auf eine Mischung aus Respekt und Selbstbehauptung hindeuten. Die Köpfe seien dich beieinander geblieben, das „zeuge von Wärme“. An einer Stelle tätschelt Trump die Hand von Putin, während er sie mit der anderen fest umschlossen hält. Dieser „doppelte Händedruck“ sei „ein subtiles Zeichen der Dominanz – symbolisch: ‚Ich könnte dich schlagen, wenn ich wollte‘“, so Wood weiter. „Putin reagiert darauf.“
„Schachspiel mit Händedruck“: Expertin deutet Machtkampf zwischen Putin und Trump
Man sieht ein kurzes „Gerangel“, die Hände bewegen sich hin und her. Das Gesicht des US-Präsidenten bleibt ernst, während bei dem Kremlchef ein leichtes Lächeln mitzuschwingen scheint. „Es ist ein Schachspiel mit Händedruck“, erklärt die Körpersprache-Expertin weiter. Ein auf der Plattform X geteiltes Video von dem Moment ist auch noch in einem anderen Punkt aufschlussreich. Aus dem Hintergrund hört man Zurufe wie „Präsident Putin, werden Sie aufhören Zivilisten zu töten?“. Diese Frage zum Ukraine-Krieg provoziert den russischen Präsidenten offenbar so, dass er eine Geste macht, die sagen will: Ich kann Sie leider nicht verstehen.
🔥🚨BREAKING: President Trump and President Putin just shook hands for the first time in six years. pic.twitter.com/RCfEWFzKnS
— Dom Lucre | Breaker of Narratives (@dom_lucre) August 15, 2025
Unterm Strich kommt Putin beim Händeschütteln mit Trump mit Blick auf die Außenwirkung recht gut davon, anders als in der Vergangenheit etwa der frühere japanische Premierminister Shinzō Abe. Die Körpersprache-Expertin fasst das Treffen so zusammen: „Es wirkte, als würden sich zwei alte Freunde nach langer Zeit wiedersehen.“ Wie zum Beweis hatte Trump seinen „doppelten Händedruck“ bislang besonders bei „guten Freunden“ angewendet, etwa dem früheren Präsidenten Brasiliens, Jair Bolsonaro. Wichtiger als Gesten sind jedoch die eigentlichen Beschlüsse des Gipfels. Konkrete Ergebnisse wurden zunächst nicht bekannt. Trump beharrt aber plötzlich nicht mehr auf einem sofortigen Waffenstillstand.