„Hatte nichts unter Kontrolle“

Putin war „der Alpha“: Moderatorin kritisiert Trumps Verhalten bei Alaska-Gipfel

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Das Alaska-Treffen endete ohne Ergebnis, doch mit symbolträchtigen Bildern: Putin nutzte die Bühne – und ging laut Analysten gestärkt hervor.

Anchorage – Das Urteil über das Treffen von US-Präsident Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Freitag (15. August) im Westen lautet mehrheitlich: Der Kremlchef geht gestärkt daraus hervor. Die politische Analystin, frühere strategische Beraterin der Republikaner und Journalistin, Nicolle Wallace, kommt im Gespräch mit MSNBC zu einem harten Fazit. Trump habe auf dem Rollfeld gewartet, wie „ein Mittelschüler auf sein erstes Date“ – bis hin zum roten Teppich und der Choreografie. Es sei deutlich gewesen, „dass Trump nichts unter Kontrolle hatte, Putin war den ganzen Tag über der Alpha-Mann.“

US-Präsident Donald Trump und der russische Präsident Wladimir Putin beim Alaska-Gipfel am 15. August 2025.

„Ich habe Dutzende von Auslandsreisen mit dem Präsidenten unternommen“, so Wallace über ihre Reisen mit George W. Bush, „und es kommt sehr selten vor, dass ein roter Teppich ausgerollt wird, man dann auf eine Plattform steigt und gemeinsam die Treppe hinunter zu einer Limousine geht.“ Sie sage nicht, dass so etwas noch nie vorgekommen sei, „aber es ist so selten, dass ich mich nicht daran erinnern kann“, so die Analystin weiter. Trump hatte auf dem Rollfeld der Militärbasis Joint Base Elmendorf-Richardson in Alaska auf Putin gewartet. Als der Kremlchef die letzten Meter auf ihn zukam, applaudierte der US-Präsident sogar.

Fernsehproduktion statt Diplomatie? Analystin zerlegt den Alaska-Gipfel

Die Tatsache, dass es keine Reporter gab, sei nicht die Entscheidung des US-Präsidenten gewesen, meint Wallace. „Stellen Sie sich nicht zwischen Donald Trump und eine Schar von Reportern“, so die Analystin mit einem Augenzwinkern und spielte damit auf die ausgeprägte Mediennähe des US-Präsidenten an. „Es ist unmöglich, dass es Donald Trumps Entscheidung oder Wunsch war, keine Fragen zu beantworten. Er hätte noch bis 21 Uhr Ostküstenzeit geredet, wenn er irgendetwas von dem, was heute passiert ist, unter Kontrolle gehabt hätte“, meint Wallace.

Weder ein konkreter Beschluss noch Details der Verhandlungen wurden zunächst öffentlich. Trump beharrte plötzlich auch nicht mehr auf einem sofortigen Waffenstillstand. Das Fazit der Analystin war deshalb: „Für Trump war das eine Fernsehproduktion, die zwar unterschiedliche Motive hatte, aber eines davon war, das Diskussionsthema zu wechseln, was auch gelungen ist, denn wir alle haben heute darüber berichtet“, meint Wallace. Zuletzt konnte der US-Präsident über Wochen hinweg die öffentliche Debatte über seinen Umgang mit den Epstein-Akten nicht abschütteln.

Ultimatum verpufft: Putin diktiert das Tempo beim Alaska-Gipfel

Auch andere Analysten äußerten sich in ähnlicher Weise. „Kein wirklicher Fortschritt – ganz klar 1:0 für Putin – keine neuen Sanktionen“, kommentierte der Diplomat Wolfgang Ischinger auf der Plattform X. Ursprünglich hatte der US-Präsident dem Kremlchef ein Ultimatum gesetzt und Strafzölle angedroht. Davon war plötzlich keine Rede mehr. „Putin musste sich auf keinen sofortigen Waffenstillstand einlassen, dennoch wird es deshalb keine, wie von Trump angekündigt, Verschärfung der Sanktionen geben“, sagte der Militärexperte Carlo Masala dem Spiegel.

Der Minderheitsführer im US-Senat, Chuck Schumer, sagte: „Wir befürchten, dass es keine Diplomatie war, sondern reines Theater.“ Trump habe „dem autokratischen Schurken Wladimir Putin den roten Teppich ausgerollt“ und dem Russen Legitimität auf einer internationalen Bühne verliehen und keinerlei Rechenschaftspflicht abverlangt, so Schumer weiter. Putin hatte bei dem Treffen immer wieder die gute Nachbarschaft der beiden Länder Russland und USA betont. Der Kremlchef durfte zudem als erster sprechen, obwohl er Gast war – ungewöhnlich bei einem solchen Gipfel. Am Ende entstanden Bilder, die für ihn noch lange nachwirken werden.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Sergey Bobylev / SNA

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