VonFelix Busjaegerschließen
Eine Fregatte aus Russland wurde in die Ostsee verlegt. Die „Admiral Grigorovich“ gilt als starkes Kriegsschiff von Präsident Putin und kann nicht zur Krim zurück.
Moskau/Pillau – Sie spielte bereits 2014 bei der Annexion der Krim eine wichtige Rolle und ist wohl auch im Ukraine-Krieg für Russland ein wichtiger Baustein in der Kriegsplanung: Wladimir Putins Schwarzmeerflotte. Zwar nehmen die Kriegsschiffe seit des russischen Überfalls auf die Ukraine im Februar 2022 auch an Kampfhandlungen teil, allerdings müssen Putins Admiräle dabei ohne ein Flaggschiff auskommen. Die Fregatte „Admiral Grigorovich“ befand sich die vergangenen Monate wegen eines Durchfahrtsverbots im Mittelmeerraum. Nun folgt die neuste Entwicklung: Das Schiff wurde in die Ostsee verlegt. Die Fregatte gilt als modernes Kriegsschiff mit Marschflugkörpern und Flugabwehrwaffen.
Russlands Flotte in der Ostsee wird stärker: „Admiral Grigorovich“ kann wegen Ukraine-Krieg nicht zur Krim zurück
Ist das eine mögliche Wende im Ukraine-Krieg? Mutmaßlich nicht: Während zahlreiche Truppenbewegungen Russlands vom Westen argwöhnisch beäugt und auf einen möglichen Einfluss auf das aktuelle Kriegsgeschehen interpretiert werden, hat die Verlegung des Kriegsschiffs einen einfachen Grund: Russland hat mutmaßlich keine andere Wahl. Das Typschiff der „Admiral Grigorovich“-Klasse hat nämlich seit Ausbruch des Kriegs in der Ukraine eine bewegte Geschichte hinter sich: Während die Schwarzmeerflotte während der ersten Kriegsmonate ohne ihr Flaggschiff auskommen musste, unterstützte die Fregatte das Geschwader im Mittelmeer.
Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet, war eine Rückkehr aufgrund des Vertrags von Montreux nicht möglich. Dass das Schiff nun in der Ostsee aufgetaucht ist, ist demnach eine logische Folge. Da Putins Streitkräfte im Mittelmeer über keine sicheren Häfen verfüge, musste das Schiff wegen des Durchfahrtsverbots am Bosporus in die Ostsee geholt werden, wird Sebastian Bruns vom Kieler Institut für Sicherheitspolitik zitiert. Denn die „Admiral Grigorovich“ teilt das Schicksal vieler Flaggschiffe Russlands: Das Schiff muss in einer Werft überholt werden. Naheliegender Hafen ist Kaliningrad – dort wurde die Fregatte auch von 2010 bis 2016 gebaut.
Schwarzmeerflotte von Russland: Im Nordmeer liegen zahlreiche marode Kriegsschiffe von Putin
Seit der Eskalation des Ukraine-Kriegs gab es immer wieder Nachrichten über Putins Schwarzmeerflotte. In der Regel wurde darüber berichtet, dass die russische Marine größtenteils marode und nicht einsatzfähig sei. Der Atomkreuzer „Pjotr Weliki“ steht wohl wegen Reparaturkosten vor dem Ende. Tass, die staatliche Nachrichtenagentur Russland, berichtete im April von einem möglichen Wartungsstau, der sich zur Kostenfalle entwickelt hätte. Wenig später wurden die Nachrichten von einer anderen Nachrichtenagentur revidiert – die Frage nach der Einsatzfähigkeit von Wladimir Putins Flotte bleibt allerdings. Derweil ist die Ostsee zu einem Schauplatz eines neuen „Kalten Kriegs“ geworden: Immer wieder fangen sich Kampfjets der angrenzenden Nationen gegenseitig ab.
Flaggschiff der Schwarzmeerflotte: Das ist die Admiral Grigorovich
Putins Marine hat zahlreiche Kriegsschiffe, die in verschiedene Flotten aufgeteilt sind. Im Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg ist besonders die Schwarzmeerflotte gefordert. Die „Admiral Grigorovich“ ist dabei eine Fregatte, die seit 2016 im Dienst von Russland steht. Eigentlich ist sie auf der Krim stationiert. Das Schiff ist knapp 125 Meter lang und hat knapp 200 Besatzungsmitglieder. Bei der Bewaffnung setzt die Marine auf mehrere Abschussvorrichtungen für Lenkwaffen des Typs Kalibr und Flugabwehrraketen. Hinzu kommen Wasserbomben und Torpedos.
Die russische Schwarzmeerflotte steht seit Ausbruch des Ukraine-Kriegs im Zusammenhang diverser Kriegshandlungen. Unter anderem sollen die Schiffe in der Nähe der Krim und der sogenannten Schlangeninsel operieren. Für Aufsehen sorgte der Untergang des Flaggschiffs Moskwa am 14. April nach einem ukrainischen Angriff. Erst Anfang 2023 stand Russlands einziger Flugzeugträger, die „Admiral Kusnezow“, in den Schlagzeilen. Das Schiff befindet sich ebenfalls seit längerer Zeit in Reparaturdocks und soll sich nach mehreren Zwischenfällen in einem kritischen Zustand befinden und nicht seetüchtig sein.
„Admiral Grigorovich“ gehört zur Schwarzmeerflotte: Putins Marine spielt im Ukraine-Krieg keine Rolle
Die jetzige Verlegung der „Admiral Grigorovich“ in die Ostsee ging einher mit einem großen Seemanöver Russlands: Zwei Korvetten der Baltischen Flotte und ein Tanker der Nordflotte begleiteten das Kriegsschiff. Während der Westen und die Nato die aktuellen Flottenmanöver Russlands ganz genau beobachten, gibt es in den vergangenen Wochen immer wieder neue Entwicklungen bei Putins Schiffen. Abseits des Landkriegs in der Ukraine, in dem zuletzt die Gegenoffensive der Ukrainer Russlands Streitkräfte unter Druck setzte und sogar die Wagner-Gruppe Bachmut aufgegeben haben soll, werden immer wieder in den angrenzenden Gewässern der Ostsee russische Schiffe gesichtet.
Auch im Zusammenhang mit den möglichen Anschlägen auf die Gaspipeline Nord-Stream im vergangenen Jahr verdichteten sich zuletzt die Indizien, dass russische Schiffe zuvor „auffällige“ Manöver in der Region gefahren waren. Dennoch stellen Experten nach knapp einem Jahr Ukraine-Krieg fest, dass Putins Kriegsmarine kaum eine nennenswerte Rolle im Konflikt gespielt hat. (febu)
