Prokurdische Partei

HDP in der Türkei: Die linke und progressive Kraft im türkischen Parlament

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Die HDP versteht sich als linke und progressive Partei.
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Die türkische Partei HDP wurde erst im Jahr 2012 gegründet. Sie setzt sich für Minderheitenrechte und Gleichberechtigung ein. Ein Überblick.

Ankara – Gegründet wurde die HDP „Halklarin Demokratik Partisi“ HDP (übersetzt: Demokratische Partei der Völker) im Jahr 2012. Im April 2014 traten 27 Abgeordnete des Parlaments der Barış ve Demokrasi Partisi (BDP) der HDP bei. Damit gewann die neugegründete Partei landesweite Bedeutung. Der Schritt markierte auch die Fusion beider Parteien.

Name Halkların Demokratik Partisi
AbkürzungHDP
ÜbersetzungDemokratische Partei der Völker
Gründung15. Oktober 2012
AusrichtungMinderheitenrechte, Gleichberechtigung

HDP als linke Partei, die auch von ethnischen Türken gewählt wird

Die HDP versteht sich als eine linke Partei, die alle Bevölkerungsgruppen des Landes erreichen will. Zu ihren Zielen gehört unter anderem, sich für Minderheitenrechte einzusetzen, insbesondere die der Kurden. Auch die Rechte der Frauen in der Türkei und die Gleichberechtigung sind zentrale Themen der HDP.

Die HDP gehört zu den jüngeren Parteien in der Türkei. Gegründet wurde sie 2012 als eine Dachorganisation verschiedener kurdischer, linker sowie alternativer Parteien. Erstmals trat die Partei im Juni 2015 zu einer Parlamentswahl an und bekam dabei 13,1 Prozent der Stimmen. Es war das erste Mal, dass eine pro-kurdische Partei in der Türkei mehr als zehn Prozent erhielt und damit die Sperrklausel („Zehn-Prozent-Hürde“) für den Einzug in das Parlament überschritt. Damals hatten auch viele ethnische Türken der HDP ihre Stimme gegeben, um ein Gegengewicht zur Regierungspartei AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan zu schaffen. 

Die HDP in der Türkei: Erdogan und AKP üben Druck auf Abgeordnete aus

Im Mai 2016 setzte die AKP-Regierung ihren Druck auf die HDP fort und entzog insgesamt 138 Abgeordneten die Immunität, darunter 50, die der HDP angehörten. Seither laufen gegen mehrere Abgeordnete der HDP Verfahren, unter anderem wegen der Unterstützung der kurdischen PKK. Ins Visier gerieten damals auch die ehemaligen Co-Vorsitzenden der HDP, Selahattin Demirtaş und Figen Yüksekdağ. Sie sitzen seit 2016 in Untersuchungshaft.

Bei den Parlamentswahlen am 24. Juni 2018 kam die HDP auf 11,8 Prozent und wurde hinter der Regierungspartei AKP und Oppositionspartei CHP zur drittgrößten Fraktion im Parlament. Der Wahlkampf der HDP wurde von heftigen Repressionen begleitet. Die Online-Zeitung Birgün schreibt unter Berufung auf die HDP, dass es sechs Wochen vor der Parlamentswahl 2018 mindestens 57 Angriffe auf ihre Wahlkampfveranstaltungen gab. In dieser Zeit wurden zudem 208 HDP-Mitglieder festgenommen.

Druck auf die HDP in der Türkei wird zusehends größer

Auch auf kommunaler Ebene wurde der Druck auf die HDP immer weiter erhöht. Nach den Kommunalwahlen 2019 in der Türkei wurden 65 HDP-Mitglieder zu Bürgermeistern gewählt. 47 von ihnen wurden durch die AKP-Regierung abgesetzt und durch sogenannte Zwangsverwalter ersetzt. Auch ihnen wirft Ankara Terrordelikte vor.  

Im September 2020 wurden die Repressionen gegen die HDP nochmals angezogen. In einer Verhaftungswelle wurden zahlreiche HDP-Politiker festgenommen. Damals wurden Haftbefehle unter anderem gegen zahlreiche ehemalige Abgeordnete und Bürgermeister der HDP erlassen, unter anderem gegen den Co-Bürgermeister der Stadt Kars, Ayhan Bilgen und die früheren Parlamentsabgeordneten Sırrı Süreyya Önder, Ayla Akat Ata und Emine Ayna.

Wahlergebnisse der HDP in der Türkei – Parlamentswahlen

JahrStimmen in %
Juni 201513,1
November 201510,8
201811,7

Wahlergebnisse der HDP in der Türkei – Präsidentschaftswahlen

Jahr (Kandidatin)Stimmen in %
2014 (Selahattin Demirtaş)9,8
2018 (Selahattin Demirtaş)8,4

Verbotsantrag gegen die HDP in der Türkei

Am 17. März 2021 reichte der türkische Generalstaatsanwalt Bekir Şahin beim Verfassungsgericht einen Verbotsantrag gegen die HDP ein. Şahin wirft der HDP „terroristische Aktivitäten“ vor. Im Juli 2022 war der deutsche Generalbundesanwalt Peter Frank auf Einladung seines türkischen Amtskollegen für drei Tage in die Türkei gereist. Erst durch eine parlamentarische Anfrage der Bundestagsabgeordneten Gökay Akbulut wurden Details dazu bekannt gegeben. 

HDP unterstützt bei der Türkei-Wahl 2023 den CHP-Vorsitzenden Kemal Kılıçdaroğlu

Vor der Türkei-Wahl 2023 vereinbarten die HDP, die Arbeiterbewegungspartei Emekçi Hareket Partisi sowie die Gesellschaftliche Freiheitspartei Toplumsal Özgürlük Partisi, für die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen geeint auf der Liste der Grün-Linken Partei (YSP) anzutreten. Ziel war, das Bündnis des Oppositionsführers Kemal Kılıçdaroğlu zu stärken. Die YSP erreichte bei der Parlamentswahl 8,8 Prozent der Stimmen.

Zudem stellte die HDP keinen eigenen Präsidentschaftskandidaten auf. Nach der Ernennung von Kılıçdaroğlu zum Präsidentschaftskandidaten des Oppositionsbündnisses „Sechser Tisch“ unterstützte die HDP den CHP-Vorsitzenden. „Wir wollen nur Demokratie und Gerechtigkeit. Deswegen unterstützen wir Kemal Kılıçdaroğlu“, teilte der Co-Vorsitzende der HDP, Mithat Sancar, auf Twitter mit.

Im ersten Wahlgang am 14. Mai 2023 konnte keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit der Stimmen erzielen. So kam es zur Stichwahl zwischen dem Amtsinhaber Erdoğan und Kemal Kılıçdaroğlu am 28. Mai 2023. Diese konnte Erdoğan knapp für sich entscheiden. (erpe)

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