Heitere Laune: Linke präsentiert sich vor Bundestagswahl zuversichtlich
VonSimon Schröder
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Kurz vor der Bundestagswahl konnte die Linke in den Umfragen zulegen. Bei der Wahlkampfendveranstaltung in Berlin gab sich die Partei selbstbewusst.
Berlin – Jan van Aken, Spitzenkandidat der Linken, hat seine grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, im Falle eines Einzugs seiner Partei in den Bundestag an einer Regierung mitzuwirken. Beim Wahlkampfabschluss in einer Kinohalle in Friedrichshain, Berlin, erklärte er: „Leute, wenn es reicht am Sonntagabend: Ich bin zu Koalitionsgesprächen bereit.“
Obwohl der Slogan der Partei „Alle wollen regieren. Wir wollen verändern.“ lautet, betonte van Aken, dass dies nicht bedeute, die Linke wolle grundsätzlich nicht mitregieren. Der Fokus liege jedoch zunächst auf der Vertretung im Bundestag, wofür die Partei bis zur Wahl am Sonntag kämpfe. Trotz guter Umfragewerte sei „noch nichts gewonnen“.
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Laut dem ZDF-Politbarometer vom Donnerstag erreichte die Linke acht Prozent, was einen deutlichen Zuwachs im Vergleich zur Bundestagswahl 2021 darstellen würde, als sie die Fünf-Prozent-Hürde nicht schaffte und nur knapp über Direktmandate in den Bundestag einzog. Auch in anderen Umfragen liegt die Partei zwischen sieben und acht Prozent.
Habeck über mögliche Koalition zwischen SPD, Grüne und Linke vor der Bundestagswahl
Robert Habeck, Kanzlerkandidat der Grünen, schloss eine Koalition mit den Linken und der SPD nicht aus. Dabei sieht der Vizekanzler große Übereinstimmungen mit den Interessen der Linkspartei. Aber Habeck erklärte auch: „Die Linke sagt, nie reden wir mit der Union. Und das verbietet sich aus meiner Sicht für uns.“ Sollten die Linken weiter an Momentum vor der Bundestagswahl gewinnen und die Union weiter absacken, könnten sich Mehrheiten für eine rot-rot-grüne Koalition ergeben. Aktuell sieht es jedoch eher unrealistisch aus. Laut der Ipsos-Umfrage vom Freitag (21. Februar) würden der Koalition 60 Mandate für eine Mehrheit im Bundestag fehlen.
Heidi Reichinnek, Co-Spitzenkandidatin, betonte die Herausforderungen im Kampf gegen rechte Kräfte im Bundestag. „Das ist alles kein Selbstläufer“, sagte sie und verwies auf die Annäherung der Union von Friedrich Merz an die AfD. „Dieser Dammbruch ist ja nicht irgendwas“, kommentierte sie den Vorfall, bei dem die Unionsfraktion einen Antrag zur Migration mit AfD-Stimmen durchbrachte.
Gysi spricht vor der Bundestagswahl von einer „neuen Aufgabe“ für die Linke
Gregor Gysi, Spitzenkandidat in Berlin, sprach von einer „neuen Aufgabe“ für die Linke. Er beschrieb die Partei als „lebendig wie schon lange nicht mehr“ und hob hervor, dass trotz des Verlusts von 200 Mitgliedern 20.000 Neueintritte verzeichnet wurden. Diesen Schwung müsse die Linke nutzen, um sich von anderen Parteien abzuheben.
Gysi betonte, die Partei solle nicht nur für Rentnerinnen und Rentner da sein, sondern auch junge Menschen vertreten. Er wagte einen Ausblick auf seine mögliche Rolle im Parlament: „Wenn ich wirklich in den Bundestag einziehen sollte, also am Sonntag gewählt werden sollte, dann bin ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Alterspräsident des Bundestages.“ Damit wäre er der dienstälteste Parlamentarier. (sischr/dpa)