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Israels Armee startet die Bodenoffensive in Gaza-Stadt. Trotz Evakuierungsaufforderung sind Millionen Zivilisten dort, das DRK warnt eindringlich.
Isreals Armee hat mit der breit angelegten Bodenoffensive in Gaza-Stadt begonnen und will mit „eiserner Faust“ gegen die Hamas vorgehen, wie Verteidigungsminister Israel Katz ankündigte. „Gaza brennt“, sagte er in martialischen Worten. Zuvor forderte die israelische Regierung die Menschen in der Stadt zur Evakuierung auf, sie sollten sich nach Süden begeben. Hunderttausende sind diesem Appell jedoch nicht gefolgt. Die humanitäre Lage vor Ort ist katastrophal, warnt nun das Deutsche Rote Kreuz (DRK).
Israel und der Krieg in Gaza: Vor allem die Zivilbevölkerung leidet
„Einmal mehr ist es vor allem die Zivilbevölkerung, die unter den aktuellen Entwicklungen im Gazastreifen leidet“, konstatiert Christof Johnen, Leiter Bereich Internationale Zusammenarbeit beim Deutschen Roten Kreuz, gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. „Die Kampfhandlungen betreffen vor allem Gaza-Stadt, wo trotz der katastrophalen Situation immer noch etwa eine Million Menschen leben“, so Johnen. Das DRK liefert seit Kriegsbeginn Hilfsgüter und arbeitet mit seinen Schwestergesellschaften des palästinensischen Halbsmonds sowie der israelischen Hilfsorganisation Magen David Adom zusammen. Jedoch kommen viele Hilfsgüter gar nicht erst bei den Menschen an.
„Neben dramatischen Versorgungsengpässen und Hunger, erleben sie nun täglich Bombardierungen und sich intensivierende Kampfhandlungen“, beschreibt Johnen vom DRK die Lage der Zivilbevölkerung vor Ort. „Wer kann, flieht nun in den südlichen Gazastreifen, doch auch dort sind die Unterbringungsmöglichkeiten und Hilfsstrukturen vollkommen unzureichend, die Flucht oftmals gefährlich. Alte, kranke und mobilitätseingeschränkte Menschen können oftmals gar nicht fliehen, sie müssen nun besonders geschützt werden“, so der DRK-Experte.
Israel will Hamas zerstören und Geiseln im Gazastreifen befreien
Am Montag begann Israels Armee mit Bombenangriffen auf die Stadt und verfolgt laut Regierung das Ziel, durch die Zerstörung der terroristischen Infrastruktur die Voraussetzung für die Freilassung der noch immer in Hamas-Gefangenschaft befindlichen Geiseln zu erreichen. Am 7. Oktober 2023 löste die Hamas mit einem Terrorangriff in nie dagewesenem Ausmaß auf Israel den seitdem laufenden Krieg im Gazastreifen aus. Hamas-Leute töteten dabei 1200 Israelis, darunter größtenteils Zivilisten. Nach israelischen Angaben geht die Regierung von heute noch 20 lebenden Geiseln in der Gewalt der Hamas aus.
Beim Angriff Israels leiden vor allem unbeteiligte Menschen, so die seit Monaten andauernde internationale Kritik an Israels rechter Regierung. „Die Berichte, die uns dazu von unserer Schwestergesellschaft, dem Palästinensischen Roten Halbmond, und vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz, erreichen, sind schockierend und teilweise schwer in Worte zu fassen“, so Johnen zur zivilen Lage. „Immer wieder geraten auch die Gesundheitseinrichtungen und Rettungsfahrzeuge des Palästinensischen Roten Halbmonds unter Beschuss, ihr Betrieb ist aufgrund der Kampfhandlungen stark eingeschränkt.“ Zuletzt wurden dem DRK-Experten zufolge Gebäude des Al-Quds Krankenhauses des Palästinensischen Roten Halbmonds durch Beschuss stark beschädigt. „Eine der letzten funktionalen Gesundheitseinrichtungen in der Stadt“, so Johnen. „Besorgniserregend ist dabei, dass humanitär Helfende im Einsatz immer wieder verwundet oder sogar getötet werden.“
Rotes Kreuz appelliert: „Humanitäres Völkerrecht respektieren“
Dass sich die humanitäre Situation durch die neue Offensive abermals verstärkt, ist laut DRK „untragbar“. Johnen appelliert deshalb an alle Beteiligten: „Die Konfliktparteien müssen das humanitäre Völkerrecht respektieren und Hilfe nach humanitären Prinzipien zulassen. Die Menschen im Gazastreifen haben ein Recht auf ein Leben in Würde: ausreichender Zugang zu Nahrung, medizinische Versorgung und sichere Unterkünfte.“ (Quellen: DRK, eigene Recherchen, dpa) (MoMai)
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