Böse Überraschung beim Antritt?

Scholz teilt im „Sommerinterview“ gegen Merkel aus – und macht Corona-Hoffnung

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Bundeskanzler Olaf Scholz beim Sommerinterview in der ARD.
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Unter Angela Merkel amtierte Olaf Scholz als Vizekanzler. Im „Sommerinterview“ der ARD zeigt sich der Neue im Kanzleramt dennoch überrascht von der Arbeit der GroKo.

Berlin - Kanzler Olaf Scholz (SPD) hat sein „Sommerinterview“ mit der ARD absolviert. Darin schloss er angesichts steigender Preise weitere Entlastungen für die Bürgerinnen und Bürger aus. Die Preisexplosion gerade bei den Energiepreisen sei „sozialer Sprengstoff“, so Scholz. Wenn die Heizrechnung plötzlich um ein paar hundert Euro steige, dann sei das eine Summe, die viele nicht wirklich bewältigen könnten.

Eine Teilverantwortung für die aktuelle Energie-Krise suchte Scholz bei Vorgängerin Angela Merkel (CDU) - und auch mit der Corona-Politik der Kanzlerin a.D. will der SPD-Politiker offenbar in Teilen brechen. Kritik sah sich Scholz unter anderem wegen eines Auftritts nach dem G7-Gipfel ausgesetzt. Vorwürfe arroganten Auftretens wies er aber zurück.

Scholz in der ARD: Weitere Entlastungen möglich

Der Bundeskanzler verwies in dem Gespräch mit ARD-Journalistin Tina Hassel darauf, dass seine Regierung die Bürgerinnen und Bürger bereits um 30 Milliarden Euro entlastet habe. Die Wirkung dieser Entlastungspakete müsse nun zunächst einmal abgewartet werde. Klar sei aber auch: „Wir müssen jetzt weitermachen.“ Seine Regierung werde sich weiter mit Entlastungen beschäftigen müssen, und werde das auch tun.

Die in Schieflage geratenen Gasversorger werden laut Scholz bereits unterstützt. Staatliche Kredite an Versorger trügen dazu bei, „dass die Preise noch nicht durchgeschlagen sind“. Mit Blick auf den in den größten deutschen Gasimporteur Uniper sagte Scholz: „Wir prüfen jetzt mit dem Unternehmen zusammen, was man tun kann.“

Scholz‘ im ARD-Sommerinterview: Kanzler sauer über Berichte zu „konzertierter Aktion“

Einen Termin für eine weitere Entlastungsrunde wollte Scholz allerdings nicht nennen. Er verwies auf den für Montag (4. Juli) geplanten Start der so genannten konzertierten Aktion, einer längerfristig angelegten Gesprächsreihe mit Gewerkschaften und Arbeitgebern über den Kampf gegen die Inflation. Zu dem von DGB-Chefin Yasmin Fahimi vorgeschlagenen „Energiepreisdeckel“ zur Entlastung der Haushalte wollte sich der Kanzler noch nicht äußern.

Scholz wies zudem Berichte zurück, wonach er eine steuerfreie Einmalzahlung an Arbeitnehmer im Kampf gegen die Inflation favorisiere. Diese gingen zurück auf eine Zeitung, „die irgendwas von irgendwem aufgeschnappt hat“, kritisierte er. Niemand schlage vor, dass im Gegenzug für eine Einmalzahlung „die eigentlichen Lohnerhöhungen ausbleiben sollen“, sagte er.

ARD-Sommerinterview mit Bundeskanzler Scholz: Kritik an Merkel - trotz eigener GroKo-Beteiligung

Mit Blick in die Zukunft sagte Scholz, dass das kommende Jahr angesichts der steigenden Preise „die größte Herausforderung“ sein werde. Seine Regierung tue „alles, was möglich ist, damit die Energieversorgung weiter funktioniert“.

Der Kanzler sagte allerdings zugleich, dass Deutschland nicht gut auf einen Stopp der Gaslieferungen aus Russland vorbereitet sei. Bei seinem Amtsantritt im Dezember habe er „festgestellt, dass es keinerlei Vorbereitung für den Fall gegeben hat, das so etwas passiert“. Damit kritisierte Scholz die CDU-geführte Vorgängerregierung von Angela Merkel, der er selbst als Vizekanzler angehört hatte.

Angela Merkel: Die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel (CDU) im Scheinwerferlicht
Die Kanzlerin im Scheinwerferlicht: Angela Merkel (CDU) hat eine beeindruckende Karriere vorzuweisen. © Ina Fassbender/dpa
Helmut Kohl und Angela Merkel beim Parteitag der CDU
Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) und seine damals neu gewählte Stellvertreterin, Frauenministerin Angela Merkel (CDU) bei einem Parteitag. (1991) © Michael Jung/dpa
Gerhard Schröder und Angela Merkel geben sich die Hand
Der bisherige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) übergibt das Bundeskanzleramt an die neue Kanzlerin Angela Merkel (CDU). (2005) © Peer Grimm/dpa
Angela Merkel (CDU) trifft europäische Staatsmänner beim Euro-Gipfel zur Finanzkrise in Paris
Angela Merkel (CDU) spricht mit dem niederländischen Minister Jan Peter Balkenende and dem belgischen Prime Minister Yves Leterme beim Euro-Gipfel zur Finanzkrise in Paris. (2008) © Dolega/dpa
2009 wird Angela Merkel (CDU) zum zweiten Mal als Bundeskanzlerin vereidigt
Angela Merkel (CDU) wird in Berlin zum zweiten Mal als Bundeskanzlerin vereidigt. (2009) © Michael Hanschke/dpa
Angela Merkel (CDU) und Queen Elizabeth II. unterhalten sich bei einem Klimagipfel in London
Angela Merkel (CDU) und Queen Elizabeth II. unterhalten sich bei einem Klimagipfel in London. (2009) © dpa
Angela Merkel (CDU) und US-Präsident Barack Obama mit der Freiheitsmedaille in Washington
Angela Merkel (CDU) erhält die Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung der USA, von US-Präsident Barack Obama in Washington. (2011) © Rainer Jensen/dpa
Angela Merkel (CDU) stimmt bei der Abstimmung zum Energiegesetz für den Atomausstieg
Angela Merkel (CDU) stimmt bei der Abstimmung zum Energiegesetz für den Atomausstieg. (2011) © Michael Kappeler/dpa
Shinzo Abe, Angela Merkel (CDU), Wladimir Putin, David Cameron und Barack Obama beim G8 Gipfeltreffen
Die Teilnehmer des G8 Gipfeltreffens, der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe (l-r), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der russische Präsident Wladimir Putin, der britische Ministerpräsident David Cameron und US-Präsident Barack Obama. (2013) © Tim Brakemeier/dpa
Angela Merkel (CDU) legt im Bundestag in Berlin den Amtseid ab.
Angela Merkel (CDU) legt am im Bundestag in Berlin beim Parlamentspräsidenten Norbert Lammert (CDU) zum dritten Mal den Amtseid ab. (2013) © Michael Hanschke/dpa
Angela Merkel (CDU) und Joachim Gauck (parteilos) mit der deutschen Nationalmannschaft beim Gewinn des Weltmeistertitels
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der damalige Bundespräsident Joachim Gauck (parteilos) jubeln nach dem Gewinn des Weltmeister-Titels in der Kabine des Maracana-Stadions mit den deutschen Nationalspielern. (2014) © Guido Bergmann/dpa
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) macht ein Selfie mit einem Migranten
Angela Merkel (CDU) besucht eine Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und macht ein Selfie mit einem Migranten. Ihr Satz „Wir schaffen das“ bleibt eng mit ihrer Kanzlerschaft verbunden. (2015) © Bernd von Jutrczenka/dpa
Angela Merkel (CDU) ist auf dem Cover der ersten deutschsprachigen Ausgabe der französischen Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo
Angela Merkel (CDU) ist auf dem Cover der ersten deutschsprachigen Ausgabe der französischen Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo. (2016) © Christian Charisius/dpa
Angela Merkel (CDU) bei einer Privataudienz mit Papst Franziskus
Angela Merkel (CDU) schüttelt die Hand von Papst Franziskus bei einer Privataudienz im Vatikan. (2017) © dpa
Angela Merkel (CDU) verneigt sich am Sarg von Helmut Kohl (CDU) beim europäischen Trauerakt für den verstorbenen Altkanzler im EU-Parlament in Straßburg
Angela Merkel (CDU) verneigt sich am Sarg von Helmut Kohl (CDU) beim europäischen Trauerakt für den verstorbenen Altkanzler im EU-Parlament in Straßburg. (2017) © dpa
Angela Merkel (CDU) spricht bei einem Wahlkampfauftritt in Siegen
Angela Merkel (CDU) spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung für die Bundestagswahl in Siegen. Der Name ist Programm: „Mutti“ wird zum vierten Mal zur Kanzlerin gewählt. (2017) © Oliver Berg/dpa
Angela Merkel (CDU) steckt eine Kerze an der Berliner Mauer in den Sand.
Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls steckt Angela Merkel (CDU) eine Kerze an der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße in den Sand. (2019) © Michael Kappeler/dpa
Angela Merkel (CDU) und Donald Trump beim Nato Gipfel in London
Angela Merkel (CDU) und der damalige US-Präsident Donald Trump sind sich beim Nato Gipfel nicht ganz einig. (2019) © Michael Kappeler/dpa
Angela Merkel (CDU) mit Maske bei einer Bundespressekonferenz über den Lockdown und die Corona-Maßnahmen
Angela Merkel (CDU) mit einem Mund-Nasenschutz bei einer Bundespressekonferenz über den Lockdown und die weiteren Corona-Maßnahmen. (2020) © Kay Nietfeld/dpa
Angela Merkel (CDU) und Armin Laschet (CDU) besuchen Flutgebiete
Angela Merkel (CDU) und Armin Laschet (CDU) besuchen Flutgebiete und reden mit den Anwohnern eines betroffenen Dorfs. (2021) © Oliver Berg/dpa
Angela Merkel (CDU) füttert australische Loris im Vogelpark Marlow und wird dabei gebissen.
Sympathische Kanzlerin: Angela Merkel (CDU) füttert australische Loris im Vogelpark Marlow und wird dabei gebissen. (2021) © Georg Wendt/dpa

ARD-Sommerinterview mit Scholz: Wohl keine drastischen Corona-Maßnahmen im Herbst und Winter

Für den kommenden Herbst und Winter erwartet Scholz keine so drastischen Corona-Maßnahmen wie in den letzten beiden Jahren. „Schulschließungen sollte es nicht mehr geben, und ich glaube auch nicht, dass wir so einen Lockdown brauchen, wie wir ihn in den letzten Jahren hatten.“ Man habe inzwischen eine „völlig veränderte Situation“, sagte Scholz mit Blick auf eine Impfquote von 76 Prozent, bezogen auf die Grundimmunisierung, in Deutschland.

Der Kanzler kann sich allerdings vorstellen, dass Test- und Maskenpflicht im Herbst und Winter im Kampf gegen das Coronavirus wieder eine größere Rolle spielen werden. Eine Rückkehr zur Testpflicht in Schulen oder Kitas oder eine generelle Maskenpflicht in Innenräumen müssten bei Bedarf mit den Ländern besprochen werden, sagte er. Die Arbeiten am neuen Infektionsschutzgesetz, das dafür die rechtliche Grundlage legen müsse, hätten bereits begonnen.

Er selbst habe eine Corona-Infektion bislang vermeiden können, sagte Scholz. „Vielleicht ist die Tatsache, dass ich mich vier Mal habe impfen lassen, der Grund dafür, dass es nicht passiert ist.“ Der Kanzler warb dafür, dass sich alle über 60-Jährigen eine vierte Impfung besorgen.

ARD-Sommerinterview mit Bundeskanzler Scholz: Bereits vier Mal gegen Corona geimpft

Scholz wies in dem Interview auch den Vorwurf zurück, er wirke bei öffentlichen Auftritten manchmal arrogant. „Ich glaube nicht, dass das so ist, deshalb teile ich die Einschätzung nicht.“ Entsprechende Vorhaltungen waren ihm vor allem nach der Abschluss-Pressekonferenz des G7-Gipfels im bayerischen Elmau gemacht worden. Dort hatte er auf die Frage einer Journalistin, ob er konkrete Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach dem Ende des Kriegs benennen könne, gesagt: „Ja“, (kurze Pause) „könnt‘ ich“, (längere Pause) „das wars“.

Scholz verteidigte die Antwort damit, dass er die Frage in derselben Pressekonferenz vorher schon beantwortet habe. „Wenn es dann das dritte Mal gefragt wird, kann man schon manchmal sagen: Das habe ich schon beantwortet.“ Auch Kritik an seinem Kommunikationsstil ließ der Kanzler nicht gelten. „Ich bin überzeugt, dass ich richtig darin liege, dass ich nicht zu den Politikern zähle, die jede Woche eine Ankündigung machen, von denen etwa 90 Prozent nichts werden“, sagte er. Es sei „notwendig, dass man bei den Ankündigungen, die man macht, dafür sorgt, dass sie hinterher was werden“.

Im Rahmen des ARD-Sommerinterviews konnten auch Bürger Scholz Fragen stellen. Dabei gab der Kanzler Auskunft über seine Klimabilanz und die Legalisierung von Cannabis. (dpa/AFP/mh)

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