Kommunalwahlen in Thüringen

Höcke „wie ein Gottvater“: AfD-Rebell gibt Einblick in zerrissene Partei

  • schließen

Der Streit innerhalb der Thüringer AfD hat sich auch rund um die Kommunalwahlen fortgesetzt. Der Abgeordnete Karlheinz Frosch trat am Abend von seinem Posten zurück.

Erfurt – Wegen eines parteiinternen Streits hat die AfD bei den Kommunalwahlen in Thüringen in einem Landkreis vermutlich Stimmen eingebüßt. Bei den Kreistags- und Stadtratswahlen am Sonntag holte die AfD im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt 18,6 Prozent und landete damit hinter der CDU, die 26,6 Prozent erhielt, auf dem zweiten Platz. Die mit der AfD konkurrierende Kandidatenliste der Alternative für den Landkreis Saalfeld-Rudolstadt (AfL) erreichte 13,7 Prozent.

Vorausgegangen war ein längerer parteiinterner Zwist um die offizielle Kandidatenliste der AfD für die Kreistagswahl in dem Landkreis. Der AfD-Kreisverband versuchte im Vorfeld mit der Begründung, für die ursprünglich im Herbst gewählte Liste seien zu wenige Kandidaten gewählt worden, die Wahl zu wiederholen. Der auf Platz eins gesetzte AfD-Landtagsabgeordnete Karlheinz Frosch klagte dagegen erfolgreich vor Gericht.

Björn Höcke: der Thüringer AfD-Chef beim Landesparteitag im April 2024 in Pfiffelbach.

Kommunalwahlen in Thüringen offenbaren Streit innerhalb der AfD

Die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte Landes-AfD und auch deren Parteichef Björn Höcke unterstützten hingegen die AfL. Die Landesspitze leitete Medienberichten zufolge in dem Streit sogar ein Parteiausschlussverfahren gegen neun Parteimitglieder ein. Der Streit eskalierte zwischenzeitlich weiter. AfD-Kandidaten übten offene Kritik an Höcke und forderten seinen Rücktritt.

Am Montag nach der Kommunalwahl wurde dann bekannt, dass der AfD-Politiker Frosch aus der Partei und der Landtagsfraktion austritt. Gegenüber der Bild sagte Frosch: „Höcke ist gerne groß, er ist ein Machtmensch. Andere Meinungen beißt er weg. Denn das System Höcke darf keine Risse bekommen. Deshalb war ich für ihn so gefährlich. Die können mit starken Leuten nicht umgehen.“

Der ehemalige AfD-Landtagsabgeordnete Karlheinz Frosch (AfD).

Kommunalwahlen in Thüringen: Frosch kritisiert Höcke und nennt ihn „Gottvater“

Frosch weiter: „Für den rechtsradikalen Teil der Partei ist Höcke wie ein Gottvater.“ Dabei würde er der Partei mehr schaden als er ihr nützt. „Auch die Bundesspitze will Höcke weg haben, traut sich aber nicht, weil sie wissen, dass das die Partei zerreißen würde.“ Die AfD bestätigte derweil, dass Frosch mit sofortiger Wirkung aus der AfD-Fraktion unter ihrem Chef Höcke austrat, die damit auf 18 Abgeordnete schrumpft. (fmü/afp)

Rubriklistenbild: © Karina Hessland/Imago

Kommentare