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Der Tankrabatt soll Verbraucher entlasten. Bei Ölkonzernen und Tankstellen sorgt man indes offenbar mit einem Trick dafür, dass weniger hängen bleibt.
Berlin – Viele Verbraucherinnen und Verbraucher sehnen ihn herbei, und ab ersten Juni gilt er: Der Tankrabatt für Benzin und Diesel. Die letzten Wochen und Monate haben allen, die auf ihr Auto angewiesen sind, finanziell schwer zugesetzt. Die Maßnahme aus dem Entlastungspaket 2022 soll zumindest ein wenig Abhilfe schaffen. Als großer Profiteur dessen galten bisher Autofahrerinnen und Autofahrer, doch das stimmt möglicherweise nur bedingt: Ölkonzerne und Tankstellen sorgen offenbar dafür, dass auf Verbraucherseite weniger gespart wird, als möglich wäre. Zudem kann es mancherorts länger dauern, bis es günstiger wird.
Spritpreise und Tankrabatt für Diesel und Benzin: Tankstellen heben Preise an, bevor Maßnahme in Kraft tritt
Viele Menschen in Deutschland fiebern günstigeren Spritpreisen durch den Tankrabatt für Benzin und Diesel entgegen. Ab 01. Juni ist es so weit, einige Autofahrer warten deshalb mit dem Tanken am Ende des Monats Mai, entgegen Anraten des ADAC. Trotz Tankrabatt könnte es Sinn machen, noch im Mai zu tanken. Nun kommt heraus: Die Ersparnis könnte auch im Juni geringer ausfallen, als möglich. Tankstellen und Ölkonzerne sorgen offenbar dafür, dass weniger bei Verbrauchern hängen bleibt.
Tausende Tankstellen haben vor Inkrafttreten des Tankrabatts ihre Preise erhöht. Es wird dieser Tage wieder teurer: Sowohl Benzin als auch Diesel haben sich im Vergleich zur Vorwoche um mehrere Cent verteuert. Der ADAC kritisiert die Preise, sie könnten somit selbst nach der Steuersenkung höher sein als vor Beginn des Ukraine-Kriegs. Zuletzt hatten auch Spediteure und Robert Habeck beim Tankrabatt vor Preisanstiegen und „Massensterben“ gewarnt. Im Bundesdurchschnitt betrug der Literpreis für Diesel am Montag, dem 30. Mai, 2,03 Euro und für E10 ganze 2,13 Euro – obwohl Spritpreise noch vor kurzem klar unter zwei Euro gelegen hatten.
Tankrabatt für Benzin und Diesel: Ölkonzerne und Tankstellen entscheiden über Preise
Im Zuge des Tankrabatts für Benzin und Diesel war die Rede davon gewesen, Autofahrerinnen und Autofahrer könnten bei Benzin ab Mittwoch optimalerweise 35 Cent sparen und bei Diesel etwa 17. In der Praxis wird das nicht so sein: Focus Online berichtet von flächendeckenden Preisanhebungen an Tankstellen in Deutschland. Allein am 28. Mai sollen über 11.260 Tankstellen ihre Preise für Super um bis zu 10 Cent angehoben haben. Insgesamt 9.282 Tankstellen sollen bei Diesel um zehn Cent hochgegangen sein, 10.844 Tankstellen wiederum bei E10. Der Tankrabatt könnte zumindest teilweise verpuffen.
Nur etwa 1500 Tankstellen senkten offenbar ihre Preise, die meisten hatten diese jedoch dafür bereits vorher erhöht. Die Tankstellen und Mineralölgesellschaften bestimmen selbst, wie sie ihre Preise gestalten. Der CDU-Verkehrsexperte Thomas Bareiß hatte deshalb in der Bild am Sonntag gewarnt: „Die Gefahr ist groß, dass die längst überfällige Steuerentlastung nicht beim Autofahrer ankommt. Wenn die Bundesregierung zulässt, dass die Mineralölkonzerne auf Kosten der Steuerzahler ihre Bilanzen aufbessern, wäre das ein Skandal.“
Tankrabatt: Ab wann sinken Preise für Benzin und Diesel? Tanken könnte erst schrittweise billiger werden
Auf die Frage „Tankrabatt: Ab wann sinken Preise für Benzin und Diesel?“, gibt es keine klare Antwort, trotz Start des Tankrabatts am 01. Juni. Es geht auch um die Höhe: Selbst wenn die von der Ampel unter Olaf Scholz (SPD) beschlossenen steuerlichen Entlastungen, inklusive Mehrwertsteuer, komplett weitergegeben würden, bliebe bei E10 ein leichtes und bei Diesel ein deutliches Plus über. Es ist zudem keineswegs gesichert, dass die unmittelbare vollständige Weitergabe der Erleichterung an Verbraucher erfolgt. Das liegt auch daran, dass Tankstellen erst am 01. Juni das vergünstigte Benzin beziehen können, die Tanks sind jedoch noch mit teurerem Benzin gefüllt. Wie Tankstellen und Mineralölkonzerne die Preise genau gestalten werden, ist theoretisch ihre Sache. Der ADAC erklärte in diesem Rahmen, ein genaues Auge auf die Preisentwicklung zu haben. Der Tankrabatt für Benzin und Diesel soll nicht verpuffen, sondern beim Verbraucher ankommen.
Der ADAC erklärte deshalb: „Wir erwarten, dass die Steuersenkung ab 1. Juni in vollem Umfang an die Verbraucher weitergegeben wird. Zudem besteht angesichts des überhöhten Niveaus reichlich Potenzial für Preissenkungen.“ Doch nicht nur der ADAC will genauer hinsehen. Auch das Bundeskartellamt will die Entwicklung eng überwachen. Finanzminister Christian Lindner (FDP) schrieb auf Twitter, es sei „Aufgabe von Kartellamt und Co.“ dafür zu sorgen, dass die Vergünstigung bei Autofahrern ankäme. Die Senkung der Steuer auf Kraftstoffe, die schon in Raffinerien und Tanklagern und nicht erst an der Zapfsäule anfällt, gilt für Juni, Juli und August.
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