VonJens Kiffmeierschließen
Sie ist keine Hundefreundin: Angela Merkel. Dennoch ließ Wladimir Putin einst seinen Hund auf die Kanzlerin los. Das hatte Methode, wie sie im Interview verriet.
Berlin – Die Bilder gingen einst um die Welt: Mit bangem Blick starrte Angela Merkel (CDU) auf „Koni“. Die Labrador-Hündin wuselte zwischen den Beinen der Kanzlerin herum, während Wladimir Putin amüsiert zuschaut. Wollte Russlands Präsident bei dem Treffen 2007 in Sotschi der deutschen Regierungschefin eine Freude machen? Wohl kaum. „Wer‘s glaubt, wird selig“, sagte die Kanzlerin jetzt in einem Interview mit Spiegel-Autor Alexander Osang. „Er wusste, dass ich Angst vor Hunden habe.“ Ein klarer Einschüchterungsversuch also. Dabei war die Methode nicht neu. Hunde spielen im Leben von Putin eine große Rolle.
Wladimir Putin: Im Interview spricht Angela Merkel über ihre Russland-Politik – und die Nummer mit dem Hund „Koni“
Unabhängig von der Nummer mit dem Hund: Das Interview am Dienstag (7. Juni 2022) war einer der ersten Auftritte von Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) nach dem Regierungswechsel. Wegen des Ukraine-Krieges war es mit Spannung erwartet worden. Kein anderer Regierungs- oder Staatschef hat über so viele Jahre mit Wladimir Putin zusammengearbeitet wie Merkel. Die CDU-Politikerin gilt deswegen als Putin-Versteherin. Jedoch war zuletzt auch Kritik laut geworden an ihrer Russland-Politik. So wirft die Ukraine der deutschen Ex-Kanzlerin vor, Putin zu lange gewähren gelassen und damit die Invasion nicht verhindert zu haben.
Merkel sprach jetzt Klartext und wies die Anschuldigungen an ihrer Russland-Politik zurück. „Ich werde mich nicht entschuldigen“, stellte sie klar. Diplomatie sei bis zum Schluss wichtig. Selbst wenn sie gescheitert sein sollte, könne man den Versuch einer Konfliktlösung am Ende nicht verurteilen. Und dass Putin unberechenbar ist, wusste Merkel von Anfang an – unter anderem auch wegen der Nummer mit dem Hund.
Merkel-Interview: Putin nutzte seine Hunde von Beginn an als Machtdemonstration
Sein wahres Antlitz offenbarte sich Merkel bereits ganz zu Beginn ihrer Regierungszeit. Bei ihrem Antrittsbesuch schenkte Putin, der mittlerweile selber Angst vor Attentaten haben muss, ihr einen großen Stoffhund – mit der Bemerkung: „Ich habe gehört, Du hast ein Problem mit Hunden.“ Offenbar hatte sich die Hundeangst, die von einem Biss in der Kindheit herrührt, bis zum Kremlchef herumgesprochen. So berichtet es Merkel jetzt in dem Interview mit dem Spiegel. Beim Aufeinandertreffen zwei Jahre später tauchte dann Labrador „Koni“ auf.
Trotz dieses offensichtlichen Einschüchterungsversuchs suchte Merkel nach eigenen Angaben ein gutes Verhältnis zu Putin. Beide waren zu Sowjetzeiten aufgewachsen und beide sprechen Deutsch und Russisch. Jedoch hat sich die Beziehung nach der Krim-Annektion 2014 komplett abgekühlt. „Das war ein tiefer Einschnitt“, sagte Merkel. Danach habe man nur noch auf zwischenstaatlicher Ebene miteinander zu tun gehabt. Zu unterschiedlich seien die Auffassung der jeweiligen Systeme und der damit verbundenen Weltordnung gewesen.
Wladimir Putin: Wie viele Hunde hat Russlands Präsident? Auch US-Präsident wurde vorgeführt
Merkel war übrigens nicht Putins einziges Opfer. Auch andere Staatschefs bekamen seine Lust an Demütigung zu spüren. Auch das Verhältnis zu US-Präsident George W. Bush galt früher als angespannt. Bei einem Treffen machte sich Putin, der jetzt wegen des Ukraine-Krieges um die eigene Macht und einen Sturz fürchten muss, dann über den „First Dog“ Barney lustig. „Das nennen Sie einen Hund?“, soll der Kremlchef verächtlich über den Zwergschnauzer gesagt haben, nur um ein Jahr später dem US-Präsidenten beim Gegenbesuch die eigene Hündin zu präsentieren. Dieser sei „größer, stärker und schneller als Barney“, warf Putin dem US-Präsidenten dann entgegen, wie sich Bush in einem Gespräch mit NBC erinnerte.
Putins Hund „Buffy“: Das Tier zeigt sich ungehorsam und düpierte einst den Kremlchef
Doch zeigten die Spielchen Wirkung? Bei Merkel jedenfalls nicht, wie sie nun beteuerte. „Ne tapfere Bundeskanzlerin muss auch mit so einem Hund fertig werden“, sagte sie. Vielleicht half ihr dabei auch das wissen, dass Putin in Sachen Hund nicht allmächtig ist. So nennt Russlands Präsident seit ein paar Jahren auch den Hund „Buffy“ sein Eigen, den er bei einem Staatsbesuch in Bulgarien geschenkt bekam.
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Das Tier könne gar nichts, tönte Putin vor Journalisten und befahl dem Hund: „Platz.“ Doch statt den Präsidentenbefehl wie gewollt zu missachten, setzte sich „Buffy“ brav hin. Gut, dass Merkel 2007 in Sotschi im Angesicht des Labradors noch nicht wusste, dass Putin die Vierbeiner nicht immer unter Kontrolle hat.
Rubriklistenbild: © Dmitry Astakhov/dpa

