Iran-Israel-Konflikt

Hyperschallraketen aus Iran treffen Israel: Eskalation im Nahen Osten?

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  • Lea Winkler
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Der Iran soll während eines Raketenangriffs auf Israel auch Hyperschallraketen eingesetzt haben. Für die israelische Flugabwehr schwierig.

Update vom 18. Juni, 9.35 Uhr: Die Iranische Revolutionsgarde erklärte, dass bei den Raketenangriffen auf Israel der vergangenen Nacht die „Fattah“-Raketen eingesetzt wurden. Tatsächlich wurden mehrere Einschläge gemeldet, Verletzte gab es aber nicht. Die Raketen hätten eine „Botschaft“ an Israel geschickt, dass man die „vollständige Lufthoheit“ über Israel habe. Allerdings scheint diese Beschreibung zu weit zu gehen, denn die israelischen Verteidigungssysteme schafften es, einen Großteil der Raketen abzufangen. Dennoch hieß es von der Revolutionsgarde, Israel sei „hilflos“ gegen die Raketen.

Ferner hatte die Revolutionsgarde zwar einen Angriff angekündigt, „den die Welt jahrzehntelang nicht vergessen wird“ - ähnlich wie schon ein Tag zuvor. Zum angedrohten Großangriff kam es aber nicht. Vielmehr feuert der Iran inzwischen immer kleinere Raketensalven ab. Israelische Quellen führen dies auf die Zerstörung von einem Großteil iranischer Abschussrampen zurück.

Iran setzt Hyperschallraketen ein - neue Eskalation im Krieg mit Israel

Erstmeldung: Haifa – In der Nacht zum Montag, dem 16. Juni, feuerte der Iran erneut Raketen auf Israel ab. Dabei sollen auch zwei Hyperschallraketen eingesetzt worden sein. Laut dem britischen Sicherheitsunternehmen Ambrey trafen die Raketen die nordisraelische Hafenstadt Haifa. Der Einsatz dieser Hyperschallraketen markiert eine neue Eskalationsstufe im Israel-Konflikt mit dem Iran.

Israel im Krieg mit Iran: Raketen fliegen, Menschen werden evakuiert

Lichtblitze durchzucken den nächtlichen Himmel über Tel Aviv.
Lichtblitze durchzucken den nächtlichen Himmel über Tel Aviv. Ausgelöst werden sie vom Iron Dome, dem Raketenschutzschirm über Israel, der hier ballistische Geschosse aus dem Iran abfängt. © Ohad Zwigenberg/dpa
Ein israelischer Soldat überwacht die Evakuierung der nahe Tel Aviv gelegenen Stadt Ramat-Gan nach einem Raketenangriff aus dem Iran.
Ein israelischer Soldat überwacht die Evakuierung der nahe Tel Aviv gelegenen Stadt Ramat-Gan nach einem Raketenangriff aus dem Iran. © Ilia Yefimovich/dpa
Erdölanlage in Teheran von Israel angegriffen.
Erdölanlage in Teheran von Israel angegriffen. © IMAGO/FatemehBahrami
Gebäude, das bei einem israelischen Angriff auf den Bezirk Narmak im Osten Teherans schwer beschädigt wurde.
Iran von Raketen aus Israel angegriffen – Gebäude stark beschädigt. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Gebäude, das bei einem israelischen Angriff auf den Bezirk Narmak im Osten Teherans schwer beschädigt wurde.
Israelischer Angriff beschädigt Gebäude in Teheran. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Tote und Verletzte in Nordisrael nach iranischem Raketenangriff.
Tote und Verletzte in Nordisrael nach iranischem Raketenangriff. © IMAGO/Samir Abdalhade
Eine stark beschädigte Wohnung in einem Wohnhaus, das von einer aus dem Iran abgefeuerten Rakete getroffen wurde
Eine stark beschädigte Wohnung in einem Wohnhaus, das von einer aus dem Iran abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Ariel Schalit/dpa
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen.
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Der Iron Dome in Aktion
Der Iron Dome in Aktion: Raketen aus dem Iran, die in Richtung Tel Aviv flogen, werden von dem Flugabwehrsystem Israels abgefangen.  © Oded Balilty/dpa
dem Iron Dome gelingt es offenbar nicht, alle Raketen aus dem Iran abzufangen.
Doch auch dem Iron Dome gelingt es offenbar nicht, alle Raketen aus dem Iran abzufangen. Immer wieder kommen ballistische Geschosse durch und richten wie hier in Tel Aviv große Schäden an. © Baz Ratner/dpa
Raketenangriffe aus dem Iran
Aufgrund der Raketenangriffe aus dem Iran müssen immer wieder Gebäude und Bezirke in Tel Aviv und anderen Teilen Israels evakuiert werden. Diese Personen mussten ihr Wohnhaus in der israelischen Millionenmetropole aufgrund eines Raketeneinschlags verlassen. © Baz Ratner/dpa
Israelische Sicherheitskräfte inspizieren zerstörte Gebäude, die von einer aus dem Iran abgefeuerten Rakete getroffen wurden.
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Bewohnerinnen und Bewohner Israels suchen während der Luftangriffe aus dem Iran Schutz
Zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner Israels suchen während der Luftangriffe aus dem Iran Schutz in offiziellen Bunkeranlagen, von denen es im ganzen Land mehrere gibt. In Tel Aviv wurde eine Tiefgarage zu einem Luftschutzbunker für die Bevölkerung umfunktioniert. Eine Frau hat sich ihr Kind umgebunden und kühlt den Nachwuchs mit einem Hand-Ventilator, während sie auf das Ende der Raketenangriffe aus dem Iran wartet. © Baz Ratner/dpa
Flammen steigen aus einem Öllager im Iran auf, nachdem es mutmaßlich von einer israelischen Rakete getroffen wurde.
Flammen steigen aus einem Öllager im Iran auf, nachdem es mutmaßlich von einer israelischen Rakete getroffen wurde. © Vahid Salemi/dpa
Nach einer Explosion im Süden Teherans, Iran, steigt starker Rauch aus einer Ölanlage auf.
Nach einer Explosion im Süden Teherans, Iran, steigt starker Rauch aus einer Ölanlage auf. © Vahid Salemi/dpa
Israelische Luftangriffe in Teheran
Israelische Luftangriffe in Teheran. © IMAGO/Khoshiran
Israelischer Luftangriff auf Treibstoffdepot im Teheraner Stadtteil Shahran.
Israelische Luftangriffe über Teheran. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Flammen erleuchten die Skyline hinter dem ikonischen Milad Tower in Teheran.
Israelische Luftangriffe über Teheran. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen.
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab.
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab. © IMAGO/Mostafa Alkharouf
Rettungsteams durchsuchen Trümmer nach iranischer Rakete in Bat Yam, nahe Tel Aviv.
Rettungsteams durchsuchen Trümmer nach iranischer Rakete in Bat Yam, nahe Tel Aviv. © IMAGO/Mostafa Alkharouf
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab.
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab. © IMAGO/Nir Keidar
Folgen des iranischen Raketenangriffs in Bat Yam, nahe Tel Aviv
Aufräumarbeiten nach iranischem Raketenangriff in Bat Yam – Nahe Tel Aviv, Israel. © IMAGO/Mostafaf Alkharouf
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab.
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab. © IMAGO/Nir Keidar
ranische Rakete trifft Bat Yam, Israel – Vorort von Tel Aviv
Bat Yam, Vorort von Tel Aviv, wurde am 15. Juni 2025 erheblich beschädigt, als es von einer iranischen Rakete getroffen wurde © IMAGO/Mostafaf Alkharouf
Iranische Rakete trifft Bat Yam, Israel – einem Vorort von Tel Aviv
Iranische Rakete trifft Bat Yam, Israel.  © IMAGO/Faiz Abu Rmeleh
Iranische Rakete trifft Bat Yam, Israel.
Ein Gebäude in der Stadt Bat Yam, einem Vorort von Tel Aviv, wurde am 15. Juni 2025 erheblich beschädigt © IMAGO/Faiz Abu Rmeleh
Helfer versammeln sich vor einem Gebäude, das bei einem israelischen Angriff in Teheran zerstört wurde.
Helfer versammeln sich vor einem Gebäude, das bei einem israelischen Angriff in Teheran zerstört wurde. © IMAGO/Iranian Red Crescent
Das iranische Luftabwehrsystem feuert in der Nähe des Milad Tower Schüsse ab, die auf israelische Drohnen gerichtet sind.
Israelische Luftangriffe in Teheran. © IMAGO/Khoshiran
Das oberste Stockwerk eines Wohnhauses in Teheran, das bei einem Angriff der israelischen Armee beschädigt wurde
Das oberste Stockwerk eines Wohnhauses in Teheran, das bei einem Angriff der israelischen Armee beschädigt wurde © Vahid Salemi/dpa

Iran greift Israel mit Hyperschallraketen an: Versagt Iron Dome?

Es könnte sich bei den eingesetzten Raketen um das iranische Modell „Fattah“ handeln, was auf Persisch „Eroberer“ oder „Siegesbringer“ bedeutet. Diese ballistische Langstreckenrakete wurde von Teheran im Jahr 2023 vorgestellt und wird vom Iran selbst als Hyperschallrakete bezeichnet. Die iranische Nachrichtenagentur Irna berichtet, dass die „Fattah“ Geschwindigkeiten von bis zu 18.500 km/h erreicht und eine Reichweite von etwa 1400 Kilometern hat.

Ein besonderes Merkmal der „Fattah“-Rakete ist ihr Gefechtskopf, der sich beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre von der Rakete abtrennt. Dieser Gefechtskopf, ein „manövrierfähiger Wiedereintrittskörper“ (MaRV), kann nach dem Abtrennen seine Flugbahn ändern. Dadurch ist er in der Lage, Abwehrsystemen durch kleine Richtungswechsel auszuweichen.

Die „Fattah“-Rakete: Ein Überblick

TypMittelstreckenrakete; laut Iran Hyperschallrakete
HerkunftslandIran
HerstellerIslamische Revolutionsgarde
Länge15,3 Meter
Geschwindigkeitmax. Mach 13-15
Reichweite1.400 Kilometer

Israel im Krieg: Irans Hyperschallrakete „Fattah“

Ob tatsächlich zwei „Fattah“-Raketen beim Angriff auf Haifa eingesetzt wurden, ist bisher nicht unabhängig bestätigt. Die semi-offizielle iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete zuerst, dass die Islamischen Revolutionsgarden möglicherweise die „Fattah“ verwendet hätten.

Bereits im Oktober 2024 erlitt Israel einen ähnlichen Angriff aus dem Iran. Damals vermuteten Beobachter ebenfalls den Einsatz einer Hyperschallrakete. Laut iranischem Staatsfernsehen gelang es den Luftstreitkräften der Revolutionsgarden, mit der „Fattah-1“ die israelische Luftabwehr zu durchbrechen.

Iran beschießt Israel mit Raketen: Brände und Rauch in Haifa

Der jüngste Angriff zeigt ein wachsendes Problem auf: Israels fortschrittliche Raketenabwehrsysteme, wie Iron Dome, David’s Sling und Arrow, können bei massivem Beschuss an ihre Grenzen stoßen. Auch beim Angriff in der Nacht zum 16. Juni wurden die Systeme aktiviert, dennoch kam es laut dem Rettungsdienst Magen David Adom zu mehreren Einschlägen im Landesinneren, darunter im dicht besiedelten Zentrum. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachtete nach den Angriffen auf Haifa Brände und Rauch über der Stadt.

Das israelische Luftabwehrsystem Iron Dome feuert, um Raketen während eines iranischen Angriffs abzufangen. (Symbolbild)

Iran-Israel-Konflikt: Eine neue Stufe der militärischen Eskalation im Nahen Osten?

Warum es vermehrt zu Treffern in Wohngebieten und hohen Opferzahlen kommt, lässt sich derzeit nicht abschließend klären. Der Raketen- und Nahostexperte Fabian Hinz vom Londoner Thinktank IISS erklärte der Welt, dass der Iran in früheren Angriffswellen verstärkt militärische Ziele in weniger dicht besiedelten Regionen anvisiert habe.

Da die Treffgenauigkeit insbesondere der iranischen Langstreckenraketen gering sei, könnten diese in dicht besiedelten Gebieten eher Schäden verursachen als an entlegenen Basen. Inzwischen scheint der Iran jedoch gezielt auf Israels Bevölkerungszentren zu zielen.

Mit dem Einsatz von Hyperschallraketen erreicht der Iran eine neue Stufe der militärischen Eskalation. Waffen wie die „Fattah“ sind extrem schnell und manövrierfähig, was sie schwer abzufangen macht. Der Einsatz dieser Rakete könnte einen strategischen Wendepunkt darstellen: Der Iran könnte Israels Raketenabwehr gezielter durchbrechen. Dies hätte nicht nur militärische, sondern auch psychologische Auswirkungen und würde das Risiko eines Flächenbrands im Nahen Osten erheblich erhöhen. (lw)

Rubriklistenbild: © Leo Correa/AP/dpa

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