Während Protesten in Chicago

ICE-Agent richtete Pistole auf US-Bürger: „Peng, peng, du bist tot, Liberaler“

Ein ICE-Beamter soll bei Protesten eine Waffe auf einen US-Bürger gerichtet und damit die rechtlichen Grenzen von Bundesgewalt überschritten haben.

Chicago – Ein neues Gerichts­dokument im Northern District von Illinois behauptet, dass ein Bundes-Immigrationsbeamter eine Waffe auf einen US-amerikanischen Staatsbürger gerichtet hat. Außerdem soll er eine bedrohliche Bemerkung während einer Protestkundgebung im Stadtteil Little Village im Zentrum von Chicago vergangene Woche gemacht haben.

Trumps ICE-Agenten nehmen einen Demonstranten in Chicago in Gewahrsam. (Archivfoto)

Laut dem Dokument vom 26. Oktober 2025 erklärte der Beamte: „Peng, peng“ und „Du bist tot, Liberaler“. Die Vorwürfe gehen über einen einzelnen Vorfall zwischen einem Demonstrierenden und einem Bundesbeamten hinaus. Sie offenbaren den wachsenden Konflikt darüber, wie weit die Bundesregierung unter Donald Trump bei der Durchsetzung von Einwanderungs- und Sicherheitsmaßnahmen in US-Städten gehen darf – und wie stark Gerichte die Grenzen dieser Macht bestimmen können.

Vorwürfe von unverhältnismäßiger Gewalt: Unsicherheit auf amerikanischen Straßen steigt

Da bereits eine gerichtliche einstweilige Verfügung in Kraft ist, treffen Behauptungen, dass Beamte diese ignoriert hätten, den Kern von Fragen nach Verantwortlichkeit, Rechtsstaatlichkeit und dem Gleichgewicht zwischen Exekutivgewalt und bürgerlichen Freiheiten auf amerikanischen Straßen.

Das Dokument, eingereicht im Namen der journalistischen Organisation Chicago Headline Club und anderer Kläger, legt dar, dass das Department of Homeland Security (Ministerium für Innere Sicherheit) eine einstweilige Verfügung (TRO) verletzt habe, die deren Einsatz von Gewalt bei Protesten beschränkt. Dem Dokument zufolge war der Beamte Teil eines Bundes-Teams unter Leitung von Bovino, dem Leiter der U.S. Border Patrol in Chicago.

Protest gegen Trump-Politik in Washington – und Sorge wegen Nationalgarde

An vielen Orten in Washingtons Stadtbild findet man Anti-Trump-Plakate.
An vielen Orten in Washingtons Stadtbild findet man Anti-Trump-Plakate. © Peter Sieben
Epstein-Plakat in Washington
Protestler fordern die Veröffentlichung der „Epstein-Files“, in die auch der US-Präsident verwickelt sein soll, sagen Regierungskritiker. © Peter Sieben
„No Kings“-Plakate
Die „No Kings“-Bewegung wächst in den USA: Viele Menschen haben die Sorge, dass Trump zu viel Macht auf sich bündelt. © Peter Sieben
Demo-Plakate in Washington
Ankündigung von Demos am 18. Oktober 2025.  © Peter Sieben
Derweil patrouillieren Nationalgardisten durch mehrere Städte in den USA.
Derweil patrouillieren Nationalgardisten durch mehrere Städte in den USA. © Peter Sieben
Nationalgarde in Washington, D.C.
Eine Form der Einschüchterung, sagen Trump-Gegner – mit einem Langfrist-Kalkül: Die Bevölkerung solle sich an den Anblick von Soldaten in ihren Heimatstädten gewöhnen.  © Peter Sieben
Protest am Rande der IWF-Herbsttagung gegen die Klimapolitik von Donald Trump.
Protest am Rande der IWF-Herbsttagung gegen die Klimapolitik von Donald Trump.  © Peter Sieben
Klimaprotest in Washington
Die Protestaktionen sollen schnell gehen – bevor die Aufmerksamkeit von Sicherheitskräften allzu groß wird. © Peter Sieben
Demonstrant Christian mit Trump-Maske: „Es ist gefährlich geworden, zu demonstrieren.“
Demonstrant Christian mit Trump-Maske: „Es ist gefährlich geworden, zu demonstrieren.“ © Peter Sieben

Mit Pfefferspray und Schusswaffe bedroht: Kriegsveteran wurde von ICE-Beamten angegriffen

Laut Klägern richtete ein Bundesbeamter „eine Pfefferspraywaffe und anschließend eine scharfe Schusswaffe auf den Erklärenden Chris Gentry, einen Kriegsveteranen, der sich rechtmäßig am Straßenrand aufhielt und seinen Unmut äußerte, während Beamte in ihren Fahrzeugen vorbeifuhren.“

Im Dokument heißt es, der Beamte sagte „Peng, peng“ und „Du bist tot, Liberaler“. Der Vorfall soll sich Berichten zufolge am 23. Oktober während Demonstrationen in Little Village nach Bundesaktionen Anfang letzter Woche ereignet haben. Gentry wird als unbewaffnet und in keinerlei illegale Aktivitäten verwickelt beschrieben.

Im selben Dokument werden auch wiederholte Einsätze von Tränengas und Pfefferspraymunition durch Bundesbeamte angeprangert – im Widerspruch zu der einstweiligen Verfügung von Richterin Sara L. Ellis, die den Einsatz von Crowd-Control-Mitteln auf Situationen mit „unmittelbarer und schwerwiegender physischer Gefahr“ beschränkt hatte. Laut Klägern zeigen Videoaufnahmen „extreme Gewalt gegen friedliche und unschuldige US-Bürger.“

Bundesreaktion und umstrittene Darstellungen: Ministerium für Innere Sicherheit verteidigt Vorgehen

Das Ministerium für Innere Sicherheit verteidigte das Vorgehen der Beamten in einem Beitrag auf seinem offiziellen X-Account am 24. Oktober. Darin hieß es, die Beamten hätten auf „Randalierer [die] auf Beamte mit handelsüblichen Feuerwerkskörpern schossen“ reagiert.

In dem Beitrag mit dem Titel „Law and Order will triump in Chicago“ wurde berichtet, „die Gruppe der Randalierer wurde feindseliger und gewalttätiger, rückte auf die Einsatzkräfte vor und begann mit dem Werfen von Steinen und anderen Gegenständen, darunter einem, der Chief Greg Bovino am Kopf traf.“ (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com)

Rubriklistenbild: © Dave Decker/Imago

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