ICE-Beamte erschießen Mann in Minneapolis: Familie prangert Lügen von „feigen Gangstern“ an
VonFelix Busjaeger
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Nach den tödlichen ICE-Schüssen in Minneapolis wächst die Wut über das Vorgehen der US-Regierung. Beide Seiten suchen die Schuld bei anderen.
Update, 12:14 Uhr: Nach den tödlichen Schüssen bei einem Einsatz von US-Bundesbeamten in Minneapolis hat ein Richter eine einstweilige Verfügung zum Schutz der Beweismittel erlassen. Den Bundesbehörden ist es dem Gerichtsdokument zufolge untersagt, Beweismittel in Zusammenhang mit der Schussabgabe unter Beteiligung von Bundesbeamten zu „zerstören oder zu verändern“.
Ausdrücklich gehe es auch um Beweismittel, die bereits vom Tatort entfernt worden waren. Geklagt hatten die Behörden von Minnesota gegen die Regierung von US-Präsident Donald Trump und deren untergeordnete Behörden wie das Heimatschutzministerium. Die Behörden des Bundesstaates werfen den Bundesbehörden vor, Beweismittel zurückzuhalten. Für diesen Montag, um 14.00 Uhr (Ortszeit), ist eine Anhörung angesetzt.
Schüsse in Minneapolis: ICE-Beamte schießen auf 37-jährigen Mann
Update, 10:35 Uhr: Nach den tödlichen Schüssen in Minneapolis durch ICE-Beamte sind viele Details noch unklar. Der 37-jährige Alex Pretti soll zum Zeitpunkt des Vorfalls bewaffnet gewesen sein, die Behörde veröffentlichte das Foto einer Pistole. US-Präsident Donald Trump betonte, die Waffe sei geladen gewesen. Ob Pretti am Einsatzort oder erst im Krankenhaus starb, ist bislang nicht geklärt. Laut Heimatschutzministerium wurde der Mann vor Ort für tot erklärt, der Polizeichef sprach hingegen davon, dass er erst im Krankenhaus der Tod festgestellt wurde.
Auch Details zum Ablauf sind bislang noch nicht geklärt. Etwa, in welcher konkreten Situation der Schusswaffeneinsatz erfolgte und ob beziehungsweise wie die angebliche Bewaffnung des Mannes zum Einsatzablauf beitrug. Das US-Heimatschutzministerium stellt den Fall so dar, dass der Beamte geschossen habe, um sich selbst zu verteidigen. Prettis Eltern erklärten, ihr Sohn habe keine Waffe in der Hand gehalten. Er habe versucht, eine von einem Beamten zu Boden gebrachte Frau zu schützen und sei mit Pfefferspray besprüht worden, bevor die Schüsse fielen.
Tödliche ICE-Schüsse in Minneapolis: Familie prangert „mordende und feige ICE-Gangstern“ an
Erstmeldung: Die Erschießung des 37-jährigen US-Bürgers Alex Pretti durch Bundesbeamte in Minneapolis hat eine neue Welle der Kritik an den Einsätzen der US-Einwanderungsbehörde ICE ausgelöst. Die Familie des getöteten Krankenpflegers wirft der Regierung vor, falsche Darstellungen über den tödlichen Vorfall zu verbreiten und ihren Sohn ohne legitimen Grund erschossen zu haben. Das Heimatschutzministerium stellt den Fall als Notwehr eines Beamten dar, doch Videos von der Szene befeuern die Kritik an den Razzien der Einwanderungsbehörde gegen Migranten.
Die tödlichen ICE-Schüsse in Minneapolis ereignete sich am Samstagmorgen (Ortszeit) auf offener Straße, als Bundesbeamte an einem Einsatz gegen einen wegen Körperverletzung gesuchten Ausländer beteiligt waren. Nach Darstellung der Familie wollte Pretti lediglich eine von einem ICE-Beamten zu Boden gebrachte Frau schützen. In einer von mehreren US-Medien verbreiteten Stellungnahme heißt es: „Die abscheulichen Lügen, die die Regierung über unseren Sohn verbreitet, sind verwerflich und widerwärtig. Alex hält eindeutig keine Waffe in der Hand, als er von Trumps mordenden und feigen ICE-Gangstern angegriffen wird.“
Tödliche ICE-Schüsse in Minneapolis: Beamte rechtfertigen Vorgehen – Widerstand wächst
Von dem tödlichen Vorfall in Minneapolis kursieren mehrere Augenzeugenvideos aus verschiedenen Perspektiven im Netz. Auf einem von der Deutschen Presse-Agentur verifizierten Video ist zu sehen, wie mehrere Vermummte in Einsatzkleidung Pretti gewaltsam zu Boden bringen und versuchen, ihn zu fixieren. Am Ende wird er von acht Einsatzkräften umringt. Dann fallen etwa zehn Schüsse. Auch als der Mann regungslos am Boden liegt, schießt mindestens einer der Vermummten weiter auf ihn.
Das Heimatschutzministerium behauptet im Zusammenhang mit den tödlichen ICE-Schüssen in Minneapolis, Pretti sei bewaffnet gewesen und habe sich einer Person mit Halbautomatikpistole genähert. Die Beamten hätten versucht, ihn zu entwaffnen, doch dieser habe Widerstand geleistet. Auf einem der in sozialen Netzwerken kursierenden Videos wirkt es jedoch so, als sei ihm möglicherweise eine Pistole bereits vor den ersten Schüssen abgenommen worden. Pretti war nach Polizeiangaben zum Tragen einer Schusswaffe berechtigt und nicht vorbestraft.
Trump setzt auf Härte: ICE und Nationalgarde im Einsatz - Razzien, Proteste und Ausschreitungen
Auf einer Pressekonferenz wich Heimatschutzministerin Kristi Noem kritischen Fragen aus, ob Pretti die legale Waffe überhaupt gezogen habe und ob er nicht bereits vor dem ersten Schuss entwaffnet worden sei. Stattdessen warf die Republikanerin die Gegenfrage auf, warum ein Demonstrant überhaupt eine Pistole mit sich führe. Trumps Vizestabschef Stephen Miller bezeichnete Pretti nach dem blutigen Vorfall als „inländischen Terroristen“.
Umstrittene ICE-Einsätze: Wieder tödlicher Vorfall in den USA – „Kampagne organisierter Brutalität“
Der Fall reiht sich in eine Serie umstrittener ICE-Einsätze ein. Bereits Anfang Januar war die 37-jährige US-Bürgerin Renee Good bei einem ICE-Einsatz in Minneapolis in ihrem Auto erschossen worden. Auch damals bezeichnete die Regierung das Vorgehen als Notwehr eines Beamten in akuter Lebensgefahr, doch Videos zeichneten ein anderes Bild.
Die politischen Reaktionen sind heftig. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom forderte den Rücktritt von Ministerin Noem und die Entlassung des Grenzschutzchefs Greg Bovino. Die Demokraten im US-Senat drohen damit, Haushaltsmittel für die Heimatschutzbehörde zu blockieren. Minnesotas Gouverneur Tim Walz kündigte an, dass der Bundesstaat die Aufklärung der tödlichen Schüsse selbst in die Hand nehmen werde: „Diese Besetzung Minnesotas durch die Bundesregierung hat schon lange nichts mehr mit der Durchsetzung von Einwanderungsgesetzen zu tun. Es ist eine Kampagne organisierter Brutalität gegen die Bevölkerung unseres Bundesstaats.“
Nach den tödlichen Schüssen kam es in Minneapolis zu erneuten Protesten gegen Abschiebe-Razzien. Dutzende Menschen fanden sich mit Kerzen zu einer Mahnwache vor dem Wohnhaus des Getöteten zusammen. Bürgermeister Jacob Frey bat die Nationalgarde des Bundesstaats um Hilfe, weil die Polizei „wegen der Beeinträchtigung der öffentlichen Sicherheit durch Beamte der Einwanderungsbehörde“ personelle Unterstützung benötige. (Quellen: dpa, afp) (fbu)