Kamala Harris setzt bei der US-Wahl 2024 auf Tim Walz als ihren Vizekandidaten. Der Gouverneur aus Minnesota gilt als Mann des Volkes. Ein Porträt.
Washington, D.C. – Kamala Harris hat ihr Wahl getroffen: Tim Walz wird als Vizekandidat an ihrer Seite in die US-Wahl 2024 ziehen. Die Entscheidung kam etwas überraschend. Bis vor nicht allzu langer Zeit war der Gouverneur von Minnesota außerhalb seines Bundesstaates ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Walz hat kein ausgeprägtes nationales Profil, ist jedoch für seine bodenständige und unverblümte Art bekannt, politische Botschaften zu vermitteln.
Name
Timothy James „Tim“ Walz
Geboren
6. April 1964
Geburtsort
West Point, Nebraska
Ehepartnerin
Gwen Walz (verh. 1994)
Amt
Gouverneur von Minnesota seit 2019
Partei
Demokraten
Tim Walz war als Lehrer und Footballtrainer tätig
Seine vielfältige Lebensgeschichte zeigt Walz als Mann mit unterschiedlichsten Lebenserfahrungen, der alles andere als abgehoben ist. Walz wurde 1964 in einer kleinen Stadt im ländlichen Nebraska geboren. Sein Vater war Schulleiter und starb an Krebs, als Walz 19 Jahre alt war. Oft erzählt er, wie seine Mutter nach dem Tod seines Vaters darum kämpfte, über die Runden zu kommen.
Nach der Highschool trat Walz bereits mit 17 Jahren der Nationalgarde bei, die ihn im Laufe seiner 24-jährigen Mitgliedschaft an die verschiedensten Orte entsandte, unter anderem in die Arktis. 1989 erwarb er einen Abschluss in Sozialwissenschaften an einer Hochschule in Nebraska. Nach einem Jahr als Lehrer in China kehrte Walz in die USA zurück, um Vollzeit in der Nationalgarde zu dienen und schließlich eine Position als Lehrer anzunehmen.
Während seiner Zeit als Lehrer lernte Walz seine zukünftige Frau Gwen kennen, die an derselben Schule unterrichtete. Sie heirateten 1994 und zogen später nach Minnesota, Gwens Heimatstaat, wo sie beide an derselben Highschool unterrichteten und Walz auch als Footballtrainer arbeitete.
Erst in der Mitte seiner Karriere wechselte Walz in die Politik
Erst in der Mitte seiner Karriere wechselte Walz in die Politik: 2006 wurde er in das Repräsentantenhaus in Washington gewählt, 2018 dann zum Gouverneur von Minnesota. In seinem politischen Profil verbindet sich das volksnahe Auftreten und die klare Sprache mit linken inhaltlichen Positionen.
Walz gewann 2006 seine erste Wahl und wurde Abgeordneter im Repräsentantenhaus. 2018 bewarb er sich um das Amt des Gouverneurs und wurde 2022 wiedergewählt. Walz ist derzeit Vorsitzender der Democratic Governors Association (DGA), einer Gruppe von Gouverneuren, die den Demokraten angehören. Er ist auch Mitglied mehrerer Parteiausschüsse auf Bundesebene.
Walz politische Schwerpunkte in der Übersicht
Als Gouverneur setzte er unter anderem Gesetze zur Legalisierung von Cannabis, für den verbesserten Schutz von Arbeitnehmerrechten und zur erweiterten Überprüfung von Waffenkäufern in Kraft. Seine Haltung zu Waffen hat sich dabei im Laufe der Jahre gewandelt. „Ich bin ein Veteran, ein Jäger und ein Waffenbesitzer. Aber ich bin auch ein Vater. Und viele Jahre lang war ich Lehrer“, schrieb er Ende Juli 2024 auf der Plattform X. Waffengesetze seien keine Bedrohung seiner Rechte. „Es geht darum, unsere Kinder zu schützen.“
Weiterhin setzt Walz sich in der US-Politik für folgende Themen ein:
Recht auf Abtreibung
Klimaschutz
Bereitstellung kostenloser Schulmahlzeiten
Stärkung des Wahlrechts
Ausbau erneuerbarer Energien
Steuersenkungen für die Mittelschicht
Die ehemalige demokratische Senatorin Heidi Heitkamp sagte der New York Times, Walz scheine „jemand mit einer Lebenserfahrung zu sein, die mit der vieler Menschen im ländlichen Amerika vergleichbar ist“.
Ein einziges Wort macht Walz zum Star der Demokraten
Walz verdankt seinen steilen Aufstieg unter anderem einem Begriff, den er mit großem Erfolg in den Wahlkampf gegen Donald Trump eingeführt hat: „weird“. Das Adjektiv, das je nach Zusammenhang „seltsam“, „sonderbar“, „schräg“ oder „durchgeknallt“ bedeuten kann, wendet Walz sowohl auf Trump als auch auf dessen Vize-Kandidaten J.D. Vance an. Es brandmarkt die Republikaner als Personen mit skurrilen und realitätsfremden Ansichten – und macht sie damit zur Zielscheibe des Spotts.
Bilder einer Karriere: Kamala Harris strebt Präsidentenamt in den USA an
Als älterer weißer Mann soll Walz das Gegenstück zu Harris sein, die als erste Frau, Schwarze und Person asiatischer Herkunft in der US-Geschichte das Präsidentenamt übernehmen könnte. Walz soll Harris dabei helfen, solche Gruppen zu gewinnen, bei denen die Demokraten oft als abgehoben und elitär angesehen werden. Und als Vertreter des Mittleren Westens soll er dazu beitragen, möglicherweise entscheidende Swing States in seiner Region zu gewinnen. (dpa/AFP/FR)