Zoff um Kabinettsposten

„Ich muss mich nicht rechtfertigen“: Lambrecht weist Kritiker zurecht

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Liegen im Clinch um ihre Ministerposten: Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (links) und Innenministerin Nancy Faeser (beide SPD).
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Ärger um Christine Lambrecht: Seit Wochen steht die Verteidigungsministerin in der Kritik – auch weil sie auf einen neuen Posten schielt. Doch jetzt wehrt sie sich.

Berlin – Private Helikopter-Flüge, Zögern bei den Waffenlieferungen an die Ukraine und dann auch noch ein Postengeschacher mit Innenministerin Nancy Faeser: Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) steht enorm unter Druck. Doch mit einer Klartext-Ansage hat sie jetzt die Offensive gesucht. Trotz der gehäuften Kritik befinde sie sich nicht im Verteidigungsmodus und sie müsse sich im Übrigen auch für nichts rechtfertigen, sagte sie am Montag im ARD-Morgenmagazin an die Adresse ihrer zahlreichen Kritiker. Immerhin: Von der Wehrbeauftragten erhielt die angeschlagene Ministerin ein wenig Zuspruch.

Christine Lambrecht (SPD): Verteidigungsministerin liegt mit Innenministerin Nancy Faeser im Clinch

In den vergangenen Tagen hatte Lambrecht in der SPD für viel Wirbel gesorgt. So hatte sie öffentlich gemutmaßt, dass Innenministerin Nancy Faeser im kommenden Jahr Spitzenkandidatin für die Landtagswahl in Hessen werden könnte. Dadurch waren Gerüchte um eine Kabinettsumbildung angeheizt worden, weil Lambrecht eigentlich bei der Bildung der Ampel-Koalition lieber das Innen- statt das Verteidigungsministerium übernommen hätte. Faeser selbst wies die Spekulationen empört zurück.

Das Wehrressort gilt als schwierige Mammutbehörde und Lambrecht agierte in den ersten Monaten ihrer Amtszeit auch eher glücklos. So werfen ihre Kritiker ihr zu langes Zögern und Zaudern bei der Frage nach Waffenlieferungen an die Ukraine vor. Immer wieder drangen aus dem Ministerium und aus der Bundeswehr Indiskretionen nach außen, die zuletzt auch Lambrecht persönlich trafen und die sie zuletzt nur schwer unter Kontrolle brachte. So ließ sie ihren Sohn kürzlich in einem Bundeswehr-Hubschrauber für einen Sylt-Abstecher mitfliegen. Zwar bezahlte die Ministerin dafür und hielt sich damit an die Regeln, dennoch brachte es die SPD-Politikerin für viele Tage in Verruf.

Durchstecherei um Sohn: Lambrecht bekommt Unterstützung von der Wehrbeauftragten

Isoliert steht Lambrecht aber nicht dar. So nahm die Wehrbeauftragte des Bundestags, Eva Högl, die Verteidigungsministerin jetzt auch in Schutz genommen und prangerte die permanenten Durchstechereien an. Lambrecht sei eine sehr erfahrene Politikerin, kluge Juristin und sehr durchsetzungsstarke Frau, sagte Högl der Tageszeitung taz. Lambrecht seisehr schnell in die ganzen Themen reingekommen“, sei sachkundig und setzte Akzente.

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