Nach Auszug aus dem Bundestag

„Ich weiß nicht recht“ - Skepsis von Strack-Zimmermann gegenüber FDP-Doppel-Spitze mit Kubicki

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Im Zuge der Diskussion über die personelle Umstrukturierung der FDP hat Strack-Zimmermann zwar eine „Teamlösung“ befürwortet - sie sieht sich und Kubicki jedoch nicht in dieser Rolle.

Berlin – In der Diskussion um die personelle Neuausrichtung der FDP hat sich die Europapolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann erst kürzlich für eine „Teamlösung“ in ihrer Partei ausgesprochen. Sich selbst und den bisherigen Vizechef Wolfgang Kubicki sieht sie aber nicht gemeinsam an der neuen FDP-Spitze.

„Es macht Sinn, Persönlichkeiten zu haben, die unterschiedliche Gruppen in der FDP ansprechen. Aber ob Herr Kubicki und ich der frische Aufbruch sind, na ich weiß nicht“, antwortete Strack-Zimmermann in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeine Zeitung auf die Frage, ob sie sich Kubicki als Teil des Teams vorstellen könne.

Kubicki schmettert Idee von Doppelspitze mit Strack-Zimmermann ab: FDP-Satzung sieht das nicht vor

Auch Kubicki steht einer Teamlösung mit Strack-Zimmermann skeptisch gegenüber. Er will zwar seine Partei nach dem Debakel bei der Bundestagswahl gemeinsam mit Kollegin Strack-Zimmermann wieder aufbauen – allerdings nicht in einer Doppelspitze. „Wir sind in einer Vielzahl von Gesprächen und ich kann sicher sagen: Sowohl Marie-Agnes Strack-Zimmermann als auch ich, wir werden beide dem Präsidium angehören, in welcher Funktion auch immer“, sagte Kubicki der Deutschen Presse-Agentur am Rande einer Wahlkampfveranstaltung der FDP in Hamburg. 

Nach Migrations-Abstimmung: FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann äußert sich zu Wolfgang Kubicki Nachrichten. (Montage)

Sie beide hätten bereits kommuniziert, dass sie dafür zur Verfügung stünden. „Das ist auch gut so, damit die Partei eine Orientierung hat“, so Kubicki. Ein Führungsduo an der Spitze der FDP schloss der Politiker aus Schleswig-Holstein hingegen aus. Das sei auch von der Satzung nicht vorgesehen. Wichtig sei, dass nun auch neues Personal zum Zuge komme. „Nicht alles wird ausgetauscht, aber es wird eine Menge neuer Gesichter geben, eine Menge neuer kreativer Persönlichkeiten“, versprach Kubicki. Dazu liefen bereits Gespräche. Namen nannte er nicht.

Um die Partei wieder auf die Füße zu bringen, ist laut Kubicki zudem eine „andere Form der Kommunikation“ nötig. „Offensichtlich hat unsere Ansprache nicht bei den Wählerinnen und Wählern verfangen“, räumte der 72-Jährige ein. Die FDP hatte am Sonntag mit 4,3 Prozent den Einzug in den Bundestag klar verpasst. Parteichef Christian Lindner kündigte umgehend seinen Rückzug aus der Politik an.

Viele Gründe fürs Scheitern bei der Bundestagswahl: Lindner nennt auch Ampel-Aus

Laut Strack-Zimmermann sei nicht ein einzelnes Thema oder ein Momentum schuld an der Niederlage. „Seit drei Jahren verlieren wir Wahlen – und haben damit auch sehr viele Mandatsträger verloren. Die Europawahl 2024 war eine erfreuliche Ausnahme. Wir müssen wahrnehmen, dass wir 2013 aus einer schwarz-gelben Koalition kommend abgewählt wurden“, so im Interview mit der Frankfurter Allgemeine. Offensichtlich habe man als FDP ein strukturelles Problem und könne auf kein ausreichendes Kernmilieu hoffen.

Lindner sieht die Ursache darin, dass er es nicht vermocht habe, die Erfolge der FDP in den drei Ampel-Jahren zu kommunizieren und den Wählern die Notwendigkeit des Koalitionsbruchs zu vermitteln. Öffentlich wurde das Ampel-Ende mit dem Festhalten Lindners an der Schuldenbremse verknüpft. Lindner versuchte immer wieder vergeblich, es als Ausdruck seiner Prinzipientreue darzustellen.

Diese bekannten Politiker sitzen jetzt nicht mehr im Bundestag

Christian Lindner
Die FDP ist an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert und scheidet damit aus dem Bundestag aus. Noch 2017 hatte Parteichef Christian Lindner sie mit neuem Image und einem zweistelligen Ergebnis nach vier Jahren außerparlamentarischer Opposition wieder ins Parlament geführt – doch die Rechnung ging dieses Mal nach Ampel-Bruch und Unzufriedenheit der Wählerinnen und Wähler mit der Partei nicht auf.  © imago
Johannes Vogel, Fraktionsgeschäftsführer der FDP
Dem Wahlergebnis fiel damit auch Johannes Vogel zum Opfer. Er war zuletzt Fraktionsgeschäftsführer der FDP im Bundestag sowie stellvertretender Bundesvorsitzender. Durch das Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde zieht auch er nicht wieder in den Bundestag ein.  © Rabea Gruber/dpa
FDP-Politikerin und frühere JuLi-Chefin Ria Schröder
Ria Schröder gilt als eine der personellen Hoffnungen der Freien Demokraten. Die Juristin war Vorsitzende der Jugendbewegung Junge Liberale und ist Mitglied des FDP-Bundesvorstands.  © Hannes P. Albert/dpa
Früherer FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai
Bijan Djir-Sarai saß ebenfalls für die FDP im Bundestag und war bis November 2024 ihr Generalsekretär. Nach dem Ampel-Bruch trat er von der Position zurück.  © Sebastian Gollnow/dpa
Linda Teuteberg, FDP-Spitzenkandidatin in Brandenburg
Linda Teuteberg hatte viel vor mit der FDP, als sie 2019 Generalsekretärin wurde. Von diesem Amt entfernte Christian Lindner sie jedoch zugunsten Volker Wissings schon vor dem Ende ihrer Amtszeit wegen Streitigkeiten. Auch sie ist durch das schlechte Abschneiden der FDP bei der Bundestagswahl 2025 nicht mehr im Bundestag vertreten. © Bernd von Jutrczenka/dpa
Wolfgang Kubicki (FDP)
Auch den stellvertretenden Bundesvorsitzenden und FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki werden wir in dieser Legislaturperiode wegen des Scheiterns an der Fünf-Prozent-Hürde nicht im Deutschen Bundestag sehen.  © Michael Kappeler/dpa
Christian Dürr, Fraktionschef der FDP im Bundestag
Christian Dürr ist Mitglied im Bundesvorstand der FDP und war zuletzt Fraktionsvorsitzender der Liberalen im Bundestag. Auch er scheidet mit seiner Partei wegen ihres schlechten Wahlergebnisses aus dem Bundestag aus.  © imago
Marco Buschmann, FDP
Marco Buschmann war in der Ampel-Koalition als Bundesjustizminister tätig. Mit dem Bruch der Ampel gab er das Amt jedoch an Volker Wissing ab, der nach dem Zerwürfnis der Koalition aus der Partei austrat.  © Michael Kappeler/dpa
Volker Wissing, ehemals FDP und mittlerweile parteilos
Volker Wissing, in der Ampel-Koalition Verkehrsminister und später zusätzlich Justizminister, ließ zwar nach dem Scheitern der Ampel seine Partei hinter sich. In den neuen Bundestag zieht der jetzt parteilose Rechtsanwalt aber trotzdem nicht ein. Er möchte sich aus der Politik zurückziehen und in seiner Kanzlei arbeiten. © Hannes P Albert/dpa
Jens Teutrine, früherer Chef der Jungen Liberalen
Jens Teutrine war wie Ria Schröder auch Chef der Jungen Liberalen, bevor er in den Bundestag einzog. Mit dem Ausscheiden der FDP aus dem Bundestag endet auch sein Mandat. © Serhat Kocak/dpa
Bettina Stark-Watzinger, ehemalige FDP-Bundesbildungsministerin
Ein weiteres prominentes Gesicht der Ampel-Koalition verlässt den Bundestag: Bettina Stark-Watzinger, die während der letzten Legislaturperiode Bundesbildungsministerin war.  © Christine Schultze/dpa
Sahra Wagenknecht, BSW-Gründerin und frühere Linken-Chefin
Politisch eklatant unterschiedlich, eint sie doch dasselbe Schicksal: Wie die FDP scheiterte auch das BSW an der Fünf-Prozent-Hürde – und zwar äußerst knapp. Einst Linken-Chefin, gründete Sahra Wagenknecht Anfang 2024 das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Trotz des aus dem Stand starken Abschneidens bei den Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg zieht das Bündnis nach der Bundestagswahl knapp nicht ins Parlament ein.  © Frank Ossenbrink/imago
Amira Mohamed Ali, frühere Linken-Politikerin, zum BSW gewechselt
Amira Mohamed Ali war einst Abgeordnete der Linken, gründete jedoch zusammen mit Sahra Wagenknecht das BSW. Sie ist Parteivorsitzende – und nicht mehr im Bundestag. © Christoph Hardt/imago
Sevim Dagdelen, frühere Linken-Politikerin, zum BSW gewechselt
Auch Sevim Dagdelen entschied sich zum Parteiaustritt aus der Linken und zum Eintritt ins BSW, das bei der Bundestagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte und somit nicht im Bundestag vertreten ist.  © imago
Grünen-Politiker Cem Özdemir
Die Grünen verlieren nach der Bundestagswahl 2025 sogar ein Ministergesicht: Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir wird nicht mehr im Parlament vertreten sein. Jedoch entschied er das bereits selbst lange vor der Wahl. Er will der Bundespolitik den Rücken kehren und strebt in seiner Heimat Baden-Württemberg das Amt des Ministerpräsidenten an. © Hannes P Albert/dpa
Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar
Grünen-Politiker Stefan Gelbhaar dürfte über die Grenzen Berlins hinaus nicht besonders bekannt gewesen sein – bis Ende 2024 Vorwürfe der Belästigung gegen ihn laut wurden. Eigentlich wollte er in seinem Wahlkreis Berlin-Pankow wieder zur Bundestagswahl antreten, jedoch entschied sich der Kreisverband bei einer erneuten Abstimmung stattdessen für Julia Schneider, die nun in den Bundestag einzieht. Die Vorwürfe hatten sich im Übrigen als falsch erwiesen.  © imago
Grünen-Politikerin Tessa Ganserer
Tessa Ganserer ist eine der bekanntesten Trans*-Politikerinnen Deutschlands. Im Bundestag setzte sich die Grüne vor allem für die Rechte queerer Menschen ein. Dass sie in der 21. Wahlperiode nicht mehr im Parlament sitzt, war ihre eigene Entscheidung. Sie trat nicht mehr als Kandidatin an. Wegen des „menschenverachtenden Hasses“, der ihrer Person entgegengebracht worden sei, wolle sie ihrem Leben noch einmal eine andere Richtung geben. © Dwi Anoraganingrum/imago
Grünen-Politikerin Renate Künast
Auch die prominente Grünen-Politikerin Renate Künast wird nicht mehr im neuen Bundestag vertreten sein – ebenfalls aus freien Stücken. Sie wollte nicht mehr antreten, „um Platz für Jüngere zu machen“, hatte Künast im Sommer 2024 erklärt. Vorher war sie bereits Landwirtschaftsministerin, Grünen-Fraktionschefin und Parteivorsitzende gewesen.  © Christoph Soeder/dpa
SPD-Politikerin Michelle Müntefering
Auch bei der SPD verlassen bekannte Gesichter den Bundestag. Michelle Müntefering (SPD), Ehefrau von Franz Müntefering, sitzt ebenfalls nicht mehr im Parlament. Das war jedoch schon vor der Bundestagswahl klar: Die SPD hatte nicht mehr sie, sondern Hendrik Bollmann für ihren Wahlkreis Herne - Bochum II nominiert. © M. Popow/imago
SPD-Politiker und ehemaliger Regierender Bürgermeister von Berlin, Michael Müller
Michael Müller (SPD) war einst Regierender Bürgermeister von Berlin und zog 2021 in den Bundestag ein. Damals hatte er in seinem Wahlkreis Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf die meisten Stimmen bekommen, diesmal landete er hinter Lukas Krieger (CDU) und Lisa Paus (Grüne) nur auf dem dritten Platz und verpasste damit sein Ticket ins Parlament.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Der frühere SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert
SPD-Promi Kevin Kühnert hatte eine steile politische Karriere hingelegt. Er war Vorsitzender der SPD-Jugendorganisation Jusos, stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD und seit 2021 Generalsekretär. Von dem Amt trat er 2024 zurück und kündigte an, sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Politik zurückzuziehen und nicht mehr für den Bundestag kandidieren zu wollen.  © Michael Kappeler/dpa
SPD-Politiker Michael Roth
Der hessische SPD-Politiker Michael Roth entschied sich ebenfalls weit vor der Wahl, nicht mehr für den Bundestag anzutreten. In seinem Fall spielte auch sein Einsatz für die Ukraine eine Rolle, der nicht allen in der Partei gefallen habe, und er habe sich mit der Zeit von den Sozialdemokraten und dem Politikbetrieb entfremdet. © imago
CDU-Politiker Helge Braun
Trotz ihres Wahlsiegs verliert auch die Union ein bekanntes Gesicht: Helge Braun war unter Angela Merkel Kanzleramtschef. Ende 2024 kündigte der Arzt aus Gießen an, sich aus der Politik zurückziehen zu wollen.  © Kay Nietfeld/dpa
CSU-Politiker Peter Ramsauer
Auch aus der Schwesterpartei CSU verschwindet eine bekannte Persönlichkeit: Der frühere Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer scheidet aus dem Bundestag aus – auf eigenen Wunsch war er nicht mehr angetreten. © Michael Kappeler/dpa
Susanne Hennig-Wellsow, Die Linke
Auch die Linke verbüßt trotz überraschend starkem Wahlergebnis Abgänge: unter anderem Susanne Hennig-Wellsow. Die frühere Bundesparteivorsitzende ist nicht mehr zur Bundestagswahl angetreten. Sie wollte sich beruflich etwas Neuem widmen. © Frederic Kern/imago

Im Vergleich zu 2021 verlor die FDP am Sonntag (23. Februar) bei der Bundestagswahl an alle Parteien Stimmen – trotz gestiegener Wahlbeteiligung sogar an die Nichtwähler. 1,35 Millionen ehemalige FDP-Wähler machten ihr Kreuz diesmal bei der Union, 890.000 bei der AfD, 260.000 an das BSW.

Die Verluste von 7,1 Prozentpunkten im Vergleich zu 2021 täuschen allerdings: Damals brachte auch der Frust vieler Menschen über die Corona-Maßnahmen die FDP auf 11,4 Prozent. In der „Ampel“ begann dann der Umfrage-Sinkflug. Der vorbereitete Koalitionsbruch nützte ihr nichts, die Affäre um das sogenannte D-Day-Papier, das den Koalitionsbruch vorbereitete, schadete der FDP und schließlich auch Lindner.

Ohne Führung, ohne Fraktion, ohne Kurs: FDP steht vor ungewissem Neuanfang

Tatsache ist, vor der Partei liegen Monate programmatischer, personeller und organisatorischer Weichenstellungen. Bis zum Parteitag Mitte Mai sind Parteichef Christian Lindner und Generalsekretär Marco Buschmann noch kommissarisch im Amt. Lindner kündigte einen „geordneten Übergang“ an. Die nächste Parteiführung übernehme „eine gesunde und stabile Organisation“. Das sei eine „wichtige Voraussetzung für ein Comeback bei der nächsten Bundestagswahl“.

Für die 90 Bundestagsabgeordneten der FDP ist das Wahlergebnis besonders bitter. Ebenso wie ihre Mitarbeiter und die Fraktionsangestellten verlieren sie Jobs und Posten im Parlament. Diese sogenannte Liquidation erlebte die FDP schon 2013 bei ihrem ersten Ausscheiden aus dem Bundestag.

Auch finanziell dürfte die Partei erhebliche Einbußen haben, doch der scheidende Generalsekretär Buschmann stellte klar: „Wir sind finanziell sehr solide aufgestellt“. Das unterscheide den Zustand „radikal“ von 2013. „Am Geld wird der Wiederaufstieg der FDP nicht scheitern“. (bg/dpa)

Rubriklistenbild: © Montage (1) Rolf Vennenbernd/dpa (2) Michael Kappeler/dpa

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